Praktisches Jahr in Zeiten von Corona – Eine Erfahrung der speziellen Art

Praktisches Jahr Teil 3 – mein Wahltertial Allgemeinmedizin hatte ich als letztes der drei Tertiale eingeplant, das beste kommt bekanntlich zum Schluss! Zu Beginn des Tertials am Anfang Januar hätte ich diese Annahme auch noch vehement verteidigt, denn die ersten 2 Monate liefen total super. Und dann kam Corona. Hier lest ihr meinen Erfahrungsbericht zum PJ während Corona.

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Photo courtesy of Elsevier / Colourbox

Routinierter Start

Ich fühlte mich in der Praxis pudelwohl, das Team war sehr nett und ich war jeden Tag einem der drei Lehrärzte fest zugeteilt, sodass dieser dann auch Zeit hatte, sich um mich und meine Fragen zu kümmern.

Vom Ablauf war der Praxisalltag so strukturiert, dass bis etwa 10 Uhr Termine vergeben wurden, zu denen dann Patienten wegen Vorsorgeuntersuchungen, Disease Management-Programmen oder Ultraschalluntersuchungen kamen. Hier konnte ich dann gemeinsam mit dem jeweiligen Lehrarzt die Untersuchung und ggf. Therapie(anpassung) durchführen. Anschließend wurde der jeweilige Fall oft auch direkt mit mir besprochen und ich bekam viel Feedback, was für mich sehr hilfreich war.

Gegen 10 Uhr gab es dann eine gemeinsame Kaffeepause, wo aktuelle Dinge besprochen wurden. Anschließend ging es mit der „Akutsprechstunde“ weiter, zu der hauptsächlich Patienten mit akuten Erkrankungen wie grippalen Infekten, Verletzungen, Bauchschmerzen, Harnwegsinfekten, etc. kamen. Hier hatte ich das Glück, dass jeden Tag einer der Ärzte aus der Praxis frei hatte oder Hausbesuche machte, und dadurch immer ein Behandlungszimmer zur Verfügung stand, in dem ich ohne Aufsicht eigene Patienten untersuchen konnte. Den jeweiligen Fall stellte ich anschließend einem der Ärzte vor, der den Patienten dann auch nochmal nachuntersuchte und gemeinsam mit mir das weitere Vorgehen besprach.

Tipp: Nutzt die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten

Das kann ich nur jedem ans Herz legen, der ein PJ-Tertial in der Allgemeinmedizin macht: nutzt die Möglichkeit, selbstständig Anamnesen zu erheben und Patienten zu untersuchen! Das ist für das mündliche Staatsexamen extrem hilfreich und schließlich auch später die Basis jeder Fachrichtung.

Besonders spannend fand ich insbesondere im Allgemeinmedizin-Tertial auch die doch überraschend häufigen psychologischen und sozialen Aspekte von Symptomen, sowohl als Ursache solcher, als auch als Folge bei chronischen Erkrankungen.

Und dann erreichte Corona die Republik…

Corona bringt ordentliches Durcheinander

Ab da war dann alles anders. Von einem Tag auf den anderen waren bei grippalen Infekten telefonische Krankschreibungen möglich, sodass unsere Akutsprechstunde quasi bis auf einige wenige Patienten mit Verletzungen ausfiel. Vorsorgeuntersuchungen und dergleichen wurden aus Angst vor Ansteckung mit COVID-19 abgesagt, sodass es für mich als Studentin schließlich tageweise doch ein wenig langweilig wurde.

Erfahrungen aus erster Hand

Zudem bekam ich an vorderster Front mit, was es bedeutet, wenn es auf einmal keine Schutzkleidung und kein Desinfektionsmittel mehr gibt: da war dann Improvisation gefragt. Von einer Apotheke vor Ort wurde kurzerhand selbst Desinfektionsmittel angemischt, das aus unserer Sicht zwar aufgrund des nicht vorhandenen Geruchs nach Desinfektionsmittel eher misstrauisch und widerwillig genutzt wurde, aber was blieb uns anderes übrig als darauf zu vertrauen, dass das Zeug Krankheitserreger abtöten würde? Atemschutzmasken wurden kurzerhand von einer Arzthelferin in Heimarbeit selber angefertigt, sodass dann jeder Mitarbeiter der Praxis einen persönlichen, mehr oder weniger farbenfrohen Mundschutz besaß, der zuhause gewaschen werden konnte. Von einem sehr netten Patienten bekamen wir sogar noch einen Karton mit FFP2-Masken geschenkt, die wir verwenden konnten, wenn wir in der Praxis Corona-Abstriche machen mussten.

Tägliche Neuerungen als Herausforderung

Was auch ziemlich spannend war, war die Tatsache, dass von Seiten der Regierung, des Hausärzteverbandes und des RKI fast täglich irgendwelche Neuerungen veröffentlicht wurden, die es dann umzusetzen galt, was oftmals aufgrund diverser logistischer Probleme wie des bereits erwähnten Mangels an Schutzausrüstung schlicht unmöglich war.

Bangen um das 3. Staatsexamen

Wie den meisten vermutlich bewusst ist, steht nach dem Ende des PJ noch das mündliche Staatsexamen an. Eine ganze Zeit lang mussten ich und meine Kommilitonen ein wenig bangen, ob das überhaupt stattfinden würde, nachdem alle anderen Prüfungen an unserer Uni abgesagt wurden und ja auch die Durchführung des 2. Staatsexamens zwischenzeitlich unsicher war… Schließlich beschloss man, unsere Prüfungen auf nur einen Prüfungstag zu verkürzen und dabei den Kontakt zu Patienten auf das Nötigste zu beschränken. So fand bei uns keine Prüfung am Patienten statt, wir mussten lediglich für die Verfassung des Arztbriefes mit unserem Patienten sprechen und diesen untersuchen. Die eigentliche Prüfung bestand dann letztendlich nur aus Fragen und Fallbeispielen aus den jeweiligen Fachbereichen.

Fazit

Rückblickend muss ich sagen, dass ich wohl zu den wenigen Studierenden gehöre, deren Studium durch den Corona-Ausbruch nicht massiv beeinträchtigt worden ist, wer weiß, vielleicht ist es für meine weitere Berufslaufbahn sogar hilfreich, den Umgang mit einer Infektionskrankheit in einem derartigen Ausmaß hautnah mitbekommen zu haben.

Eure Diana


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