Hypochondrus canditatus medicus

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Wer kennt es nicht, der Medizinstudent, der typische Hypochonder. Woher aber kommt dieser Gedanke und warum geht es den meisten Medizinstudenten damit gleich? Ich habe mir ein paar klassische Beispiele herausgesucht, um ein wenig an der Ursache zu kratzen.

Erstes Semester Medizinstudium, wir lernen über genetischbedingte Krankheiten und welchen Erbgang diese haben. Das erste was mir in den Sinn kommt ist: Was wenn ich etwas habe, oder meine hypothetischen Kinder einmal eine Erbkrankheit bekommen. Die meiste Zeit, während der Dauer des Seminars konnte ich an kaum etwas anderes Denken. Ich dachte über Vorsorgeuntersuchungen und Gentests nach. Man bekommt Angst, ja Panik wenn es um diese möglichen Erkrankungen oder gar um den möglichen Ausbruch von Krebs geht.
Warum aber? Als Nichtmediziner werden diese Probleme häufig in der Gesellschaft gestreift, es wird aber meist nicht konkret darüber diskutiert bzw. sich intensiv damit beschäftigt. Jedenfalls nicht so intensiv, wie es als Teil des Studiums besprochen wird.

Doch auch im Familiären-, Bekannten- und Freundeskreis nimmt diese Hypochondertätigkeit kein Ende. Sobald man über eine neu erlernte Krankheit und deren Symptome berichtet, fängt man im selben Moment selbst an zu überlegen wer im Bekanntenkreis diese Symptome eventuell aufwirft. Noch schlimmer sind die Familienmitglieder, die sich zu diesem Zeitpunkt selbst damit identifizieren können und vor lauter Panik mit dieser Selbstdiagnose zum nächsten Arzt stürmen.

Ein weiteres Beispiel:
Am Ende meiner Neuroanatomie Vorlesungen, hatten wir ein Seminar zum Thema problem-based-learning. Wir lernten in dem Seminar wie wir anhand des Erlernen zu Verdachtsdiagnosen kommen können. In meinem engeren Familienkreis hat eine Person Probleme mit häufigem Schwindel und das Gefühl die Beine würden nachgeben. Aufgrund dessen stürzt diese Person relativ häufig. Meine im Seminar zu dieser Symptomatik passende Diagnose war: eine Verengung der Ateria cerebri anterior und somit Minderdurchblutung des Homunkulus im Bereich der unteren Extremitäten. Ich war so versessen darauf, dass ich sogar mit dem zuständigen Arzt über die Abklärung dieser Diagnose diskutierte.

Folgernd kann ich nun sagen, dass nicht alles was glänzt Gold ist. Der Hypochonder steckt vermutlich in jedem von uns und kommt während des Studiums zum Vorschein. Dennoch sollten wir die Realität im Hinterkopf behalten sowie die Wahrscheinlichkeit, dass genau wir diese seltene Krankheit in uns tragen bzw. jemand im Bekanntenkreis diese Erkrankung hat.

Eure Lisa

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