Wieder Ersti – der Start in den klinischen Abschnitt

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Das Physikum ist vorbei. Und zum Glück bestanden. Es ist geschafft. Jackpot, knallende Sektflaschen. Stolze Familienangehörige („Bist du jetzt Arzt? Mein Knie tut weh!“) und Freunde, die sich wundern, wo man denn im letzten Monat eigentlich war. Wieder im Urlaub? Typisches Studentenleben! Nicht ganz. Nachdem man dem ein oder anderen noch einmal den groben Aufbau des Studiums erläutert hat und sich vom ersten Schock erholt hat, geht es tatsächlich in den Urlaub. Bevor das neue Semester startet ist noch ein guter Monat Zeit. Und während man dann irgendwo an einem fernen Ort am Strand liegt und sich unbeschwert dem Tagesablauf hingibt, interessiert man sich herzlich wenig für die kommende Zeit. Vielleicht wäre es ratsam trotz des ungeheuerlichen Freizeitpensums kurz an die in Zukunft zu belegenden Veranstaltungen denkt. Das erspart Ärger. An unserer Uni ist man zwar automatisch für den klinischen Abschnitt angemeldet, wenn man das Physikum in der Tasche hat, jedoch nicht für die einzelnen Seminare, Vorlesungen und Kurse. Das war mir leider nicht zu 100 Prozent bewusst. Die bittere Einsicht kam: Als ich nachts um halb 2 in Neuseeland zurück in mein Hostel kam und auf dem Handy nachlesen konnte, wie sich meine Freunde Stunden zuvor im Sekretariat für einen Kursplatz in der HNO angemeldet hatten. Das hatte ich mir mal notiert, aber naja… Nicht mehr dran gedacht, es war ja Physikum! Panisch versuchte ich, das Sekretariat zu erreichen. Dieses hatte dank der Zeitumstellung gerade pünktlich Feierabend gemacht. Super Timing meinerseits. Am nächsten Tag erfolgte dann ein Telefongespräch vom anderen Ende der Welt und die Sache ließ sich regeln, ohne persönlich vor Ort sein zu müssen. Die anderen Veranstaltungen ließen sich ebenfalls per E-Mail oder online belegen. Vor meinem geistigen Auge hatte ich meinen Eltern schon erklärt, dass ich mein Studium um ein Semester verlängern würde, weil ich eine Anmeldefrist vergessen hatte. Die Panik war unbegründet, aber wenn ihr sie euch ersparen könnt, umso besser.

Schließlich begann das neue Semester tatsächlich: die Klinik! Wenn man seit 2 Jahren immer wieder davon erzählt bekommt, wie anders dieser Abschnitt im Vergleich zur Vorklinik sein soll, bildet man sich irgendwann ein eigenes Bild im Kopf. So hatte auch ich eine „Vorstellung“ von der kommenden Zeit. Und da es bekanntlich oft anders kommt als man denkt, könnt ihr euch denken, was passiert ist. Das Herumrennen auf dem Campus, um die unterschiedlichen Fachrichtungen zu erreichen. Der zusammengestückelte Stundenplan, auf den jedes Fach seien Anspruch erhebt („Die anderen sind ja ganz nett, aber wir sind eigentlich das wichtigste Fach“). In der Vorklinik wurde einem alles irgendwie vorserviert, ohne selbst viel zu organisieren. Das war jetzt ein bisschen anders. Man muss hier eigenständiger und besser organisiert sein als zuvor. Das ist aber auf unseren späteren Beruf bezogen sicher von Vorteil und von daher eine gute Sache. Am meisten hat mich gewundert, dass man noch erstaunlich viele Vorlesungen und Seminare hat und sich der Anteil mit tatsächlichem Patientenkontakt eher auf wenige Untersuchungskurse und die erforderlichen Famulaturen beschränkt. Die Untersuchungskurse waren dafür jedoch sehr lehrreich und machten vor allem Spaß und Lust auf mehr. Außerdem kann man seinen Interessen mit verschiedensten Wahlfächern nachgehen und wenn euch ein Fach nicht so zusagt und man nicht verpflichtend in den Vorlesungen sitzen muss, hält einen niemand auf, sich eigenständig auf die Grundlagen zu beschränken und seinen Tag anders zu planen. Natürlich gibt es wichtige Basics, die einem vermittelt werden. Hier muss man dann ein bisschen herumprobieren, wie man diese am besten erkennt. Dass kann je nach Fach und Dozierenden ziemlich variieren. Aber das kennt man ja aus der Vorklinik. Gerade in der Inneren Medizin haben mir Kurz-Lehrbücher, etwa ein guter EKG-Trainer geholfen. Ihr werdet selbst merken, was geht und was weniger gut.

Im Grunde genommen ist die Klinik also gar nicht so verschieden: Es gibt Fächer, die einen interessieren und eben solche, die lieber schneller vorbeigehen sollen. So ist mein Eindruck. Am Anfang fühlt man sich dann ein bisschen wie an den ersten Tagen der Vorklinik – ein zweites Mal Ersti sozusagen. Aber erinnert euch mal daran, wie schnell ihr euch damals zurechtgefunden habt. Das wird wieder so ablaufen. Ich wünsch euch viel Spaß in der Klink. Habt eine gute Zeit!

Euer Johannes

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