Ein Tag mit Blaulicht

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Schon als Medizinstudent hat man immens viele Möglichkeiten sein Studium ein bisschen individuell zu gestalten. In den Skills Labs der Universitäten werden immer mehr Kurse angeboten, so dass man neben den üblichen Univeranstaltungen ein bisschen Abwechslung in den Tag bekommt und ein paar praktische Fertigkeiten noch einmal gesondert einüben kann. Neben den üblichen Nahtkursen, Kursen zu Punktionstechniken und Sonokursen, wird bei uns ein Praxistag auf dem Notarzteinsatzfahrzeug der Stadt angeboten. Als ich auf den Kurs gestoßen bin, habe ich nicht lange gezögert und mich sofort dafür angemeldet.

Ein paar Wochen nach der Anmeldung war es dann soweit. Der Wecker klingelte und obwohl es noch sehr früh am Morgen war, musste ich nicht gegen die übliche morgendliche Trägheit ankämpfen, sondern war sofort wach und voller Vorfreude. Nachdem ich mir noch schnell ein paar Brote geschmiert und meine weiße Hose für den Dienst eingepackt habe, ging es auch schon auf den Weg Richtung Feuerwache. Dort angekommen, wurde ich auch schon vom Notarzt der letzten Nacht begrüßt, der auf seine Ablösung wartete. Er gab mir meine Arbeitsschuhe, den Piepser und die orangefarbene Jacke auf der aber weder Ärztin noch Notärztin stand, denn das muss man sich ja erst erarbeiten. Kurze Zeit später traf ich auch auf den Notarzt, den ich den Dienst über begleiten würde. Da unsere Piepser noch stumm blieben, wurde mir erst einmal die gesamte Feuerwache gezeigt und danach wurde mir beigebracht, wie man elegant und ohne Brandwunden an der Stange zu den Einsatzfahrzeugen runterrutschen kann. Wäre das Runterrutschen eine Sportart, würde ich sofort damit anfangen, denn es macht einfach richtig viel Spaß.

Viel Zeit zum Üben hatte ich aber nicht, denn schon eine halbe Stunde nach Dienstbeginn gab der Piepser ein Signal ab. Ich blickte auf den Piepser und neben der Straße in der, der Notfall gemeldet wurde, stand auch „REA“ für Reanimation. Somit ging der Tag direkt richtig los und wir machten uns auf den Weg zum Notarzteinsatzfahrzeug (kurz: NEF). Mit Blaulicht und Horn ging es dann Richtung Einsatzort und wenn man das erste Mal mit Horn durch die Straßen fährt, ist das auf jeden Fall richtig aufregend.

Am Einsatzort angekommen, erwarteten uns schon die Rettungssanitäter und die Reanimation war in vollem Gange. Wir wurden von den Rettungssanitätern über die genauen Ereignisse aufgeklärt und stiegen daraufhin direkt in die Reanimation mit ein. Auch ich durfte drücken und es ist wirklich ein ganz anderes Gefühl, wenn man die Reanimation am echten Menschen und nicht an einer Puppe durchführt. Es ist viel schwerer als man es sich vorstellt, vor allem weil man je nachdem wie die räumlichen Gegebenheiten sind, auch einfach nicht viel Platz hat. Es war für mich die erste Reanimation, die ich durchgeführt habe, aber in dem Moment selbst denkt man nicht darüber nach, sondern macht einfach und befolgt die Anweisungen der Anderen.

Nach geraumer Zeit wurde die Reanimation jedoch eingestellt, weil es keine Hoffnung mehr gab. Es war ein komisches Gefühl, als der Notarzt dann im nächsten Moment den Totenschein herausnahm, aber auch das war ein Erlebnis, was zu den Tätigkeiten eines Notarztes leider dazu gehört.

