Karneval – und was das Lernen für die Neurologie Klausur damit zu tun hat

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Ich komme aus dem Ruhrpott, also ziemlich nah am Rheinland. Und ich arbeite im Rheinland – im Rettungsdienst. Über die Jahre habe ich die Städte Düsseldorf und Köln wirklich lieben gelernt, ja beide, bin ja schließlich als Außenstehende nicht in diese seltsame Fehde verwickelt. Es gibt jedoch Tage, da versuche ich diesen Städten so fern wie möglich zu bleiben: Altweiber bis Rosenmontag. Vorab, das ist mir dieses Jahr nicht gelungen. Jedes Jahr von Altweiber bis Rosenmontag verwandeln sich die Städte im Rheinland in eine einzige große Partymeile mit allem was dazu gehört.

Letztes Semester hatte ich Neurologie und die Vorlesungen haben sich wirklich gelohnt. In einer der letzten Vorlesungen ging es um Kleinhirnschäden und wie jeder einzelne von uns diese Symptome erzeugen kann – Alkohol. Wenn man also die Symptome eines Kleinhirnschadens beobachten will, stellt man sich laut unserem Professor nachts vor eine Studentenkneipe, oder eben tagelang in den Rheinländer Karneval.

Da ich selbst kein Karnevalist bin habe ich die Daten meist nicht im Kopf und das ist mir dieses Jahr zum Verhängnis geworden. Ich habe mich also für März als verfügbar im Dienstplan eintragen lassen, fest in dem Glauben, dass Karneval im Februar ist. Dieses Jahr war der Rosenmontag der vierte März und ich Fahrerin RTW in der Nachtschicht zwischen Hauptbahnhof und Altstadt.

Die Übergabe der Vorschicht startete bereits mit den Worten, dass er das Nähstübchen einer großen Notaufnahme inzwischen Hall of Shame getauft hatte und wir uns das Spektakel dort unbedingt ansehen müssten. Unser zweiter Einsatz, innerhalb der ersten Dienststunde, war bereits ein Verlierer des Karnevals. Sein üppiger Alkoholkonsum hatte den noch minderjährigen jungen Mann bewogen sich auf der Straße schlafen zu legen. Da wir natürlich nicht jeden Betrunkenen einem Krankenhaus übergeben müssen, wollten wir zunächst sehen, ob der junge Mann noch fähig ist das eigene Bett aufzusuchen. War er nicht. Sämtliche Symptome eines Kleinhirnschadens waren gut zu beobachten. Gerade laufen? Fehlanzeige. Deutlich Sprechen? Ebenfalls nicht möglich. Mit gut festhalten schaffte der junge Mann den Weg in unser Auto und mit uns in besagtes Krankenhaus. Aufgrund des hohen Einsatzaufkommens hat das Krankenhaus die Patienten nach Alter sortiert. Die erwachsenen Karnevalisten lagen in der Bettenzentrale, die Kinder unter 16 auf der Kinderstation. Und die Jugendlichen dazwischen eben in der Hall of Shame. Besagtes Nähstübchen war komplett ausgeräumt worden und mit abwischbaren Matratzen eingedeckt worden. Nur ein schmaler Gang für unsere Trage war noch frei. Zwischen den Matratzen rannten die ärztlichen Kollegen auf und ab und kontrollierten die jungen Karnevalisten, bis ihre Eltern diese einsammeln konnten. Der säuerliche Geruch in dem Raum war wirklich nicht angenehm und die pflegerischen und ärztlichen Kollegen taten mir echt leid. Als Rettungsdienstler werden wir unseren lustigen, aber auch anstrengenden Karnevalisten ja immer recht schnell wieder los.

In der Nacht waren wir noch mehrfach in der Altstadt. Besoffene Prinzessinnen, Giraffen, Papageien und Obelixe haben uns eine Jagd quer durch die Altstadt beschert. Die meisten schafften es jedoch mit Hilfe von Freunden in die heimischen Betten. Kopfschmerzen am Folgetag mit einberechnet. Alles in allem ist der Rheinländische Karneval schon etwas Besonderes und mit viel Spaß verbunden – solange man nicht zum medizinischen Personal gehört. Wir alle machen am Aschermittwoch drei Kreuze, dass wir wieder ein Jahr geschafft haben.

Eure Pia

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