Innere in Schwarzach im Pongau – PJ-Tertial in Österreich

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Mein 1. PJ-Tertial habe ich im Turnus Herbst 2017 im Kardinal Schwarzenbeck Krankenhaus in Schwarzach im Pongau absolviert. Die Wahl fiel auf dieses Haus, da die Bewerbung recht simpel war und es eine recht attraktive Lage hat. Die Skigebiete Flachau und Wagrain waren quasi direkt vor der Tür und die schöne Stadt Salzburg nur eine Zugstunde entfernt. Auch Wien war mit dem Zug für einen Wochenend-Trip gut machbar. Die Sprachbarriere war dann doch etwas größer als ich es, um ehrlich zu sein, erwartet hätte. Aber spätestens dann, wenn man sich mit Österreichern aus südlicheren Regionen unterhält, merkt man, dass der Dialekt um Salzburg dann doch halbwegs verständlich klingt.

Mein Innere-Tertial verbrachte ich also in Österreich. Bevor man aber über das PJ als solches berichtet, sollte man sich über das österreichische System im Klaren sein. Ohne jetzt zu weit ausholen zu wollen sei nur Folgendes grob erklärt: Das Medizinstudium in Österreich endet wie in Deutschland mit einem PJ. Dieses ist jedoch so ausgelegt, dass man sehr viele verschieden Fächer durchläuft. Dadurch kommt es dazu, dass man auf den meisten Stationen nur wenige Wochen verweilt, bevor es einen weiter zieht. Ich wurde über das gesamte PJ das Gefühl nicht los, dass einem die Ärzte daher nicht so richtig was zutrauen wollten. Das habe ich auf jeden Fall in Deutschland in den anderen Tertialen anders/besser kennengelernt. Nach dem PJ ist es dort die Regel, dass man den „Turnusarzt“ absolviert. Das heißt, man ist ca. 2 Jahre in den größeren Fächern und hat hauptsächlich die Aufgaben eines deutschen PJlers mit ein bisschen mehr Verantwortung.

Aber nun, was waren denn meine Aufgaben? Der Tag begann mit der Frühbesprechung, wo wir die Patienten, die wir planmäßig aufgenommen haben, vorstellen mussten. Das ist zwar etwas lästig gewesen, dafür war es aber auch eine gute Übung. Danach ging es auch schon an die angesprochenen Planaufnahmen, die nicht nochmal mit einem Arzt durchgesprochen wurden. Alles, was über die Notaufnahme reinkam, wurde nicht noch einmal aufgenommen. Die Blutentnahmen wurden durch die Schwestern erledigt. Dies ist in Österreich wohl auch die Regel. Im Anschluss war auch schon Mittag (bei 4-5 Aufnahmen bleibt nicht mehr viel Zeit zwischen Frühbesprechung und Mittag) und danach wurde man nach Hause geschickt. Der geübte Leser fragt sich jetzt sicher: „Moment… wo ist die Visite?“ Gute Frage, traurige Antwort: Die Teilnahme der PJler an der täglichen Visite war schlichtweg nicht vorgesehen. Daher hielt sich der Lerneffekt leider auch in Grenzen. Die viele Freizeit war natürlich ganz nett, aber ein wenig mehr Arbeit und mehr Verantwortung wären schon schön gewesen. Als ich fragte, ob ich denn auch mal einen Arztbrief schreiben dürfe, wurde ich nur ganz verdutzt angestarrt. Mit ein wenig Beharrung hat es dann aber doch geklappt. Somit blieb ich zum Ende des Tertials dann doch etwas länger auf der Station. In die Funktionsdiagnostik konnte man jederzeit ohne Probleme gehen. Dort wurde mir auch immer recht viel erklärt. Die Notaufnahme war da schon wesentlich spannender. Hier wurde einem mehr zugetraut und man durfte mehr machen. Aber vor allem wurden hier auch mal mit mir die Patienten besprochen. Zum Untersuchen lernen war die Station sicher nicht verkehrt, jedoch hat es einem fachlich nicht viel gebracht. Leider.

Ansonsten war das Haus super: Kostenfreie Unterkunft und Verpflegung für die PJler, nette Mitarbeiter und ein toller Zusammenhalt zwischen den PJlern. Das lag vor allem auch daran, dass die PJler immer zusammen gegessen haben. Über die Umgebung habe ich ja schon ein paar Wörter verloren. Die „Stadt“ Schwarzach hat lediglich 3000 Einwohner. Aber das Wichtigste zum Leben hat man auch hier bekommen. Und da wir an den Wochenenden eh immer nur Ski gefahren sind, hat mir das persönlich nicht viel ausgemacht. St. Johann war die nächst größere Stadt. Hier gab es sogar ein Kino und auch Klamottenläden.

Unterm Strich war ich schon zufrieden mit meinem Tertial. Jedoch sollte man sich auch darüber im Klaren sein, was einen – sofern man sich für Österreich entscheidet – dort erwartet. Im Nachhinein hätte ich hier lieber Chirurgie gemacht und nicht Innere – aber mei, des passt scho’!

Euer Till

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