Meine Famulatur-Erfahrungen in der Kardiologie

Ich wollte nie in einem Krankenhaus arbeiten. Ich wollte nie in der Inneren Medizin tätig sein. Und dann beschloss ich, eine Famulatur in der Kardiologie zu absolvieren. Welche Erfahrungen ich während meiner Famulatur in der Kardiologie gesammelt habe, beschreibe ich euch im folgenden Artikel.

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Photo from Colourbox

Warum habe ich mich für diese Famulatur entschieden?

Mein Traum war es schon immer Kinderärztin zu werden. Dennoch war ich mir sicher, dass es besser wäre, die erste Famulatur auf einer Station in der Inneren zu absolvieren, um zunächst bei Erwachsenen einfache Tätigkeiten, wie Anamnese, Blut abnehmen und Flexülen legen üben zu können. Außerdem wollte ich die Chance nutzen, ein anderes Krankenhaus als das mir bekannte Uniklinikum kennenzulernen. Auf der durch die Uni angebotenen Kontaktmesse stach eine Klinik deutlich heraus: es gibt eine kostenlose Unterkunft (1-Zimmer-Appartment mit eigenem Bad und Kühlschrank), kostenloses Mittagessen und ein kleinen Lohn in Höhe von 250 €. So fiel mir die Entscheidung recht leicht, in die Kardiologie in einem kleineren Krankenhaus, aber mit spezialisiertem Herzzentrum, zu gehen.

Der erste Tag

Am ersten Tag war ich sehr nervös, wie vermutlich jeder, der irgendwo neu anfängt und noch niemanden kennt. Gleichzeitig war ich voller Vorfreude darauf, was mich wohl erwarten würde.

Alle Praktikanten bekamen in der Personalabteilung einen Laufzettel und Namensschild. Danach folgten diverse Belehrungen (Hygiene, Arbeitsschutz, usw.). Wir wurden durch das Krankenhaus geführt, bekamen einen Spind und Transponder sowie Wäsche für die ersten Tage. Im Sekretariat wurde ich von einem Arzt abgeholt, der mich gleich am ersten Tag bei der Pflege vorstellte und mir eine Assistenzärztin zuwies. Es war ein sehr herzlicher Einstieg, bei dem jegliches mulmiges Gefühl sofort verschwand.

Zum Tagesablauf und den Aufgaben

Ich war zuerst zwei Wochen auf der H1 (Kardiologie), dann zwei Wochen auf der H2 (Rhythmologie) eingeteilt und sollte so einen möglichst breit gefächerten Eindruck bekommen.

Während ich auf der H2 vor allem die elektrophysiologischen Erkrankungen wie Vorhofflimmern und Tachykardien unbekannten Ursprungs kennenlernen konnte, bot sich mir auf der H1 das typische Spektrum kardiologischer Krankheitsbilder wie Herzinsuffizienzen, KHK, Endokarditiden oder Klappeninsuffizienzen/-stenosen. Durch die immer wiederkehrenden gleichen Erkrankungen konnte ich viele Abläufe schnell nachvollziehen und Befunde interpretieren, auch ohne zuvor den entsprechenden Kardioblock in der Uni gehört zu haben.

Dienstbeginn

Mein Dienst begann in der Regel um 7:00 Uhr mit den Blutentnahmen. Während ich am ersten Tag noch zuschauen durfte und mir dann weitere drei Tage selbst über die Schulter geschaut wurde, war ich ab der zweiten Woche auf beiden Stationen auf mich allein gestellt. Ich merkte, wie es von Tag zu Tag besser wurde, war motiviert zu üben, da auch die Schwestern nie genervt waren, wenn es mal nicht funktionieren wollte. In der Regel schaffte man alle Blutentnahmen pünktlich bis zur Frühbesprechung um 7:45 Uhr. Dort versammelten sich die Ärzte der Kardiologie (H1 + H2, was sehr viele waren!) und besprachen interessante Fälle bzw. das weitere Vorgehen des Tages. Bei jeglichen Fällen legte der Chefarzt viel Wert darauf, dass uns Famulanten und PJ-lern spannende Befunde nochmal explizit erklärt wurden.

