Hormone- Vitamine und Co

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Seit dem zweiten Semester hab ich nun schon Biochemie und mein bester Freund wird dieses Fach wohl nie werden. Nicht dass es nicht interessant wäre, aber Strukturformeln sind glaub ich eine Erfindung, um uns Studenten zu foltern.

Angefangen hat das Ganze mit einfachen funktionellen Gruppen, also Aldehyd, Alkohol und viele weitere, also eigentlich etwas was uns die Chemiker schon versucht haben zu erklären. Nur das die Chemiker dieses Wissen auch bereits vorausgesetzt haben, nämlich aus der Schulzeit. Und genau da liegt mein Problem – meine letzten Chemiestunden waren in der neunten Klasse. Kaum hatte ich das Gefühl diese funktionellen Gruppen endlich zu erkennen ging es mit Aminosäuren weiter. Auch hier ging es im Prinzip nie ums verstehen, sondern ums Lernen. Die Vorlesungen in der Biochemie waren von Anfang an sehr spannend, aber auch Aminosäuren besitzen wunderschöne Strukturformeln. Und je mehr Strukturformeln es werden, desto eher wirbel ich diese durcheinander. Erstaunlicherweise hat die Klausur am Ende im Erstversuch geklappt, obwohl die Klausur die letzte der Klausurenphase war und die Motivation nicht mehr gerade groß war. Ergebnis des zweiten Semesters war also, dass die Biochemie durchaus interessant ist und auch gar nicht so kompliziert, dafür aber wirklich umfangreich und lernintensiv.

Im dritten Semester wurde die Biochemie plötzlich wesentlich spannender. Wir starteten die Praktika und Seminare. Zunächst machte sich im ganzen Semester eine gewisse Panik breit, da wir jeden Versuch mit einem Eingangstestat beginnen würden und keiner konnte wirklich einschätzen, wie aufwendig diese Praktikumstage werden würden. Es stellte sich jedoch heraus, dass etwas Vorbereitung mithilfe von Docsdocs und die Eingangsvorlesung völlig reichten. Kurzer Exkurs zu Docsdocs, ich kann diese Plattform nur wärmstens empfehlen, das stellen nämlich höhere Semester alle Altklausuren zur Verfügung, ist also echt hilfreich. Die Biochemiker waren echt fair und haben uns als Belohnung, wenn die Testate im Schnitt über 75% lagen, ein Gesamttestat, also quasi die Klausur, erlassen.

Jetzt aber zu dem eigentlich Spannendem: Die Versuche. Ich glaube ich habe nirgendwo mehr in den Versuchen gelernt, als in der Biochemie. Da können Chemie, Physik und Physiologie einfach nicht mithalten. Wir waren fast immer unsere eigenen Probanden oder die Praktikumsbetreuer mussten herhalten. Einer der ersten Versuche war zum Cholesterinstoffwechsel. Die Betreuer mussten vorher Hackfleischpizza essen, sonst wären die Werte zu langweilig gewesen. Die Versuche an sich liefen immer ähnlich ab. Wir waren etwa acht Studenten pro Labor und wurden dort in Untergruppen von zwei bis drei Personen eingeteilt. So konnten wir die einzelnen Versuche aufteilen und mussten nicht, wie eigentlich angekündigt, bis 20 Uhr abends dortbleiben. Zunächst haben wir den Umgang mit den jeweilig benötigten Laborutensilien, wie der Eppendorf Pipette, geübt, damit im Versuch nichts schiefgeht. Die eigentlichen Versuche waren überschaubar und interessant. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Versuch zum Zuckerstoffwechsel. Wir hatten die Anweisung zehn Stunden vorher nichts mehr zu essen. Als erstes wurde dann der Nüchternwert Glucose und Laktat gemessen. Danach durften einige von uns endlich essen, nämlich entweder zwei Eier oder drei Brötchen. Eine Gruppe musste statt zu essen erst Sport machen und die letzte Gruppe Glukosesirup trinken. Hinterher wurde in festgelegten Abständen erneut Blut abgenommen. Leider waren unsere Messergebnisse ziemlich daneben. Mit meinem Zuckerwert hätte ich schon im Koma liegen müssen, dabei ging es mir super. Die Tendenz war in den Werten übrigens trotzdem gut zu sehen.

Ab morgen startet für mich dann das vierte Semester mit ganz viel Biochemie. Ich hoffe auch dieses Mal viele neue Dinge zu erfahren. Das eigentlich Böse an der Biochemie, meine geliebten Strukturformeln, werden mich aber den ganzen Sommer ärgern, da schreib ich nämlich das Physikum. Zum Lernen hab ich mir jetzt so eine Kindertafel gekauft, da kann ich dann ohne Papierverschwendung jede Menge Formeln malen. Insgesamt kann ich nur sagen, auch wenn es sicher nicht das leichteste Fach ist und das Lernen einen wahnsinnig macht, lasst euch die Biochemie nicht von den Strukturformeln kaputt machen. Die Thematik ist super interessant und auch wichtig, um andere Zusammenhänge zu verstehen. Auch ich – die Chemiekatastrophe – hab das bisher ganz gut hingekriegt, also nicht schon vorher verzweifeln.

Eure Pia

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