Eigenverantwortung übernehmen – Famulatur in der Notaufnahme

„In 10 Minuten bekommen wir eine Hüftluxation, wenn du willst kannst du mithelfen“. So oder so ähnlich stellst du dir wahrscheinlich eine Famulatur in der Notaufnahme vor – immer spannend und mit einem hohen Adrenalinspiegel. Da die meisten schwerer verletzten Patienten allerdings in größere Kliniken und Unikliniken gebracht werden, habe ich diesen Satz erst einmal während meines Praktikums gehört. Ich mache zurzeit nämlich eine Famulatur in der Notaufnahme eines kleineren Krankenhauses.

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Photo courtesy of Elsevier / Colourbox

Aufgaben während meiner Famulatur

Zu meinen Aufgaben gehören dabei vor allem die Versorgung von Schnittwunden, das Anlegen von Verbänden und Schienen und die Überprüfung des Heilungsprozesses bei Patienten, die vor Kurzem bei uns versorgt worden sind. Dazu gehört das Ziehen von Klammern beziehungsweise Fäden, Wundkontrollen und erneute Röntgenkontrollen nach Frakturen. Natürlich alles nach vorangegangener Einweisung durch fachkundiges Personal und Rücksprache mit den behandelnden Ärzten. Einige Patienten kommen aufgrund ihrer Verletzung mehrmals wöchentlich bei uns vorbei. Wenn ich sehe, dass es ihnen zunehmend besser geht freue ich mich ganz besonders.

Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe liegt auch in der genauen Dokumentation der Behandlung. Gemeint sind dabei eine ausführliche Anamnese zu aktuellen Beschwerden, Untersuchungsbefunde, eine geplante Therapie und weiteres Procedere, wie eine Überweisung in eine Spezialklinik. Außerdem müssen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, Atteste und Rezepte für Medikamente oder Krankengymnastik ausgestellt und Termine zur Wiedervorstellung vereinbart werden. Wenn du Zeit hast, kannst du auch mit dem Verfassen eines Arztbriefs oder Durchgangsberichtes beginnen. Abgesegnet werden diese Maßnahmen dann durch einen „richtigen“ Arzt.

Vorteil einer kleineren Klinik

Der Vorteil einer kleineren Klinik liegt meiner Meinung nach in der Betreuung der Praktikant*innen. Sobald ich mir mit einem Patienten in Sachen Diagnose oder Behandlung unsicher bin, kann ich einen erfahrenen Arzt hinzuziehen. Du kannst also eigenverantwortlich handeln, hast aber immer die Sicherheit nicht allein agieren zu müssen. Das nimmt dir gerade am Anfang den Druck weg, denn deine Vorgesetzten wissen, dass du noch kein vollständig ausgebildeter Mediziner bist und so viel wie möglich dazu lernen möchtest. Immerhin ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Uns Famulant*innen bleibt auch immer wieder Zeit, gemeinsam MRT- und Röntgenbefunde mit den Fachärzten zu interpretieren, in Büchern spezielle Operationstechniken nachzulesen oder einen Kaffee zu trinken. An ruhigeren Tagen dürfen wir zudem einen Einblick in die Verwaltung gewinnen oder bei kleineren ambulanten Eingriffen zusehen. Das Arbeitsklima ist bei uns sehr gut. Wir sprechen uns im Hinblick auf die Arbeitszeiten ab und feiern gemeinsam Geburtstage. Medizinische Fachangestellte, Ärzte und Praktikanten arbeiten Hand in Hand und kennen die Gepflogenheiten des jeweils anderen. Du kannst dich auf die Aussagen der anderen verlassen.

Wie sich später herausstellte, war die Hüfte der Patientin tatsächlich luxiert. Dennoch trat bei uns keine Hektik auf und innerhalb kürzester Zeit konnten unsere Fachärzte und Anästhesisten diese reponieren und die Patientin auf Station verlegen. Ich persönlich würde jederzeit wieder eine Famulatur in diesem Krankenhaus machen.

Fazit

Du siehst zwar wahrscheinlich nicht so viele lebensbedrohliche Fälle, wie in der Notaufnahme einer Uniklinik. Dennoch ist die Arbeit sehr abwechslungsreich und du kannst täglich ohne Stress daran arbeiten, deine Fähigkeiten als Arzt zu verbessern.

Eure Gina-Maria


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