Mein Berufseinstieg nach dem Medizinstudium als Assistenzärztin in der Neurologie

Wie sieht der Berufseinstieg nach dem Medizinstudium aus? Welche Herausforderungen kommen auf mich zu? Anna teilt in diesem Beitrag ihre Erfahrungen zum Einstieg als Assistenzärztin in der Neurologie mit euch.

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Auszeit vor dem Berufseinstieg

Nach dem 2. Staatsexamen habe ich mich dazu entschieden, nicht direkt mit der Arbeit anzufangen. Ich habe eine zweimonatige Auszeit genommen und bin in dieser Zeit viel gereist und habe alles gemacht, was während des Studiums oft zu kurz gekommen ist. Für mich war dies sehr wichtig, um mich nach den stressigen Lernwochen zu erholen. Ich habe bewusst während dieser beiden Monate auch kein einziges Mal ein medizinisches Buch in der Hand gehabt, um mich auf die Arbeit vorzubereiten, weil ich komplett abschalten wollte.

Berufseinstieg als Assistenzärztin

Meinen Arbeitsvertrag in einer psychiatrischen Klinik hatte ich bereits direkt nach dem Examen unterschrieben. Ich kannte die Klinik schon von einer Famulatur im Medizinstudium, dennoch war es etwas komplett anderes, dort als Assistenzärztin zu beginnen. Zunächst musste ich mich an die Abläufe und an das Dokumentationssystem gewöhnen. Auch war es anfangs sehr ungewohnt, alleine Visite zu machen und teilweise fühlte ich mich mit den Fragen, die die Patienten gestellt haben, etwas überfordert, aber mit der Zeit bekam ich mehr Routine. Insbesondere die Erstellung der Entlassbriefe ist mir zu Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit schwergefallen. Als ich nach einigen Wochen dann aber wusste, welche Inhalte und Informationen für welches Krankheitsbild genannt werden müssen und wie ich diese medizinisch korrekt formuliere, ging es deutlich besser.

Mein erstes Gehalt

Besonders gut erinnere ich mich daran, als ich nach meinem Berufseinstieg nach dem Medizinstudium mein erstes Gehalt bekommen habe. Es war ein tolles Gefühl, zu wissen, nun eigenständig Geld zu verdienen. Im ersten halben Jahr habe ich fast täglich Überstunden gemacht. Ich hatte oft das Gefühl, mit der Arbeit des Tages nie fertig zu werden. Auch war es manchmal so, dass mir zu Hause noch Dinge eingefallen sind, die ich vergessen hatte anzuordnen. Manchmal habe ich dann noch mal auf Station angerufen, um nachzufragen. Insgesamt war es für mich schwierig, mit der neuen Verantwortung umzugehen, da ich es ja aus dem PJ gewohnt war, dass nicht ich, sondern der Assistenzarzt die Verantwortung trägt. Irgendwann hat es dann aber "Klick" gemacht und ich hatte für mich eine gute Struktur gefunden, wie ich alles, was ich machen muss, systematisch und vollständig abarbeiten konnte. Ich habe mir die Laborwerte der einzelnen Patienten ausgedruckt und mir dann in der Visite alle Dinge aufgeschrieben, die für diesen Patienten an diesem Tag zu erledigen sind (u.a. oberärztliche Rücksprache, Bildgebung anmelden, Angehörigengespräche, Konsile, etc.).

Erste eigene Dienste

Dienste habe ich nach circa drei Monaten das erste Mal gemacht. Hier war ich sehr dankbar für die Unterstützung der Pflege, die mir bei vielen Problemen helfen konnten. In den ersten Diensten habe ich sehr häufig den Hintergrunddienst angerufen, wenn ich etwas nicht wusste. Mit der Zeit fühlte ich mich viel sicherer und wusste auch bei Neuaufnahmen besser, worauf ich achten muss und was anzuordnen ist. Anfangs ist es mir schwer gefallen, vor meinen Vorgesetzten auch auf meine Rechte zu bestehen. Immer wieder gab es Probleme mit der Urlaubsgenehmigung; Urlaub wurde oft viel zu spät genehmigt und auch nur dann, wenn zu dieser Zeit der Kollege der gleichen Station nicht parallel Urlaub oder viele Dienste hatte. Dies hat mich sehr geärgert, da ich nie wirklich langfristig planen konnte. Ich habe diese Probleme dann aber irgendwann klären können.

Fazit

Insgesamt war der Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit nach meinem Medizinstudium eine sehr spannende Zeit mit vielen Herausforderungen, an die ich aber gerne zurückdenke.

Deine Anna


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