Nachdem wir am Einsatzort alle Aufgaben erledigt hatten, machten wir uns auf den Rückweg in Richtung Feuerwache und während der Fahrt zurück, wurde der Einsatz noch einmal besprochen und ich konnte sämtliche Fragen stellen, die aufgekommen sind. Wieder auf der Feuerwache angekommen, zeigte mir der Fahrer, der auch Berufsfeuerwehrmann ist, das NEF von innen. Er zog alle Taschen aus, erzählte mir alle möglichen Einsatzmöglichkeiten für die Gegenstände und ich war echt überrascht, dass so viel in das Auto passt. Als hätten wir die Uhr danach gestellt, ging unser Piepser als wir gerade alle Dinge wieder fertig verstaut hatten. Diesmal war ein internistischer Notfall angekündigt und als wir ankamen, waren die Rettungssanitäter schon wieder vor Ort und hatten den Patienten komplett verkabelt. Ein kurzer Blick auf das EKG reichte dem Notarzt schon aus, um seine Diagnose zu stellen. Ich bin zwar keine geübte EKG-Leserin aber die  Sinustachykardie konnte auch ich gut erkennen. Schnell wurden die zu treffenden Maßnahmen eingeleitet, der Patient wurde in den Krankenwagen eingeladen und schon ging es mit Blaulicht ab in Richtung Krankenhaus.

Nach der Übergabe des Patienten im Krankenhaus ging es für uns wieder zurück auf die Wache, wo gerade eine Horde von Kindergartenkindern übers Gelände zum Drehleiterwagen lief. Extra für die Kinder wurde die Drehleiter ausgefahren und jeder durfte einmal in dem Korb bis nach ganz oben auf die knapp 30 Meter fahren. Der Notarzt, der meine leuchtenden Augen sah als ich zur Drehleiter guckte, meinte nur, dass ich doch auch mit hoch könne und das hab ich mir kein zweites Mal sagen lassen. Zusammen mit 4 anderen Kindergartenkindern und einem Feuerwehrmann ging es dann auch für mich bis nach ganz oben und auf so einer Drehleiter hat man wirklich den besten Ausblick über eine Stadt.

Wieder unten angekommen hieß es erstmal „Mittag“ und in Punkto Essen übermittle ich euch eine Weisheit der Feuerwehrmänner und zwar „Was drin ist, ist drin und man kann nie wissen, wann man wieder die Möglichkeit hat, etwas zu essen“. Nach dem Mittagessen hatten wir noch viele weitere Einsätze, aber es sind nicht immer alle Einsätze super spannend, von daher erzähle ich euch nur noch von einem weiteren. Diesmal stand „Chir“ auf dem Piepser und als wir am Unfallort ankamen, brauchte man nicht lange, um zu verstehen was passiert war. Ein unvorsichtiger Autofahrer hatte die Tür geöffnet ohne nach hinten zu schauen und daraufhin ist ein Fahrradfahrer gegen die Tür gefahren und zu Boden gestürzt. Sofort begann der Notarzt die Untersuchung des Patientens nach dem berühmten „A-B-C-D-E-Schema“, um das Verletzungsausmaß festzustellen. Da der Patient bei Bewusstsein war, konnte der Patient genau schildern, wo er Schmerzen habe. Nachdem die Erstversorgung inklusive Anlage eines Stiffnecks, Kompression der Kopfplatzwunden und Fixierung auf einer Vakuummatratze abgeschlossen waren, fuhren wir den Patienten in Richtung Uniklinik, wo das Schockraumteam schon auf uns wartete. Nach der Übergabe durch den Notarzt, konnte ich noch den Ablauf im Schockraum miterleben, wodurch mein Tag im Notarztdienst perfekt abgerundet wurde.

Am Ende meines Einsatztages, ging ich auf jeden Fall mit einem breiten Grinsen nach Hause. Der Tag war so spannend und ich hatte das Glück auf ein tolles Feuerwehr- und Rettungsteam zu treffen, die mir jede Frage beantwortet haben und die einfach richtig nett waren. Ich kann euch nur empfehlen, mal einen Tag mit dem NEF mitzufahren, damit ihr selbst ganz viele Eindrücke davon gewinnen könnt und einmal selbst seht wie spannend das Leben eines Notarztes ist.

Eure Sabrina

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