Psychiatrie in der Uni

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Psychiatrie, ein Fach an dem sich die Geister scheiden: die einen können sich von der ersten Sekunde an dafür begeistern, die anderen können damit nichts anfangen. Dazwischen gibt es nichts. Als es am Anfang meines klinischen Studiums Einblicke in die psychiatrischen Aspekte eines Patienten ging, war auch ich verloren. Neue Begriffe wie Dysthymie, Affizierbarkeit, Bipolarität und viele mehr tauchten auf und ich hatte das Gefühl das man hat, wenn man eine Fremdsprache lernt. Ich gehörte also klar zu der zweiten Gruppe, für die Psychiatrie etwas sehr abstraktes und fremdes ist.

In Innsbruck werden wir im dritten Studienjahr zum ersten Mal damit konfrontiert. Die Vorlesungen sind interessant aber einen Bezug dazu und ein Gespür dafür zu bekommen gestaltet sich dann doch recht schwierig. Meist gehen die Vorlesungen über zwei Wochen. Vielleicht hat man Glück und hat im Kleingruppenunterricht einen psychiatrischen Fall, damit man sich mehr mit dem Thema beschäftigen kann. Hinzu kommt noch das Lernen der kompletten psychiatrischen Pharmakotherapie, die auch kein Zuckerschlecken ist. So hab ich mich dann mehr oder weniger durch den Stoff gekämpft und das ganze wieder schnell abgehakt, in der Hoffnung es später nicht zu brauchen.

Im letzten Jahr unseres «Unistudiums», also vor dem klinisch-praktischen Jahr, wird die Psychiatrie dann aber so richtig vertiefend und ein einwöchiges Praktikum wird sowohl im Winter- als auch im Sommersemester angeboten. Zwei Jahre zuvor hätte ich mich nie getraut das zu sagen, aber die Psychiatrie hat sogar mir im fünften Jahr getaugt. Endlich wurden wir in den psychiatrischen Alltag aufgenommen, konnten Patientengespräche führen und einen psychopathologischen Status erstellen. Endlich passten zu den komischen Wörtern Krankheitsbilder die wir beobachten konnten. Endlich wurde auch die Pharmakotherapie dank einer unserer Pharmakologie-Professoren verständlicher. Unsere Praktikumsbetreuer der Psychiatrie Innsbruck gaben sich besonders viel Mühe uns die ganze Bandbreite an Krankheitsbildern zu übermitteln und überzeugten viele ihrer Patienten die mit uns Gespräche führten. Schizophrenie, Suchtverhalten, Borderline, Suizidalität, Schmerzsyndrome, …. waren Erkrankungen die wir explorieren durften und uns so einen noch besseren Einblick verschaffte.

So konnte auch ich mich für die Psychiatrie begeistern. Der Knoten war irgendwie geplatzt. Meine berufliche Zukunft sehe ich nichtsdestotrotz nicht in diesem Klinikalltag, aber ganz so fremd fühlt es sich nicht mehr an. Somit gibt es doch eine Art Grauzone zwischen denen die im Fach Psychiatrie aufblühen und denen die das Fach gar nicht mögen.

Eure Caroline

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