Der harte Weg ins Medizinstudium und die folgenden ersten Wochen

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„Warum eigentlich genau Medizin?“ haben mich immer alle gefragt. „Für mich wär das zu stressig, ich könnte nicht mit Notfällen umgehen…“ so klangen die Versuche mancher Freunde, die mir diesen Aufwand ausreden wollten. Meine Antwort war einfach, denn ich wusste schon mit 14 was ich werden wollte. Ärztin, dies war mein Traum. Ich habe mit 17 mit dem Rettungsdienst begonnen und war seither nur noch begeisterter von diesem Beruf. Das agieren der Ärzte in Notfällen, das Retten von Leben, aber auch der Kontakt mit Patienten und die verschiedenen Krankheitsfälle, haben mich immer fasziniert. Kein Tag ist gleich wie der andere, man weiß nicht genau was auf einen zukommt, für manche vielleicht der Albtraum, aber ich wusste, dass soll meine Berufung werden.

Dieser Traum war jedoch schwerer zu erreichen als gedacht. Wie reagiert man darauf, dass man nur ein Zehntel Chance hat ins Studium überhaupt hinein zu kommen? Die Anmeldezahlen von 3.000 Personen und ein wenig mehr als 300 werden genommen und dann darf man sich nur an einem Ort bewerben. Ich war zuerst ein wenig eingeschüchtert und geschockt. Das Problem bezüglich des Ortes, war für mich einfach zu lösen. Ich entschied mich für Graz, weil ich gefallen am System fand. Kleinere Modulprüfungen abzulegen, anstatt am Ende des Jahres eine Große, klang für mich wesentlich einfacher. Auch der Präp-Kurs an echten Leichen war ein Bonuspunkt für diese Uni. Der wohl größte Grund, warum ich mich schlussendlich für Graz entschied, war jedoch die Nähe nach Hause. Ich bin gerne zu Hause und möchte mir dies auch nicht nehmen lassen, jedes Wochenende nach Hause zu fahren.

Nachdem ich für den Aufnahmetest angemeldet war, hatte ich zuerst noch meine Matura zu bewältigen, Zentralmatura hieß es für mich. Ich glaube ich muss nicht darauf eingehen, dass dies Stress pur für mich war und kaum Zeit blieb für den Aufnahmetest zu lernen. Mit wenig Vorwissen ging ich also zum Aufnahmetest, welchen ich ohne Erfolg absolvierte. In diesem Jahr hieß es für mich; Sie haben leider keinen Studienplatz erhalten.

Ich nahm Molekularbiologie als Ausweichstudium, welches ich auch sehr empfehlen kann, denn mit Allgemeiner Chemie 1, Physik und dem naturwissenschaftlichem Rechnen, kann man sich ein gesamtes Modul mit 7 ECTS auf der Meduni anrechnen lassen. Mit Mitte März begann ich dann erneut für den Aufnahmetest zu lernen und diesmal so richtig. Ich arbeitete die Themen selbst aus und bereitete mich mit Vorbereitungsbücher auf den Test vor. Am Ende des Testtages war ich auch mit den Nerven am Ende. Ich hatte ein schlechtes Gefühl. Bis das Ergebnis kam, verbrachte ich ein Monat mit etlichen Wutanfällen und Nervenzusammenbrüchen, aus der Angst meinen Traum nicht verwirklichen zu können.

Nach einem qualvollem Monat war es soweit, irgendwer hat auf Facebook geschrieben, dass die Ergebnisse da seien. Ich warf einen Blick auf die Seite mit den Ergebnissen und brach in Tränen aus. Meine Eltern kamen angelaufen und rechneten mit dem Schlimmsten, als ich mit zitternder Stimme bekannt gab einen Studienplatz erhalten zu haben.

Beim Inskribieren lernte ich bereits eine meiner heute besten Freundinnen und Mitstudentinnen kennen. Aus Erfahrung kann ich euch auch sagen, einmal durchzufallen beim Test ist keine Schande, denn es gibt kaum Studenten, die diesen Test beim ersten Versuch, nach der Matura geschafft haben.

Mein erstes Semester stand also an und somit auch gleich der erste Test: Famulaturlizenz 1. Ich musste Fragen anhand eines Skriptums selbst erlernen und vor dieser Übung 3 von 5 Fragen richtig beantworten, ansonsten würde ich nicht zur Übung zugelassen werden. Der Vorteil daran, wenn man ein Jahr etwas Anderes studiert hat, ist, dass man auch wusste was Lernen im Gegensatz zur Schule wirklich bedeutet. Somit tat ich mir relativ leicht 200 Fragen in kurzer Zeit zu erlernen. Auf diese Prüfung folgten 3 weitere und nun darf ich endlich ins Krankenhaus zu meiner ersten Famulatur.

Stationspraktika, die uns Einsicht in den Krankenhausalltag gaben, standen auch relativ am Anfang auf dem Programm. In denen durften wir zwar nur mit Patienten reden und keine medizinischen Tätigkeiten ausüben, es war aber trotzdem sehr lehrreich. Lehrreich deswegen, weil man lernte wie man auf kranke Menschen zugeht, mit ihnen spricht und eine gewisse Vertrauensbasis aufbaut.

Eure Lisa

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