Hej Kobenhavn

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Anfang August angekommen fragte ich mich, wieso man so viel Schreckliches über das Wetter hier hört… geht doch! Sonnenschein, strahlend blauer Himmel und nächtlicher Sternenhimmel – sehr einladend und willkommen heißend!

Jetzt, knapp einen Monat später, weiß ich warum. Regen gibt’s zwar in Deutschland auch, aber nicht einen ganzen Tag lang! Ohne Pause. Durchgehend. Wirklich. Zumindest nicht in Heidelberg. Nicht dort.

Aber dort bin ich nicht. Ich bin hier. Und bin wirklich froh drum. Obwohl in erster Linie ein Ausschlussverfahren zu dieser Entscheidung führte, bereue ich sie keineswegs. Im Gegenteil – die Stadt begeistert mich, sie ist so jung, so lebendig, jeden Tag ist etwas los und man spürt so richtig die „Leichtigkeit des Seins“. Zwar kann das Wetter hier wirklich nicht mit dem in Heidelberg mithalten, aber so hab ich immerhin eine Ausrede, wenn ich einfach mal gemütlich zuhause bleiben möchte.

Die Dynamik spiegelt sich auch in der Art der Fortbewegung wieder, die ganze Stadt fährt Fahrrad! Nie habe ich zu Rush-Hour-Zeiten Fahrradstaus gesehen. Nein, Moment. Nie habe ich Fahrradstaus gesehen! Dann kommt es vor, dass an einer Ampel locker 30 Radfahrer darauf warten, dass grünes Licht gegeben wird. Unglaublich.

Generell scheinen die Menschen hier freundlicher und hilfsbereiter als in Deutschland. Nicht umsonst werden Dänen als glücklichste Menschen bezeichnet. Genug zu essen, zu trinken, geregelte Arbeitszeiten und relativer Wohlstand für alle Schichten. Wie das möglich ist? Durch bis zu 60% Steuern. Aber es funktioniert und auf den ersten Blick wirken alle zufrieden.

Selbst die Ärzte hier haben ein entspannteres Berufsleben. Ein Ganz-Tags-Oberarzt arbeitet von acht Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags. Keine Minute mehr. Dann gibt’s Überstunden. Wirklich beneidenswert. Das liegt sicherlich zu großem Teil daran, dass das Arzt-Patienten-Verhältnis hier deutlich mehr von Vertrauen geprägt ist: Was der Arzt sagt, stimmt und wird selten hinterfragt. Auch füllen die Arztbriefe nicht ganze Din A4-Seiten, sondern beschränken sich in Stichworten auf’s Nötigste.

Minimalistisch und höchst funktionell – das Motto der Skandinavier. Besonders in Design und Architektur zu sehen. Bauwerke mit ausgeklügelten, exakt berechneten ungewöhnlichen Winkelmaßen, ausgestattet mit einfachen, einfach schönen Möbeln füllen die Stadt. Das Wasser, welches sich durch die Straßen schlängelt, spiegelt sich in unzähligen Glasfassaden und die Nachbarschaft von Moderne und Historie schwebt in perfekter Harmonie.

Ein weiterer sehr positiv auffälliger Punkt ist das englische Sprachniveau des Durchschnitts-Dänen. Absolut jeder kann fließend in Englisch kommunizieren: Busfahrer, Verkäufer, auch die betagte Gesellschaft. Kinder lernen ab der ersten Klasse Englisch und offensichtlich ist die Lehre in dieser Hinsicht effektiver als die deutsche. Quasi ein komplett bilingual angelegter Staat. Aber vielleicht ist das in heutiger Zeit auch notwendig. Obwohl Dänemark sicherlich vor einigen Jahrhunderten großen Einfluss hatte, kann man nicht leugnen, dass das Machtgebiet sehr geschrumpft ist. Aber anscheinend stören sich die Dänen auch daran nicht besonders. Fakt ist, dass die dänische Sprache längst keine Notwendigkeit mehr ist, um hier durch den Alltag zu kommen. Für Ausländer sicherlich praktisch, für Heimische eventuell ein bisschen schade. Und eigentlich klingt Dänisch ganz putzig….. ein bisschen wie eine Sprache von Seelöwen-Babys.

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