Finale – das 3 Stex mündlich

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Nach sechs Jahren Studium steht also nun die allerletzte Prüfung des Studiums an. Gleich vorweg, die Prüfung ist deutlich angenehmer als das mündliche Physikum, nicht zuletzt aus dem Grund, weil man während des klinischen Abschnittes mit so vielen Ärzten zu tun hatte und sie demnach nicht mehr als die “Götter in weiß“ sieht und sie einen ebenso nicht mehr als die kleinen Studenten, sondern eher als Kollegen. Zudem kommt noch hinzu, dass man während des klinischen Abschnittes einige mündliche Prüfungen hatte und somit mehr in Übung ist. Das war damals im Physikum noch nicht so, denn ich erinnere mich an den vorklinischen Studienabschnitt an meiner Uni zurück, in dem es nur vereinzelt mündliche Prüfungen gab.

Nachdem man also die Prüferkombination erhalten und sich zumindest vorher mal mit dem Prüfungsvorsitz getroffen hat, um den Ablauf der Prüfung grob durch-zusprechen, haben wir uns am Vortag des ersten offiziellen Prüfungstages um 11 Uhr mit unserem Vorsitz getroffen, der uns dann die Patienten, alle chirurgisch, zugeteilt hat. Wir hatten dann eine Stunde Zeit für Anamnese und klinische Untersuchung und weitere zwei Stunden für das Aktenstudium bekommen. Anhand dieser Daten mussten wir dann einen Arztbrief schreiben, der noch am gleichen Tag bis 20 Uhr per Mail an unseren Vorsitz geschickt werden musste.

Hier ein Tipp:

  • Fragt den Vorsitz, ob ihr erst das Aktenstudium machen dürft und erst danach zum Patienten gehen könnt. Bei meiner Prüfungsgruppe war es z.B. so, dass wir alle erst zum Patienten mussten und erst im Anschluss gewisse Dinge aus der Akte erfahren haben. Meine Patientin war dann leider den restlichen Tag nicht mehr auffindbar 🙂

Nachdem man sich nun am Abend des Vortages und am Vormittag des ersten Prüfungstages sich die Diagnosen des Patienten nochmal genau angeschaut hat, haben wir, wie es für unsere Uni üblich ist, um 14 Uhr vor dem Büro des Vorsitzes getroffen. Dabei wurde seitens der Prüfer selbstverständlich auf korrekte Kleiderordnung geachtet. Auch wenn man am ersten Tag ohnehin den Kittel anziehen muss, war Anzug für die Männer und Kleidchen oder Hosenanzug für Frauen obligat (dies galt natürlich auch für den zweiten Tag). Dann sind wir bis 18 Uhr von einem Patienten zum anderen gegangen und jeder Prüfling wurde dabei eine Stunde am Stück von den vier Prüfern zu seinem Patienten befragt.

Hier lässt sich schon erkennen, dass man den ersten Prüfungstag selber in der Hand hat, nämlich in dem man im Arztbrief für alle Prüfer bzw. deren Fächer etwas reinschreibt, an dem sie sich orientieren können. Ich habe noch von keinem Kommilitonen gehört, dass die Prüfer am ersten Tag nicht weitgehend Fragen zu den Diagnosen des Patienten gestellt haben. Deswegen sollte man sich vor dem ersten Tag nochmal genau in die Diagnosen des Patienten einlesen.

Kleiner Tipp:

  • Schreibt einen guten und auf den Punkt gebrachten Arztbrief. Bei der Patientenvorstellung am Anfang eurer individuellen Prüfung, achtet darauf, dass ihr strukturiert, flüssig und einen logischen Aufbau der Vorstellung wählt.

Der komplette erste Tag fand bei uns am Krankenbett des jeweiligen Patienten statt, sodass etwas (Steh-) Ausdauer gefordert war.

Der zweite Tag fand im Büro unseres Vorsitz statt, bei dem er ein ausgeklügeltes System verwendet hat, damit immer reihum geprüft wird und jeder Prüfling und Prüfer immer wieder eine Pause haben. Im großen und ganzen hielten sich alle Prüfer an die Protokolle, sodass man gut abschneiden kann, sofern man sich diese angeschaut und die Fragen darin verstanden hat. In manchen Fällen wurde nochmal auf den Patienten vom Vortag zurückgegriffen, was aber normalerweise kein großes Problem darstellen sollte, hat man sich ohnehin mit den Diagnosen bereits zuvor auseinandergesetzt.

Natürlich gehört immer etwas Glück mit den Prüfern, den Fragen und der Tagesverfassung dazu. Im großen und ganzen bin ich aber der Meinung, dass die Prüfer einem nichts schlechtes wollen. Dies hab ich so in meiner Prüfung erlebt, als auch von vielen meiner Kommilitonen gehört. Selbstverständlich ist man vor jeder Prüfung nervös und vor einer mündlichen Prüfung vielleicht noch mehr als vor einer schriftlichen, dennoch ist man sich manchmal gar nicht bewusst, wie viel von dem was man mal gelernt oder während des PJ gesehen hat, vorhanden ist, wenn man erst einmal darauf zurückgreifen „muss“. Ehrlichweise war ich vor dem ersten Tag auch sehr nervös, vor allem weil ich von unserer Prüfungsgruppe die Erste war und ich somit auch nicht wusste, wie die Prüfer drauf sind, wie sie fragen etc. – dennoch habe ich schon während der Patientenvorstellung gemerkt wie die Nervosität verfliegt.

Wichtige Punkte zum Schluss:

  • Selbstbewusstes Auftreten
  • Reden, auch wenn man vielleicht nicht genau weiß, worauf der Prüfer hinaus möchte. Vielleicht nochmal nachfragen, wie er/sie die Frage genau meint oder einfach mal laut denken.
  • Im Arztbrief für jedes Fach Diagnosen einbringen, diese nochmal gut lernen, denn ihr werdet ganz sicher am ersten und eventuell auch am zweiten Tag zum Patienten befragt.
  • Ruhig bleiben und darauf vertrauen was ihr könnt. Nach sechs Jahre Studium ist genügend hängen geblieben, damit ihr diese letzte Prüfung auch noch meistert.

Auch wenn man es im Vorab nicht glaubt, die Prüfung ist nur halb so schlimm wie man es sich ausdenkt und zudem wesentlich praxisnäher als es das Physikum war 🙂

In diesem Sinne, toi, toi toi ! ! !

Eure Eva

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