Relax and study – nur wie? Wie ich mich neben dem Medizinstudium entspanne

„Versuchen Sie, Stress zu vermeiden. Schalten Sie einfach einen Gang runter.“ Mit diesen und ähnlichen Floskeln werden viele Patientinnen und Patienten von Ärzten überhäuft. Was daran abwegig erscheint? Die Ärzte versinken meist selbst im Stress und achten eher wenig auf die eigene körperliche und seelische Ausgeglichenheit. Dieses Phänomen beginnt bei den meisten bereits im Studium. Wie ich im Medizinstudium aktiv dagegen ankämpfe, das kannst du im folgenden Beitrag lesen.

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Photo courtesy of Elsevier / Colourbox

Ein voller Stundenplan, Vorlesungen und Seminare von Früh bis Spät und Klausuren so weit das Auge reicht – willkommen im Medizinstudium! Studiertage von acht Stunden und mehr stehen hier auf der Tagesordnung. Klar ist, dieser Studiengang ist heiß begehrt, zeit- und kostenintensiv, aber wohl einer der spannendsten überhaupt. Um bei all der Lernerei trotzdem einen kühlen Kopf zu bewahren, braucht es ein paar Kniffe, mit denen man sich selbst immer wieder motiviert, am Ball zu bleiben. Dies ist ein Prozess, den ich im Laufe des Studiums erst lernen musste. Folgende Punkte helfen mir nach wie vor, mich immer wieder zu entspannen und in anstrengenden Phasen runterzukommen:

1. Lass dich nicht von anderen zu sehr beeinflussen

Mediziner sind wahre Meister im „Sich-Reinstressen“. Wer kann die meisten Seiten im Prometheus auswendig? Wer hat am Wochenende am meisten gelernt? All diese Fragen innerhalb der Mediziner-Clique können einem mit der Zeit die letzten Nerven rauben. Tausch dich gerne über Lerninhalte mit deinen Freunden innerhalb des Studienganges aus, lass dich aber nicht davon verrückt machen, wenn manche mehr Aufwand betreiben als du. Jeder hat seine eigene Lerntaktik etabliert, weil gerade diese eben bei einem selbst gut funktioniert, also bleib auch weiterhin bei deinem Vorgehen und versuch nicht, dich an anderen zu messen.

2. Behalte deine Hobbys bei

Ich hab‘ am Anfang des Studiums den Fehler gemacht, all meine Hobbys und Freizeitbeschäftigungen auf Eis zu legen, um möglichst viel Lernzeit zu schaffen. Effektiv gelernt habe ich dabei jedoch nicht gerade, da man einfach irgendwann ausgelaugt und demotiviert ist. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen. Im Laufe des Studiums habe ich Schritt für Schritt alte Hobbys wiederaufleben lassen und mir sogar neue zusätzlich gesucht. So entspanne ich mich zwischen schwierigen Lernkapiteln mit ein paar Stücken am Klavier oder nehme auch mal ein nicht-medizinisches Buch in die Hand, um darin zu versinken.

3. Das Leben besteht in der Bewegung

Aristoteles wusste damals schon genau, wovon er spricht. Auch dem größten Sportmuffel würde ich ans Herz legen, nach vielen anstrengenden Lernstunden zumindest mal einen Spaziergang zu unternehmen. Sport hilft mir im Studium mit am effektivsten, Stress abzubauen und abends ausgelaugt, aber glücklich in mein Bett zu sinken. An vielen Universitäten werden auch umfangreiche Sportprogramme mit zahlreichen Kursen angeboten, sodass für nahezu jeden etwas dabei ist. Ein netter Nebeneffekt ist, dass man die Möglichkeit hat, auch Studierende anderer Studiengänge kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen, was gerade in den ersten Semestern des Studiums sehr wichtig ist.

4. Schaff‘ dir eine angenehme Atmosphäre in deinen eigenen vier Wänden

Nach einigen Jahren in verschiedenen Studentenwohnheimen habe ich gemerkt, wie viel Entspannung es bringt, wenn man gerne nach Hause kommt. Dabei kommt es nicht unbedingt auf den verfügbaren Platz in seiner Wohnung an, sondern auf dessen Gestaltung, also – richte dir dein Zimmer/deinen WG-Bereich/deine Wohnung unbedingt in deinem individuellen Stil ein und versuche, deinen Schreibtisch bzw. Arbeits- und Lernplatz zu einem Ort zu machen, an dem du dich wohlfühlen kannst, denn du wirst ziemlich viel Zeit im Laufe des Studiums daran verbringen.

5. Zu guter Letzt: belohne dich und sei ehrlich mit dir selbst

Im Laufe deines Studiums wirst du oftmals Leistungen erbringen, die du davor nicht für möglich gehalten hast. Wenn die letzten Tage und Stunden vor Klausuren mich an den Rand der Verzweiflung gebracht haben, habe ich mir Dinge oder Aktivitäten als Belohnung überlegt, die ich mir im Anschluss gegönnt habe. Komm‘ bitte auch nicht in Versuchung, unrealistische Klausurergebnisse zu erwarten. Hat man mal nicht allzu viel für eine Klausur gelernt, wird diese vermutlich auch dementsprechend für einen ausfallen. Bei der Menge an Prüfungen im Medizinstudium kann nicht jede Klausur eine Glanzleistung sein, behalte einfach im Hinterkopf: der Weg ist das Ziel!

Fazit


Ich hoffe, ihr könnt den ein oder anderen Tipp aus meinem Studienalltag auch in euren integrieren und etwas entspannter und gelassener auf so manche Stresssituation zugehen. Ich drücke euch dabei fest die Daumen und wünsche euch viel Erfolg im weiteren Studium.

Bis zum nächsten Mal,
eure Natascha

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