Wer oder was ist die OSCE

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An immer mehr Unis hört man in der Klinik dieses Wort, doch viele von euch können wahrscheinlich erst einmal gar nichts damit anfangen. Wenn man es genau nimmt, dann ist es kein Wort sondern eine Abkürzung und zwar steht OSCE für „Objective Structured Clinical Examination“. Dabei handelt es sich um eine Prüfung bei der man mal keinen Stift in der Hand hält, sondern man trägt einen Kittel und hat das Stethoskop umgeworfen. Als Medizinstudent der Uni Bonn muss man in mittlerweile fast jedem klinischen Semester OSCE-Prüfungen absolvieren.

Die erste zu absolvierende OSCE prüft die Untersuchungsfähigkeiten ab, die in den ersten beiden klinischen Semestern beim „Grundkurs klinischer Untersuchungen“ erworben wurden. An insgesamt acht verschiedenen Stationen kann man sein Können unter Beweis stellen. Zu Beginn einer Station hat man eine Minute Zeit um sich den Fall, mit dem man im Untersuchungszimmer konfrontiert wird, durchzulesen. Wenn die Minute vorbei ist, ertönt ein Pfiff und dann kann man ins Untersuchungszimmer gehen. Vier Minuten hat man nun Zeit für die Untersuchung und ich kann euch sagen, das geht schneller vorbei als man denkt. Aus diesem Grund empfehle ich euch, dass ihr euch beim Lernen für die OSCE nicht nur Gedanken darüber macht was ihr bei den jeweiligen Krankheitsbildern untersuchen müsst, sondern auch wie die Untersuchungen praktisch ablaufen und diese auch einmal übt. Es macht nämlich noch einmal einen großen Unterschied zwischen dem theoretischen Wissen, wie man das Bein bei der Kreuzbanduntersuchung halten muss und der praktischen Durchführung von Lachmann, Pivot-Shift und Co. Die einzelnen Stationen sind sehr eng getaktet, so dass man zwischen den Stationen meist nur einen kurzen Schluck trinken kann, bevor es weiter geht.

Soviel zum groben Ablauf der OSCE. Jetzt erzähle ich euch aber auch genaueres über den Ablauf im Untersuchungsraum, damit ihr noch eine bessere Vorstellung von der Prüfung bekommt.

Wenn ihr in das Untersuchungszimmer kommt, werden meist noch zwei weitere Personen dort anzutreffen sein, der Prüfer, der dein Handeln bewertet und ein Schauspielpatient. An einigen Stationen sind keine Schauspielpatienten sondern Puppen die ihr dann untersuchen müsst. Das wichtigste am Anfang der Prüfung ist, sich bei dem Patienten mit Namen und Funktion vorzustellen. Auch wenn es sich nicht um einen richtigen Patienten handelt, sollte man dennoch die Förmlichkeiten beibehalten. Bei vielen Stationen wird vor der klinischen Untersuchung noch eine kurze Anamnese erwartet, die man aber nach dem geläufigen Anamneseschema abhandeln kann. Bevor ihr zu der klinischen Untersuchung übergeht, schaut ihr euch am besten noch einmal kurz im Raum um, denn da liegen oft noch andere Utensilien die ihr verwenden müsst. So liegt zum Beispiel bei einem vermeintlichen Herzinfarktpatienten zu 100%iger Wahrscheinlichkeit noch ein EKG im Raum was ihr anlegen müsst. Wenn ihr den Patienten dann untersucht achtet darauf, dass ihr dem Prüfer nicht die Sicht auf eure Untersuchungen versperrt, denn sonst kann er euch auch nicht ordentlich beurteilen.

Darüber hinaus sollt ihr während der Prüfung nicht nur untersuchen sondern auch reden. Das bedeutet, dass ihr beschreiben sollt, was ihr untersucht und was bei euch im Kopf vorgeht, damit der Prüfer euer Handeln nachvollziehen kann. Wenn die Zeit abgelaufen ist, ertönt ein weiterer Pfiff von draußen und ihr müsst die Station beenden und zur nächsten gehen.

Für den ein oder anderen mag sich dieses Prüfungsformat sehr subjektiv anhören und ihr habt auf jeden Fall Recht, dass es subjektiver ist als eine Klausur bei der nur eure Kreuzchen gewertet werden. Es ist jedoch so geregelt, dass jeder Prüfer einen Bewertungsbogen vorliegen hat und anhand diesem den Prüfling bewertet. Er kreuzt also nur an was der Prüfling gesagt bzw. getan hat und auf diese Art und Weise gewinnt die OSCE dann wieder an Objektivität.

Alles in allem ist die OSCE meiner Meinung nach eine sehr innovative Prüfungsform, die einen als Student viel besser auf das spätere Leben in der Klinik vorbereitet als eine Klausur bei der man nur Kreuzchen machen muss. Auf diese Art und Weise kann zwar nur ein geringerer Prüfungsstoff abgefragt werden, aber letztendlich wurde nicht nur das abgeprüft was man an Wissen im Kopf hat, sondern was man praktisch mit den Händen machen kann.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Erfolg für eure erste OSCE und kann euch nur sagen: OSCEs machen Spaß!

Eure Sabrina

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