Facharztcheck: Hausarzt

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Woran denkt ihr, wenn ihr euch über den Beruf als Hausarzt Gedanken macht? Denkt ihr an Husten-Schnupfen-Heiserkeit, an Frau Müller die immer wenn sie zu euch in die Praxis kommt über ihren von vor Jahrzehnten verstorbenen Hund erzählt, oder denkt ihr an die vielen Schüler, die sich die abstrusesten Beschwerden ausdenken nur um ein Attest für die Schule zu bekommen?

Der Hausarzt ist ein sehr umfassender Facharzt und auch wenn ihr jetzt vielleicht bei dem ein oder anderen aufgezählten Gedanken schmunzeln musstet, an jedem der drei ist auch etwas Wahres dran.

Als Allgemeinmediziner ist man für den Patienten meist der erste Ansprechpartner im Bereich der Krankenversorgung. Wenn uns schon seit Tagen Bauchschmerzen plagen, unser Herz schmerzt oder wir eine Überweisung brauchen, gehen wir zum Hausarzt. Für den Hausarzt selbst bedeutet das, dass man sich mit Problemen aus sämtlichen Fachbereichen der Medizin beschäftigen kann. Aus meiner Sicht klingt das super interessant, weil ich zu denjenigen Medizinstudenten gehöre, die später ein wirklich abwechslungsreiches Berufsleben führen möchten. Natürlich hat der Hausarzt kurz nach der Karnevalszeit sehr viel mit grippalen Infekten zu tun, aber der Chirurg operiert auch tagtäglich Leisten und führt Appendektomien durch. Somit hat man bei jedem Facharzt mit einigen Krankheiten besonders häufig zu tun, was aber auch gut so ist, denn nur wenn man sich besonders gut mit einigen Krankheiten auskennt, kann man dem Patienten auch am besten helfen. Das Besondere beim Hausarzt ist jedoch, dass diese häufig vorkommenden Krankheiten aus ganz verschiedenen Bereichen vorkommen können und man sich nicht wie der Pulmologe tagein tagaus nur mit Pathologien an der Lunge beschäftigen muss.

Ein weiterer besonderer Punkt an der Arbeit als Hausarzt ist, dass man die Patienten über einen langen Zeitraum begleitet. Das hat viele Vorteile, zum Beispiel weil der Patient euch viel mehr Dinge erzählt als er einem Facharzt im Krankenhaus erzählen würde, der sowieso nur max. 10 Min für eine Anamnese einplant. Außerdem gewinnen die Patienten Vertrauen zu dem Hausarzt, der sie schon über Jahre betreut. Dadurch entwickelt man ein sehr viel entspannteres Arzt-Patienten-Verhältnis, es werden Witze gemacht, man bekommt oft kleine Geschenke zu Weihnachten geschenkt und man wird über die aktuellsten Infos aus dem Dorf informiert. Der für mich wichtigste Punkt, der aus einer langjährigen Betreuung eines Patienten einhergeht, ist jedoch die Dankbarkeit die man vom Patienten geschenkt bekommt. Bei keinem anderen Facharzt fällt es den Patienten so leicht „Danke“ zu sagen und ihre Dankbarkeit zu zeigen wie bei ihrem Hausarzt den sie schon lange kennen. Wieso ist das so? Im Krankenhaus gibt es so viele unterschiedliche fremde Menschen mit denen der Patient in Kontakt kommt, so dass er sich meist nur merkt in welchem Krankenhaus ihm geholfen wurde und wer dort der Chefarzt war. Es sind einfach zu viele Eindrücke die auf ihn einwirken, dass leider nur die beiden Dinge behalten werden und er am Ende froh ist, wenn er wieder zu Hause in bekannter Umgebung sein kann.

Nun aber einmal konkret zur Arbeit des Hausarztes: Ich habe ja schon gesagt, dass sich der Hausarzt mit vielen verschiedenen Dingen beschäftigt. Im genaueren arbeitet der Hausarzt viel mit einem Sonogerät und kann damit schon immens viele Krankheiten diagnostizieren ohne dem Patienten Schmerzen zugeführt oder Strahlung ausgesetzt zu haben. Darüber hinaus werden beim Hausarzt viele Lungenfunktionsprüfungen gemacht die bis hin zum Einsatz von modernster Technik wie zum Beispiel einer Spiroergometrie gehen. Damit beweist man, dass der Hausarzt sich nicht nur mit Lappalien wie Husten-Schnupfen-Heiserkeit beschäftigt, sondern auch auf dem höchstem Niveau der Sportmedizin und Leistungsdiagnostik arbeiten kann. Des Weiteren findet man in jeder Hausarztpraxis ein Labor, um Blutabnahmen, Impfungen, die Anlage neuer Wundverbände und Nahtmaterialentfernungen durchführen zu können. Zu guter Letzt gibt es noch ein weiteres großes Gerät, was in keiner Hausarztpraxis fehlen darf und das ist das EKG-Gerät.

Mit dieser Aufzählung an unterschiedlichen Geräten hoffe ich euch gezeigt haben zu können, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten der Hausarzt hat, Diagnostik zu betreiben. Die unterschiedlichen Geräte müssen natürlich auch bedient werden können und das lernt man spätestens während der Facharztausbildung. Hier ist die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner wieder besonders im Vergleich zu anderen, da man nicht 6 Jahre in nur einem Fachbereich arbeitet. Man wechselt zwischen Fächern wie der Inneren und der Orthopädie und gewinnt somit einen großen Einblick in viele Fachbereiche. Für diejenigen die sich einfach nicht für einen Fachbereich entscheiden können wäre dies also genau das richtige. Außerdem kann man sich, wenn man im PJ ein Tertial Allgemeinmedizin gemacht hat, auch schon dies zur Facharztzeit anrechnen lassen, die im übrigen auch nur 5 Jahre dauert. Ihr könnt auf diese Art und Weise nach noch nicht einmal 5 Jahren euer eigener Chef werden und somit den noch immer strengen Hierarchien im Krankenhaus entfliehen.

Viele die sich gegen die Allgemeinmedizin entscheiden sagen, dass man als Allgemeinmediziner immer an den jeweiligen Spezialisten überweisen muss, wenn es gerade anfängt spannend zu werden. In gewisser Weise ist dies auch richtig so, aber man sieht als Hausarzt ein viel größeres Spektrum an unterschiedlichen Krankheiten als jeder andere Arzt und die Kunst des Hausarztes ist es, die Patienten im richtigen Moment an den richtigen Facharzt zu überweisen. Das ist schwieriger als man sich das meist vorstellt!

Ich hoffe ich konnte euch mit diesem Bericht die Allgemeinmedizin etwas näher bringen und euch auch zeigen, dass es ein unglaublich interessantes Fach ist. Deutschland leidet unter einem enormen Hausärztemangel und ihr werdet mit offenen Armen empfangen, wenn ihr euch für diesen Facharzt entscheidet. In manchen Gebieten werdet ihr sogar finanziell bei der Praxiseröffnung unterstützt und falls ihr nicht alleine in einer Praxis arbeiten möchtet, gibt es im Bereich der Allgemeinmedizin natürlich auch die Möglichkeit eine Gemeinschaftspraxis zu führen.

Also versauert nicht im Krankenhaus, sondern helft mit die Zahl der Hausärzte in Deutschland wieder ansteigen zu lassen!

Eure Sabrina

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