Auf Umwegen nach Neuruppin

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Medizin begeistert mich schon seit langer, langer Zeit, ohne dass ich aus einer Medizinerfamilie komme oder großartig Kontakt zu diesem Berufsfeld hatte. Im Kindergarten versuchte ich, das anatomische Herz aus meinem Lieblingsbuch abzumalen (das hat zwar überhaupt nicht geklappt, wurde trotzdem immer gebührend von meinen Eltern lobgepriesen und an den Kühlschrank gehangen). Dann irgendwann wollte ich ein Pferd und einen Hund und am besten gleich Tierärztin werden: typische Wünsche für ein Mädchen vom Land. In der Oberstufe war der Traum schon realer und ich begann, etwas für den Wunsch, Ärztin zu werden, zu tun. Ich wählte das naturwissenschaftliche Profil und lernte schnell noch ein bisschen Latein, sowohl aus Interesse an Biologie und Physik, aber auch um mir den Start mit etwas Vorwissen zu erleichtern.

Endlich das Abi in der Hand, habe ich mich mit voller Begeisterung an den PC gesetzt, um mich für einen Medizinstudienplatz zu bewerben. Dass die Begeisterung so schnell vielen Fragezeichen wich, als ich mich das erste Mal durch den Hochschul-Bewerbungs-Dschungel kämpfte, hätte ich nicht gedacht. Als dann die Bescheide ins Haus flatterten und ich schmerzlich realisierte, dass man heutzutage in Deutschland nur mit einem bomben 1,0er Abi (das ich leider nicht ganz geschafft habe) Medizin studieren darf, war die Enttäuschung komplett. Der Traum schien fürs erste geplatzt zu sein. Gleichzeitig hört man noch vom Ärzte-Mangel und wird richtig sauer, dass man mit einem wirklich guten Abi mittlerweile sieben Jahre auf seinen großen Wunsch warten soll. Aber davon ließ ich mich nicht unterkriegen und suchte mit tatkräftiger Unterstützung meiner Eltern nach Alternativen. Wie heißt es so schön? „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“!

Ein FSJ im Rettungsdienst mit der Qualifikation zum Rettungssanitäter entsprach meinen Interessen und sollte meine Chancen auf den ersehnten Medizinstudienplatz verbessern. Dachte ich… Doch es kam die nächste Enttäuschung. Berufliche Erfahrung und ein freiwilliges soziales Jahr bringen leider an den meisten Unis nichts oder viel zu wenig, um endlich studieren zu dürfen. Ich hatte bereits während meiner Schulzeit und im Rahmen meiner Qualifikation zum Rettungssanitäter diverse Praktika im Krankenhaus absolviert, die mir alle super viel Spaß machten und den unbedingten Wunsch, Medizin zu studieren, nur weiter festigten. Das Ziel Ärztin zu werden stand, jetzt war nur die Frage: „Wie kann ich es erreichen?“

Also weiter überlegt, schnell den TMS geschrieben und, da Rettungsdienst meine Leidenschaft geworden war, dort die Ausbildung zur Rettungsassistentin gemacht. In dieser aufregenden Zeit habe ich super viel gelernt und bin menschlich gereift. Mal aus seinem wohlbehüteten Umfeld ins kalte Arbeitsleben gestoßen zu werden, lehrt einem das „Schwimmen“. Ich konnte Erfahrungen sammeln, die ich nicht missen möchte. So kann ich jedem nur raten, eine Ausbildung zu machen. Das ist nie, nie, nie verschwendete Zeit, sondern war mein größtes Glück.

Mit der Ausbildung, sehr gutem Abschlusszeugnis und super Arbeitszeugnissen hatte ich mich erneut bei hochschulstart.de beworben und bin wieder einmal gescheitert. Und zwar dieses Mal richtig. Die Traumblase begann zu platzen. Drei Jahre gewartet, Erfahrungen gesammelt, sehr viel von Menschen und am Menschen gelernt und trotzdem immer noch zu unqualifiziert, um in Deutschland zu studieren?? Was läuft hier falsch und warum ändert sich trotz Ärztemangel nichts? Ich habe angefangen, mein Talent, meine Qualifikationen und meine Intelligenz zu hinterfragen und vor allem, ob es sich überhaupt lohnt. Dass es das tun würde, konnte ich glücklicherweise später feststellen.

Aber jetzt hieß es erst einmal weiterschauen, Alternativen überlegen, den Blick aufs Ausland richten – und mit einem Mal Neuruppin entdecken. Die MHB warb mit einem NC-freien, praxisorientierten Modellstudiengang und gab mir wieder Hoffnung, in Deutschland Medizin studieren zu können. Ich konnte anstelle einer stupiden Notenabfrage eine richtige Bewerbung schreiben, meine Qualifikationen darlegen und endlich erläutern, warum Ärztin werden mein größter Wunsch ist.

Warum ich das als meinen ersten Blog-Beitrag schreibe? Weil ich glaube, dass es vielen jungen Menschen da draußen genauso ergeht, wie es mir erging. Und weil ich euch Mut machen will, dass es auch für euch einen passenden Weg gibt. Vielleicht nicht planiert und immerzu geradeaus, sondern mit Umwegen, Abzweigungen und Hindernissen. Aber wer weiß schon im Vorfeld, wofür jede noch so schmerzliche Niederlage gut ist? Irgendwann kommt ihr an euer Ziel und wisst, warum es, im Nachhinein betrachtet, gerade so perfekt gelaufen ist.

Wie es dann mit mir weiterging und warum es sich lohnt, Medizin zu studieren und auch mal einen Blick nach Neuruppin zu riskieren, erzähle ich euch im meinem nächsten Beitrag.

Eure Lisa

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