Vormittag

Auf der H1 fand am Vormittag die Visite anhand der Laborbefunde und Untersuchungsergebnisse meist vor und in den Zimmern statt. Es wurden dabei Medikamente angepasst und Untersuchungen angemeldet. Während oder nach der Visite kam meist noch ein Oberarzt vorbei, mit dem das weitere Vorgehen der Patienten besprochen wurde. Dabei wurden mir anfangs häufig Fragen gestellt, später vieles nebenbei erklärt.

Auf der H2 gab es stattdessen häufig nur eine Visite am Monitor, da dort alle Patienten Langzeit-EKGs tragen. Daher war ich in diesen zwei Wochen häufig am Vormittag in der Aufnahme. Dort konnte ich täglich viele EKGs auswerten und Patienten eigenständig untersuchen.

Mittagspause

Eine offizielle Frühstückspause gab es nicht. Die Mittagspause dagegen fand täglich statt. Ich konnte mit den Assistenzärzten von der Station zwischen 13 und 14 Uhr zum Mittagessen gehen, welches für Famulanten kostenlos ist.

Nachmittag

Am Nachmittag wurden die Aufnahmen auf Station durchgeführt, Blutkulturen abgenommen und Patienten aufgeklärt sowie entlassen. Wenn ich Glück hatte, durfte ich Fäden ziehen, EKGs schreiben, bei Sonografien zusehen oder bei anderen kleinen Dingen (Druckverbände, Bluttransfusionen) assistieren.

Dienstende

Um 15 Uhr war noch eine Besprechung aller Ärzte der Kardiologie (inkl. Chirurgen). Einmal pro Woche gab es für alle eine Fortbildung und es fand in der Regel auch einmal in der Woche eine M&M-Konferenz statt. Dienstende war offiziell 15:45 Uhr. Wenn nur noch Briefe diktiert wurden, durfte ich manchmal auch eher gehen. Dafür kam es auch öfter vor, dass es mal später wurde, da am Nachmittag viele kleine Aufgaben erledigt wurden.

Unterschiede zu einer Uniklinik

Ich wurde von Anfang an herzlich im Team aufgenommen und war nicht schon wieder eine weitere Famulantin. Dadurch, dass es ein eher kleines Haus mit nur zwei kardiologischen Stationen ist, kannte ich nach einer kurzen Zeit wirklich jeden. Somit war jeder Arzt bereit, mir zwischendurch schnell kleine Dinge zu erklären oder sich Zeit zu nehmen, um mit mir z.B. ein MSCT durchzusprechen.

Außerdem war immer Zeit, in die Funktionsabteilungen zu gehen. So konnte ich mir von Schluck-Echos über Schrittmacherabfragen bis hin zu HKUs und TAVIs alles ansehen. Dabei waren alle Ärzte stets aufgeschlossen und bemüht, mir ausführlich zu erklären, was und warum sie das gerade tun.

Wieviel jeder aus seiner Famulatur mitnimmt, hängt am Ende von einem selbst ab. Durch das Stellen vieler Fragen, konnte ich mein Interesse zeigen. Mir wurde tagtäglich immer mehr Vertrauen entgegengebracht, sodass ich schnell das ein oder andere selbst durchführen durfte.

Kurz und knapp

Pro

  • Mix aus interventioneller und konventioneller Therapie
  • Viele Blutentnahmen zum Üben
  • Kleines Krankenhaus mit gutem Kontakt zur Pflege und Ärzteschaft sowie anderen Famulanten
  • Vergütung, bezahltes Mittagessen und Unterkunft (+ Nutzung von Schwimmbad und Fitnessraum)

Kontra

  • Kleiner Ort, an dem am Abend nach der Arbeit nicht viel los war

Fazit

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner ersten Famulatur. Ich konnte die für mich wichtigen Grundarbeitsschritte wie Blut abnehmen, Flexülen legen, Patienten aufnehmen sowie auskultieren üben. Und hatte darüber hinaus die Möglichkeit, vielen verschiedenen Ärzten bei Patientengesprächen, Aufklärungen und Untersuchungen zuzuschauen.

An meinem letzten Tag bin ich mit einem weinenden Auge, aber einem lächelnden Herzen gegangen. Ich war traurig, mich von einem so großartigen Team verabschieden zu müssen, was mir zeigte, dass es doch schön sein kann, in einem Krankenhaus zu arbeiten. Ich entdeckte meine Freude an der Kardiologie und überdachte meine ursprünglichen Pläne – vielleicht doch Kinderkardiologie?

Eure Kristin

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