PJ-Tertial in Italien: Warum ins Ausland, wohin und wie finanziere ich das alles?

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La dolce vita“ (ital. für „das süße Leben“)

Davon kriegt man in Udine – 20 km westlich der slowenischen Grenze in der Landschaft Friaul gelegen – genau so viel, wie man eben für sich beanspruchen mag.

Die zahlreichen Cafès und Bars in der Altstadt stellen zwar den Inbegriff dieses Lebensstils dar. Jedoch demonstrieren Einrichtungen wie das Universitätskrankenhaus „Ospedale Santa Maria della Misericordia“ im Norden der Stadt auch den modernen Geist der Gemeinde. Und dieser ist durchaus zukunftsorientiert ausgerichtet. Tradition und Fortschritt werden hier gut in Einklang gebracht.

- Welche Art der Motivation meinen Auslandsaufenthalt bahnte?

Dank deutscher Mutter und italienischem Vater stammen meine Erbanlagen zu gleichen Teilen aus der Bundesrepublik sowie dem Stiefelstaat. Die Erfahrungen, die ich in meinen 26 Lebensjahren bisher gesammelt habe, verteilen sich jedoch alles andere als gleichmäßig auf diese beiden Länder. Genau das wollte ich nachholen. Genau diesen Mangel an Erleben aufholen.

Des Weiteren war mir schon lange bewusst, dass ich später als approbierter Arzt keine Krankheiten, sondern Patienten behandeln werde. Und um dies gut tun zu können – das heißt mit entsprechender Empathie und Verständnis für die individuellen Lebensumstände – ist es vonnöten ein Gefühl für alle Arten von Patienten zu erlangen: Alte wie junge, physisch wie psychisch Kranke. Und eben auch ein Gefühl für Hilfesuchende mit in- und solche mit ausländischem Hintergrund.

Deutschland verkörpert einen interkulturellen Schmelztiegel und beheimatet Menschen ganz unterschiedlicher Abstammung. Um diesem Umstand zumindest ansatzweise gerecht zu werden, wäre es geradezu fahrlässig, die Chance ungenutzt zu lassen, über die heimischen Grenzen hinaus seine Erfahrungen zu sammeln.

Ich bin davon überzeugt, dass nicht nur ich, sondern auch meine zukünftigen Patienten von den Dingen, die ich in Udine gesehen, gelernt und erfahren habe, profitieren werden.

- Wie, wo und wann bewerbe ich mich am besten für ein Tertial in Italien?

Hat man größere Städte wie Mailand oder Rom ins Auge gefasst, sollte einem klar sein, dass hier zwar die Organisation ggf. besser ist - weil man einfach schon häufiger ausländische Studenten zu Gast hatte -, doch wahrscheinlich kein Weg am oft aufwändigen Bewerbungsprozess über das Auslandsbüro der Universität (inkl. Sprachnachweis, etc.) vorbeiführt. Eventuell muss man sich gegen eine Zahl an Mitbewerbern durchsetzen oder geht am Ende sogar in der Masse unter.

Bei einem kleinen Ort wie Udine hingegen kann es sein, dass man einen Tag, nachdem die Bewerbungsmail das elektronische Postfach verlassen hat, bereits eine Antwort erhält. Und aus diesem Antwortschreiben hervorgeht, dass man zu jedem Zeitpunkt und in jedem Fachgebiet das Praktikum ableisten darf – so geschehen in meinem Fall.

Der Rahmen – und das hat sich am Ende auch vor Ort bestätigt – stellt sich einfach etwas familiärer dar. Das Kollektiv aus Studenten, Ärzten und Mitarbeitern des Dekanats ist schlicht überschaubarer.

Nichtsdestotrotz möchte ich an der Stelle nicht unter den Tisch fallen lassen, dass mir zwischenzeitlich Zweifel daran aufkamen, ob die Entscheidung für ein Krankenhaus, in dem zuvor noch kein anderer PJ-ler gewesen ist, wirklich die richtige war.

Hintergrund war folgender:

Die Anerkennung durch das Landesprüfungsamt gestaltet sich erheblich leichter, wenn in der Vergangenheit bereits ein anderer Student sein Tertial im gleichen Krankenhaus abgeleistet hat, sodass dieses in der internen Liste der Behörde geführt ist.

Ist dies nicht der Fall – wie bspw. bei mir – bedarf es eines Schreibens, das die Studienstruktur widergibt, die praktischen Inhalte des Tertials aufführt – wie man sie auch in sog. „Logbüchern“ findet - und aus dem klar hervorgeht, dass man den italienischen Studenten gleichgestellt ist. Außerdem ist es natürlich unerlässlich, dass der Dekan (als Vertreter der Universität) wie auch der betreuende Arzt (als Funktionär des Krankenhauses) das Ganze unterschreiben und abstempeln.

Zusammengefasst: Ob Klein- oder Großstadt. Am Ende lässt sich ein gewisses Maß an organisatorischem Aufwand nicht vermeiden. Unter Umständen könnten das „International Office“ und die Angestellten des LPAs die Studenten hier einfach noch mehr an die Hand nehmen und ihnen unter die Arme greifen, sodass dieser Aufwand seinen einschüchternden Charakter einbüßt oder sogar vollends verliert.

- Wie finanziere ich mein Auslands-Tertial?

Die 300 Euro Aufwandsentschädigung, die man im Rahmen des PJs jeden Monat erhält, sind zwar wenig, aber immer noch 300 Euro mehr als nichts. Das spürt man spätestens, wenn man sich gegen ein Tertial in Deutschland und für eines im Ausland entscheidet. Zwar bleibt es einem erspart draufzulegen, wie das in Südafrika, Sri Lanka und anderen Ländern oft der Fall ist. Doch von Luft und Liebe lässt es sich bekanntlich auch schwer leben.

Daher rate ich jedem, der plant ein Auslandstertial zu absolvieren, sich um finanzielle Unterstützung in Form von Förderprogrammen zu bemühen. Sich einfach vorab über Stipendien, die in Frage kommen, informieren: im Internet, an der Uni, bei Freunden.

Und jedem, der sich vor einem Motivationsschreiben fürchtet, sei gesagt: Ein solcher Aufsatz, der den eigenen Antrieb illustriert und das Herzstück einer jeden Bewerbung um ein Stipendium darstellt, hat noch nie jemandem geschadet. Man reflektiert seine Gedanken, Gefühle sowie Erwartungen und wird dafür eventuell sogar mit einer monatlichen Geldspritze ausgestattet.

Ich persönlich wurde während meines Tertials in Italien dank und durch das Erasmus+ Placement Programm monatlich mit 400 Euro subventioniert, sodass ich nicht gezwungen war, neben dem PJ noch zu arbeiten. In der Folge lag die Gestaltung der 16 Wochenenden komplett bei mir: Kurztrips nach Mailand, Florenz, Venedig und Wien waren möglich. Zudem hatte ich Zeit und Gelegenheit verschiedene Weingüter in der Umgebung besichtigen zu können.

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