Wie sich das Coronavirus (COVID-19) auf das Medizinstudium auswirkt

Es war einmal ein Virus. Alle nannten ihn Coronavirus SARS-CoV-2. Dieser Virus war keinesfalls ein gewöhnlicher Virus, nein nein. Er hatte außerordentliche Fähigkeiten, die Welt auf den Kopf zu stellen… So in etwas könnte das „Märchen“ um das aktuelle Coronavirus anfangen. Ein grausames „Märchen“, dessen Moral es noch herauszufinden gilt. Wie dem auch sei. In meinem heutigen Blogartikel soll es nicht um medizinische Grundlagen gehen, sondern um die Auswirkungen der Pandemie auf uns Medizinstudierende bzw. wie ich meinen Alltag in der außergewöhnlichen Situation gestalte.

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Coronavirus – eine Herausforderung für Universitäten und eine Geduldsprobe für Studierende

Die Info wird für euch nichts Neues sein: die medizinischen Fakultäten in Deutschland sind derzeit geschlossen. Der Start der Präsenzlehre wurde bundesweit verschoben, doch der reguläre Semesterstart für das Sommersemester (bei uns in Dresden war dies der 06. April 2020) sollte weiter beibehalten werden. Wie das ganze genau ablaufen sollte wusste bisher niemand so recht. Die Vorbereitungen dafür liefen alles andere als geschmiert.

Diese bisher noch nie dagewesene Situation war auch für unsere Uni eine Herausforderung. Dennoch haben sie uns fast täglich über den aktuellen Stand der Dinge informiert, wenngleich diese Informationen oftmals nicht mehr als ein hoffnungsvolles „wir halten Sie auf dem Laufenden“ enthielten. Ich habe dafür Verständnis und möchte nicht in dieser Position sein.

Unzählige Studierende warten jeden Tag sehnsüchtig auf neue Informationen zum Semester, zum Lehrbetrieb, zu Praktika und Prüfungen, bangen um Leistungsnachweise und die damit verbundene Zulassung zum Staatsexamen im Herbst (ganz zu schweigen von unseren armen Kommilitonen, die im April ihr 2. Examen schreiben wollen und bis vor einigen Tagen immer noch nicht wussten, ob dieses stattfindet)… dabei müssen unlösbare Entscheidungen getroffen werden, die ggf. täglich angepasst werden müssen und das unter den Umständen, dass die Zuständigen oftmals selbst nicht richtig zu wissen, wie es jetzt weitergehen soll.

Wie ich persönlich mit der Situation umgehe

Also war die Zeit bisher geprägt durch Warten, Akzeptieren und nochmals Warten. Täglich checkte ich meine Uni-Mail-Adresse und die Portale, über die wir mit der Uni in Verbindung stehen. Währenddessen galt es die Zeit sinnvoll zu nutzen. Anfangs war ich ein wenig überfordert mit der Situation. Einerseits wollte ich mich engagieren und in der Patientenversorgung bspw. in der Corona-Ambulanz aushelfen, andererseits wollte ich den regulären Uni-Start auch nicht verpassen und somit dem Stoff hinterherhinken.

Also löste ich es wie folgt: ich registrierte mich auf unzähligen Plattformen, wo Medizinstudierende für deren Hilfe gesucht werden und warte nun einfach ab, bis ich angeschrieben werde und helfen kann. Bis dahin nutze ich die Zeit für mein Studium, wenigstens ein paar Stunden am Tag, und für eine nicht zu vernachlässigende Study-Life-Balance.

Zeit für meine Promotion und andere Dinge

Durch Kontakt- bzw. Ausgangssperre ist die Vorstellung von schönen Treffen mit Freunden leider passé. Jedoch bietet sich damit die einmalige Chance, sich endlich intensiv mit der bereits begonnen, aber immer wieder vertagten, Promotion zu beschäftigen. Tatsächlich ist das der ideale Zeitpunkt dafür, denn während des Semesters sagt man oft und gerne lieber der Freundin auf einen Kaffee zu und verschiebt das Schreiben des Kapitels wieder einmal.

Wozu ich die Zeit aktuell auch gerne nutze sind regelmäßige Sport-Einheiten. Durch die wegfallenden Pflicht-Termine in der Uni und die damit sehr flexible Tagesgestaltung ist es viel leichter, den Sport regelmäßig einzubauen. Auch wenn gerade Fitness-Studios etc. geschlossen haben, gibt es zahlreiche Online-Programme, mit denen man super trainieren kann.

Digitalisierung im Medizinstudium

Apropos Online-Angebote: Unsere Uni hat seit dem 6. April 2020 die Vorlesungen und zu bearbeitenden fiktiven Patientenfälle mittlerweile fast komplett auf digital umgestellt. So haben wir ein bis zwei Tage vor der eigentlich stattfindenden Vorlesung bzw. Veranstaltung das Skript und eine Audio- oder Video-Datei für das Thema parat.

Bis jetzt funktioniert das wirklich gut, denn so kann man sich auch frei einteilen, wann sich den Stoff erarbeitet und in welcher Geschwindigkeit. Das Video bietet gegenüber der Vorlesung im Hörsaal nämlich die Funktion sich das Gelesene schneller oder langsamer und auch mit Pausen anzuschauen. Also baue ich auch, entsprechend des Vorlesungsplanes, dieses in meinen Tagesplan mit ein.

Gewonnene Zeit sinnvoll nutzen

Den Rest des Tages verbringe ich die Zeit mit der Familie, telefoniere mit Freundinnen, plane gedanklich die nächste Auslands-Famulatur und versuche einfach das Beste aus der Situation zu machen – die gezwungenermaßen „gewonnene“ Zeit mit der Familie und daheim für mein Studium zu nutzen.

Eure Romy


Aktuelle Informationen zu COVID-19 findest du hier:

Elsevier Corona Information Center


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