Physikum: erst mal verdrängen dann anpacken – Teil 2 Mündliche Prüfung

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Zwei Tage nach dem schriftlichen folgt die Ladung zum mündlich-praktischen Teil mit Bekanntgabe meiner Prüfer. Hätte schlimmer kommen können, immerhin bin ich mit 33% meiner Prüfer zufrieden. Wir stehen zu viert vor dem Prüfungsraum und warten. An uns laufen hin und wieder ähnlich ungewohnt förmlich gekleidete Menschen vorbei und die parallel stattfindenden Auswahlverfahren für die neuen Erstsemester halte ich für ein gutes Omen – das habe ich doch vor zwei Jahren auch geschafft (auch wenn mir die Zeit dazwischen wahrlich nicht so lang vorkommt). Dann geht es los. Vor uns stehen neue, gute Mikroskope – und ich finde prompt nicht mal den Stromschalter. Mich überkommt das Gefühl, dass niemand aus meiner Zeichnung – geschweige denn der Beschriftung – schlau werden kann. Weiter geht es in den Präpsaal. Am Rand sehe ich verschiedene Modelle liegen (Bitte kein Hirnmodell, bitte kein Hirnmodell…). Während meine Mitprüflinge an der Reihe sind, vertreibe ich mir Zeit und Aufregung mit der Beobachtung der Mitprüfer, die wissend blickend offenbar versuchen, dem Frage-Antwort-Spiel zu folgen. Ich bin an der Reihe und ein paar Fragen an der Leiche später halte ich ein Hirnmodell in den Händen und stottere irgendetwas zurecht. Dann ziehen wir wieder um und es geht weiter – noch etwas mehr Anatomie, dann folgt Physiologie und schließlich Biochemie, während der Physiologie-Professor schon zu schlafen scheint. Irgendwie lässt mich dabei das Gefühl nicht los, dass ich die Fragen meiner Mitprüfer locker hätte beantworten können, bei den eigenen quäle ich mich irgendwie durch. Vor der Tür drehen wir Prüflinge dann noch kurz durch, bevor wir mit unseren Noten die unglaublich erleichternde Erlaubnis zum Dauer-Grinsen bekommen – egal, wie der Schnitt denn nun ist: der letzte Rest Sommer darf nun in vollen Zügen genossen werden. Einige Zeit später folgt die Erleichterung dann auch schwarz auf weiß. Ein bisschen Unmut bleibt angesichts der Fülle an Gelerntem im Vergleich zu dem verschwindend geringen abgeprüften Anteil. Trotzdem fühlt es sich äußerst gut an, nun „Kliniker“, einer der „Großen“, zu sein. Semesterbeginn. Neben den doch interessanter klingenden Fächern im Stundenplan geht es gleich damit los, dass ein zu spät kommender Professor sich bei uns entschuldigt, uns mit „Liebe Kollegen“ anredet und gleich zu Beginn sagt, dass wir keine Details lernen sollen. Willkommen in der Klinik… Von hier aus sieht das Physikum irgendwie gar nicht mehr so schlimm aus.

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