Wisst Ihr schon was Ihr hinterher machen wollt part i

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Keine andere Frage nervt mich gerade mehr als diese. Denn je näher man dem Ende des Praktischen Jahres kommt, desto öfter wird diese gestellt. Sei es von Familienangehörigen, Freunden, Ärzten auf Station, Menschen denen man gerade erzählt, dass man kurz vor Abschluss seines Studiums sei, es hört einfach nicht auf….

Meine Antwort? Klassisch: „Ich habe keine Ahnung!“ Das ist noch nicht einmal gelogen, denn aus der vermeintlichen Sicherheit, die ich vielleicht einmal in Bezug auf meine spätere Facharztweiterbildung hatte, hat sich ein Haufen Schlagsahne entwickelt. Daher werde ich einmal laut Denken und ein paar Fachrichtungen auf Herz und Nieren prüfen: Satire, Ironie oder Sarkasmus sind nicht ausgeschlossen 🙂

Chirurgie: Sehr cooles Fach, viel Handarbeit, man kann direkt etwas machen und sieht was man getan hat, dafür leider viel Zeit in fensterlosen Räumen ggf. einem cholerischen Chef ausgeliefert oder aber man verrottet viele Jahre als Assistent, weil man seinen OP Katalog nicht gefüllt bekommt.

Innere Medizin: Nicht ganz so cool wie Chirurgie, dafür mehr Kopfarbeit. Therapiestrategien müssen permanent hinterfragt werden, Differentialdiagnosen geprüft und Interventionen gut geplant sein. Ein bisschen Dr. House also, auf jeden Fall, wenn man an eine Universitätsklinik geht. Nur will ich ständig Stunden (!) damit verbringen Patienten zu Visitieren oder aber Überstunden damit verbringen elend lange Briefe zu schreiben, welche mir ein Oberarzt am nächsten Morgen um die Ohren schmeißt, weil ich nicht dem „Abteilungsstandard“ gefolgt bin?

Anästhesie: DAS Fach des PJs. Nur wenige Fächer werden so oft als Wahlfach gewählt und die Berechtigung hat diese „Dienstleistungs“-Abteilung auf jeden Fall. Sichere Intubationen, das Legen von Zugängen aller Art, Narkosen, Sedierungen, Schmerzmedikation… das tägliche Brot des Anästhesisten und alles Dinge, die jedem Arzt nicht schaden würden. Leider dankt es einem der Patient äußerst selten, sieht man sich im wachen Zustand doch nur meist für wenige Minuten und danach nie wieder. Nach 20 Jahren genug von der Klinik? Niederlassen? Schwierig, wenn auch möglich. Insgesamt bleibt ein fader Beigeschmack.

Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde: Ein zutiefst unterschätztes Fach, geht es doch nicht nur um Nasen Begradigen und Sprechkanülen auswechseln. Gerade die Tumorerkrankungen, welche sich im Kopf/Hals Bereich entwicklen können sind teils hochspannend und sehr vielseitig. Ein weiterer Nicht zu verachtender Vorteil der Fachrichtung sind die vielen jungen Patienten. Morgens wird zur Visite geblasen und das Volk versammelt sich vor dem Untersuchungszimmer. Entspannend! Was gibt’s hier zu meckern? Es ist bei aller Vielfalt ein kleines Fach mit nicht so vielen Kliniken, welche eine eigene HNO-Abteilung ihr Eigen nennen. Eine „freie“ Auswahl wie bei anderen Fachrichtungen ist hier also von vornerein ausgeschlossen.

Nächste Woche werde ich noch ein paar andere Fachrichtungen unter die Lupe nehmen. Den Bericht findet Ihr hier.

Euer Pascal

Foto: Pascal Sabellek
Foto: Pascal Sabellek
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