Die Vorklinik: Am Ende kommt die Einsicht

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Seit einigen Tagen ist unser Campus wieder voll! Die neuen Erstis sind da und wenn man genauer hinsieht, kann man noch ziemlich genau sagen, wer da gerade neu angefangen hat. Auf der Suche nach einem Seminarraum, in der Mensa bei der Essensausgabe oder bei Gesprächen, in denen es um die allseits bekannten Professoren und ihre Eigenarten geht. Jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne. Das sind dann auch immer die Tage, an denen meine Freunde und ich uns an unsere erste Zeit an der Uni erinnern.

Zwischenzeitlich sind wir im 5. klinischen Semester, schreiben bald Examen und somit sind uns nun schon bereits die ein oder anderen Jahrgänge nachgefolgt. Man kann also sagen, dass diesen Herbst eine kleine Zeit der Wehmut anbricht. Alles in allem sind wir uns einig: die Vorklinik war eine ganz schön besondere Zeit, wobei die Betonung auf "schön" liegt. Lasst euch gesagt sein, dass wir mit euch fühlen. Tief sitzt noch die Erinnerung an die ersten Physik- und Chemie-Vorlesungen. War hatte schon auf dem Schirm gehabt, dass da plötzlich das Ohm’sche Gesetz oder Alkali-Metalle ihre Renaissance im Hörsaal feiern würden? War das nicht genau der Stoff, den man in der Schule unter großer Begeisterung mit dem Abitur als abgeschlossen betrachtet hatte? Zumindest ging mir das so. Wenn unter euch jemand dabei ist, dem ich da nicht aus der Seele spreche: Respekt Kollege! Du wirst es in den nächsten Monaten einfacher haben als ich. Ich garantiere aber, dass jeder irgendwann einmal an so einen Punkt kommt, ganz egal in welchem vorklinischen Fach. Leider habe ich das Gefühl, dass das bei mir in so ziemlich jedem Fach der Fall war. Das ist jedoch kein Grund zur Panik, vielmehr werdet ihr irgendwann darüber lachen. Wir erinnern uns an „tanzende“ Haarsinneszellen in Physik, defekte bzw. verfluchte Fotometer in Biochemie, ausgebrochene Bakterienstämme und Pilze in Rucksäcken in Biologie und verloren gegangene Nerven im Anatomie-Kurs. Egal was passiert, mit ein bisschen Abstand bekommt alles irgendwie ein bisschen Nostalgie.

Was ich sagen will: Freut euch auf zwei tolle und spannende Jahre. Ich muss im Nachhinein sagen, dass der vorklinische Studienabschnitt was Besonderes war und uns die Zeit irgendwie unbeschwert vorkam. Habt Spaß bei dem was ihr macht! In der Vorklinik habt ihr Zeit euch auszuprobieren, hier erfahrt ihr welche Lerntypen ihr seid, was euch gut tut und was nicht. Mach euch nicht verrückt. Ich weiß, das klingt so abgedroschen, aber wirklich: Macht euch nicht verrückt. Es interessiert nach dem Physikum niemanden, ob ihr die Terminologie-Klausur mit voller Punktzahl oder eher mit Mühe und Not bestanden habt. Die Fraktion Gutes-Pferd-springt-so-hoch-wie-es-muss ist größer als man denkt. 😉 Ich war oft selbst stolzes Mitglied! Habt eine gute Zeit und verbringt grandiose Stunden mit euren Kommilitonen. Wenn einem mal die Puste ausgeht, ist es immer gut, wenn einen gleich mehre Hände über die Ziellinie ziehen. Freundschaften motivieren, geben Zuversicht und sorgen dafür, dass man Erfahrungen teilt und umso schöner wahrnehmen kann. Macht Gebrauch davon. Wenn wir Glück haben und diese pflegen, halten sie ein Leben lang und sind sehr viel mehr wert als ein Testergebnis. Natürlich müssen Prüfungen bestanden werden, aber wenn ich zurückblicke hätte ich mir manchmal gesagt: Genug gelernt, mach was für dich! Eine Beschäftigung neben der Uni ist extrem wichtig. Wie das aussehen kann ist ganz egal.

Gerne würde ich auf einen Punkt ganz besonders eingehen: Der große Überblick und die späte Einsicht. Hier geht es um den Stoff der Vorklinik. Ich habe mich oft gefragt, wie ich die ganzen Informationen alle unter einen Hut bringen soll. Das waren gefühlt manchmal zu viele Fächer und oft habe ich einen roten Faden gesucht und nicht gefunden. Macht euch keine Sorgen, ich würde mal sagen das ist normal. Alles ist neu, ihr bekommt viele Informationen und da verschwimmt schnell mal das eine Thema mit dem anderen. Aber daran habe ich mich schnell gewöhnt und es hat geholfen zu wissen, dass es meinen Freunden oft auch so ging. Als ich dann im letzten Semester vor dem Physikum war kam langsam Bewegung in die ganze Sache. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich in Physio viele Dinge lernte, die ich dann mit den Inhalten aus Biochemie oder Anatomie verknüpfen konnte. Solche Situationen kamen immer häufiger vor und somit wuchs auch der Eindruck, dass ja doch alles zusammenpassen kann. Ich weiß nicht, wie es euch ergehen wird, jedenfalls hatte ich manchmal den Eindruck beim Lernen: Zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Ich garantiere euch: Irgendwas bleibt hängen. Denn als ich im Sommer 2017 für mein Physikum lernte schloss sich der Kreis. Die Inhalte der Vorklinik passten doch ziemlich gut zueinander, jedoch habe ich das vorher nie richtig wahrgenommen. Das hat mich wirklich beruhigt und je näher das Physikum rückte, desto entspannter wurde ich.

Das ist meine Erfahrung und ich hoffe, dass ich euch ein bisschen was an euren Sorgen nehmen konnte. Willkommen in der Vorklinik! Habt Spaß und freut euch auf alles was kommt.

Euer Johannes

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