Anästhesie-Famulatur in St. Johann in Tirol- Österreich

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Als es an die Famulaturphase ging, dachte ich mir: warum in München, das kann ich doch auch etwas Neuem verknüpfen ? Gesagt – getan? Nicht ganz. Jeglicher klinischer Aufenthalt, sobald er nicht an der eigenen Uni ist, ist mit Zusatzaufwand verbunden.

Dennoch kann ich nur sagen: es lohnt sich!

Zunächst sollte man sich jedoch überlegen in welchem Fachbereich man seine Famulatur machen möchte. Da diese Famulatur meine Erste sein sollte, entschied ich mich für Anästhesie. Ich hatte von mehreren höheren Semestern gehört, dass das ein guter Einstieg sei. Nachdem diese Entscheidung getroffen war, überlegte ich mir wohin ich mich bewerben könnte. Ich wollte etwas “Urlaub” dabei haben und wollte mir für eine erste Famulatur nicht zu viel “Neues” aufbürden und der erste längere klinische Aufenthalt sollte meiner Meinung nach doch in meiner Muttersprache sein. Daher kamen Österreich und die Schweiz in Frage. Ich suchte einige Krankenhäuser heraus, hier achtete ich auch etwas auf die möglicherweise bezahlte Unterkunft oder Bezahlung. Die Schweiz war zumindest damals da recht hoch im Rennen. In der Schweiz hatte ich dann auch bald ganz gute Plätze zur Auswahl. Aber scheinbar ist man dort gleich “Unterassistent”, die gleiche Position, die man auch als PJ-ler einnehmen würde. Die Bezahlung wäre toll gewesen, aber ich gebe zu, ich habe Muffensausen bekommen. Und dann kam ich irgendwie (fragt mich bitte wirklich nicht wie!) auf St. Johann in Tirol. Ich war da vor Jahren mal mit meinen Eltern zum Skifahren gewesen, allerdings wusst ich eigentlich nicht mal ob es da so etwas wie ein Krankenhaus geben würde. Aber dank Google ist das ja heutzutage kein Problem mehr und siehe da: Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol – und wie nett das aussah!

Dort habe ich mich dann auch gleich beworben. Für Anästhesie habe ich auch kurzfristig problemlos einen Platz bekommen. Bekannt ist diese Klinik jedoch für Orthopädie/Unfallchirurgie, im speziellen für Knieendoprothethik. Mit Anästhesie hatte ich aber auch das Glück, dass ich dadurch oft auch bei diesen Knie-OPs dabei sein konnte – also absolut eine Empfehlung! Ich bin dann schon etwa einen Monat später angereist und los ging es. Normalerweise gibt es für Famulanten eine günstige Möglichkeit in einem der Schwesternwohnheime am Krankenhaus unterzukommen. Ich hatte das Pech, dass genau diese Wohnheime damals im Umbau waren. Ich habe dann aber eine Pension angeschrieben, die schon öfter Kurzzeitarbeiter dieses Krankenhauses aufgenommen hatte und habe für 300 Euro eine wunderschöne Dachwohnung für den kompletten Monat bekommen, inclusive Dauerkarte für ein Frei- und für ein Hallenbad. Die Arbeit an sich war interessant. Meistens ging es morgens um 6.30 Uhr los und dann rotierte ich von OP zu OP durch und durfte mir aussuchen, welche OP ich begleiten wollte. Gegen 14 Uhr war dann meistens Dienstschluss, sie waren sehr sehr nett und meinten, ich solle auch die schöne Gegend genießen. Ich habe insgesamt viele tolle Erfahrungen dort gesammelt und auch einiges gelernt.

Dennoch muss ich leider auch sagen: ich weiß seitdem, dass Anästhesie nicht mein Fach ist. Das ist jetzt eine rein persönliche Meinung, aber mir wäre es schlichtweg zu langweilig. Die guten Seiten sind sicher, dass man viele verschiedenen Bereiche sieht und trotzdem einen enormen Stellenwert hat. Ohne den Anästhesist geht schließlich echt nichts, er ist auch immer im Notfallteam dabei, dennoch ist er eben oft auch derjenige, der dann während einer 4-5 stündigen OP dasitzen muss und eigentlich nichts Anderes mehr zu tun hat. Vermutlich auch der Grund, warum so viele Anästhesisten noch eine Zusatzausbildung für Notfallmedizin machen.

Im Großen und Ganzen war es dennoch eine ganz tolle Famulatur, die ich von Herzen weiterempfehlen kann!

Eure Carina

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