Neurophysiologie, Präpkurs und zwischendurch mal Shopping

bags.jpg

Es ist Anfang Oktober und ich sitze zu Hause vor meinem Laptop und starre auf den Bildschirm, wie wahrscheinlich viele meiner Kommilitonen auch. Der Grund dafür ist unser neuer Stundenplan, der uns das ganze dritte Semester über begleiten wird. Ab jetzt haben wir mehrmals die Woche das Fach Neurophysiologie in unterschiedlichen Varianten: Vorlesung, Seminar und Praktikum. Dazu kommen noch diverse andere Fächer wie Physik, Untersuchungskurs und Medizinische Psychologie und Soziologie. Die Kurszeiten für die Assistenz im Präp-Kurs sind hier gar nicht erst eingezeichnet. Vielleicht war dafür auch einfach kein Platz mehr.

Drei Wochen später kann ich aber schon Entwarnung geben. Das Praktikum der Neurophysiologie macht sehr viel Spaß. Wir dürfen uns Elektroden auf die Muskeln kleben, dadurch unsere eigenen Nerven reizen und die Leitungsgeschwindigkeiten bestimmen. Außerdem können wir unser Hörvermögen testen und uns auf einem Stuhl drehen bis uns schlecht wird. Alles natürlich nur zu Forschungszwecken. Die Seminare zu den Praktika sind zwar zeitaufwendig, weil wir für jeden Kurstermin vier Referate vorbereiten müssen, aber die Inhalte stellen für das Verständnis der Versuche eine sehr wichtige Grundlage dar.

Ebenfalls viel entspannter als gedacht verläuft die Präpassistenz. Als Studentin im dritten Semester darf ich nun mein Wissen im Fach Anatomie an ungefähr 20 neue Erstsemestler weitergeben und ihnen die wichtigsten Strukturen an der Leiche zeigen. Schön zu sehen ist hier der Fortschritt, den die jungen Studenten machen. Jede Woche wissen sie mehr zu verschiedenen Themengebieten und am Ende muss ich sogar bei machen Fragen ihrerseits passen, wenn es heißt: „Ich habe da mal in einem Buch gelesen, dass… Kannst du das bestätigen?“ Nebenbei besteht darin natürlich auch die Möglichkeit sich auf das Physikum im Fach der Anatomie optimal vorzubereiten.

Nun stellt sich sicher die Frage, wo da der Spaß bleibt. Schließlich bin ich zeitlich mit den Kursen ziemlich eingespannt oder pendele mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von einem Standort meiner Universität zum nächsten. Doch ich kann euch beruhigen. Erstens geht auch die stressigste Zeit während des Studiums einmal vorbei und zweitens schafft man es mit ein bisschen Organisationstalent auch den einen oder anderen freien Nachmittag einzuplanen, an dem Papier und Stift zu Hause gelassen werden können. Zum Ausgleich bieten sich eine Vielzahl an Aktivitäten an, die zum Teil sogar von der Uni ins Leben gerufen wurden. So gibt es bei uns beispielsweise einen Medizinerchor. In meinem Fall ist es allerdings aus rein musikalischer Sicht besser, wenn ich stattdessen eher shoppen gehe. Wir wollen ja nicht, dass sich der Chor ausgerechnet durch mein Unvermögen wieder auflöst. München ist für einen Stadtbummel hervorragend geeignet und so kommt es, dass ich an ausgewählten Tagen mit meiner Zwillingsschwester oder Kommilitonen durch die Fußgängerzone laufe und ein paar neue wollige Kameraden für meinen Kleiderschrank finde.

Allgemein kann ich also behaupten, dass das Wichtigste am Studium, neben einem fundierten Wissen, eine stabile Balance ist. Einige Studenten lernen enorm viel und verzweifeln dann, wenn einmal keine Eins in einer Prüfung herausspringt. Doch wirklich glücklich wird man erst, sobald man sich bewusst kleine Auszeiten gönnt und etwas mit anderen Mitmenschen unternimmt. Das Fazit sollte lauten: work hard and have fun.

Eure Gina-Maria

Share
Tweet
Share
Share