Wartezeit überbrücken – Freiwilliges Soziales Jahr

Wartezeit-uberbrucken.jpg

Ich habe mein Abitur im Jahr 2008 absolviert und leider nicht mit einem 1,0-Abitur abgeschlossen. Deswegen war ich mir nicht sicher, ob ich direkt einen Studienplatz erhalten würde. Ich habe mich für ein FSJ beworben, um das Jahr bis zur nächsten Bewerbungsmöglichkeit zu überbrücken.

Ein FSJ ist ein freiwilliges Soziales Jahr. Man kann es in den unterschiedlichsten Einrichtungen absolvieren, z.B. im Krankenhaus, in einer Kindertagesstätte oder in einem Altenheim. Ich habe mich für das Krankenhaus in meiner Heimatstadt entschieden, um Erfahrungen im medizinischen Bereich zu sammeln. Ich bin dann auf einer chirurgischen Station gelandet. Das Gute an einem kleinen Krankenhaus ist, dass man auf einer einzigen Station bereits auf die unterschiedlichsten Fälle trifft. Auf meiner Station gab es urologische, onkologische und orthopädische Fälle.

Zu meinem Aufgaben gehörte das Bettenmachen, Zubereiten und Servieren von Essen sowie die Pflege der Patienten. Weiterhin mussten Patienten gewaschen und Hilfe bei der Notdurft geleistet werden. Im Krankenhaus, in dem ich arbeitete, gab es keine Küche. Frühstück und Abendessen wurden also von einem FSJ-Leistenden oder Auszubildenden zubereitet, das Mittagessen wurde geliefert. Das bedeutete, dass ich auch einen großen Teil meiner Arbeitszeit in der Küche verbrachte, Brote schmierte und Teller vorbereitete.

Ein freiwilliges Soziales Jahr wird von einem Träger finanziert. Ich habe eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 200€ pro Monat bekommen. Ich habe regulär in der Schicht mit den Schwestern und Pflegern zusammen gearbeitet, 40 Stunden pro Woche. An jedem Arbeitstag habe ich zusätzlich ein kostenloses Mittagessen in der Mensa erhalten.

Der große Vorteil des FSJ ist, dass man gleichzeitig sein Pflegepraktikum für das spätere Medizinstudium absolviert. Außerdem sammelt man viel Erfahrung im Umgang mit Patienten. Je nach Krankenhaus und vorgesetzter Schwester kann man auch noch Erfahrung im Untersuchen von Patienten sammeln: Blutzucker, Körpertemperatur und Blutdruck messen zum Beispiel.

An einigen Universitäten gibt es im Bewerbungsprozess sogar extra Punkte für ein FSJ. So kann man seine Abiturnote aufbessern und die Chancen für einen Studienplatz erhöhen.

Ein großer Nachteil ist, dass man als FSJ-Leistender oft „nur“ eine günstige Arbeitskraft ist. Aufgrund der nicht vorhandenen Ausbildung darf man eben nur die oben beschriebenen sehr eingeschränkten Tätigkeiten ausführen. Es bleibt häufig keine Zeit, um Fragen zu stellen. An stressigen Tagen rennt man nur hin und her und hat manchmal nicht mal eine Pause.

Leider muss ich sagen, dass ich an einige sehr unfreundliche Schwestern geraten bin. Sie ließen erkennen, dass ein FSJ-Leistender ihrer Meinung nach alle Aufgaben zu erfüllen hat, auf die sie selbst keine Lust haben. Es gab aber auch freundliche Schwestern, die offen waren für Fragen und wissbegierige junge Menschen.

FAZIT: Vor einem FSJ sollte man sich ganz genau darüber informieren, welche Aufgaben auf einen zukommen und wie der Umgang des Personals untereinander aussieht. Ich persönlich würde kein FSJ mehr machen. Ich denke, dass es besser ist, sein Pflegepraktikum unentgeltlich separat zu absolvieren und danach unabhängig davon arbeiten zu gehen. Als Aushilfe in einem 400€-Job arbeitet man beispielsweise 25 Stunden pro Woche. So hat man noch genug Freizeit, um sein Leben vor dem Studium zu genießen.

Share
Tweet
Share
Share