Einstieg in die Klinik – Chirurgie

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Endlich Klinik. Jetzt studiere ich schon seit zwei Jahren Medizin und hab das Physikum hinter mir und plötzlich sind wir wieder die Neuen und die Kleinen. Es ist schon ein echt merkwürdiges Gefühl im weißen Kittel durch das Klinikum zu laufen. Irgendwie erwarten die Leute dass man Ahnung hat und in Wirklichkeit finden wir nicht mal unseren Seminarraum.

In Marburg werden wir zu Beginn der Klinik in zwei Kohorten unterteilt. Die chirurgische Kohorte und die innere Kohorte. Ich bin in der chirurgischen Kohorte gelandet. Viele Kurse und Vorlesungen haben wir aber dennoch gemeinsam. Pathologie, Klinische Chemie und Mikrobiologie müssen wir alle im ersten Semester bereits belegen. Einige andere Fächer wie Chirurgie, Geschichte und Ethik hat jedoch nur die chirurgische Kohorte. Einer unserer ersten Kurse im Oktober war der Untersuchungskurs, in dem wir Techniken zur Untersuchung der Gelenke und des Bauches gelernt haben. Auch der Naht- und Knotenkurs und das Einwaschen für Operationen gehören zu diesem Untersuchungskurs. Den ersten Tag sind wir also alle mit kurzen Sporthosen und Sport-BHs ins Simulationszentrum gewandert. Die Chirurgen haben uns alle Übungen vorgemacht und wir mussten diese wiederholen. Zu Beginn sind das verdammt viele Untersuchungen und mit Hinblick auf die praktische Prüfung haben wir uns noch oft im Simulationszentrum verabredet und selbständig geübt. Die Prüfung ist übrigens erst nächste Woche, daher kann ich euch da noch nicht viel zu erzählen.

Zusätzlich zu den Untersuchungskursen haben wir fast täglich chirurgisches Seminar und das bedeutet endlich auch Patientenkontakt. Vor jedem Seminar gehen zwei Studenten aus unserer Kleingruppe auf eine Station und sprechen mit einem Patienten, welcher eine Erkrankung hat, die zum aktuellen Thema passt. Wir führen ein komplettes Anamnesegespräch und gucken uns Röntgenbilder und Laborbefunde an. Nachmittags wird der Patient dann der Kleingruppe vorgestellt und wenn der Patient einverstanden ist, besuchen wir ihn mit der kompletten Gruppe erneut. In den Seminaren haben wir verschiedene Themenblöcke, wie Urologie, Orthopädie, Unfallchirurgie, Viszeralchirurgie und Herzchirurgie. Außer in Viszeralchirurgie haben wir jeden Tag andere Dozenten, die einem viele neue Dinge erklären und interessante Geschichten erzählen. In Urologie haben wir auch praktisch geübt. Wir haben uns in der Poliklinik getroffen und durften gegenseitig einen Ultraschall von unseren Nieren machen. Zum Glück war ein Urologe da, der uns alles gezeigt hat, weil ohne die Erklärung haben wir alle nur graue Punkte gesehen. Das mit dem Ultraschall müssen wir wohl noch trainieren.

Neben den eigentlichen verpflichtenden Kursen laden uns die Chirurgen auch immer wieder gerne in den OP ein. Dort dürfen wir zugucken und die Operateure erklären uns genau, was sie gerade machen. Besonders die Gynäkologen sind immer bereit, uns mit in den OP zu nehmen. Die erste OP die wir uns angesehen haben, war eine Tumorentfernung und der Arzt hat uns alles gezeigt und uns auch angeboten, dass wir uns einwaschen und mit an den Tisch gehen. Es lohnt sich immer mal nachzufragen, ob man irgendwo dabei sein darf. In den meisten Fällen freuen sich die Ärzte über Interesse an ihrem Fach und bemühen sich, alles möglich zu machen.

In den chirurgischen Kursen zeigt sich, wie wichtig die Anatomie aus der Vorklinik ist. Es ist natürlich nicht mehr alles notwendig und viele Ärzte sprechen dann doch eher vom Innenknöchel und nicht vom Malleolus medialis, aber Kenntnisse über den Verlauf von Nerven und Gefäßen sind absolut erforderlich.

Auch wenn das Semester noch nicht zu Ende ist, kann ich sagen, dass die Klinik wirklich spannender ist. Die Fächer sind näher am Arztberuf und besonders der Patientenkontakt macht das ganze theoretische Lernen leichter. Nach dem Physikum wird wirklich vieles besser. Jetzt freue ich mich auf die erste Famulatur, die in den Semesterferien ansteht.

Eure Pia

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