Die Suche nach der richtigen Doktorarbeit

Der Doktortitel ist nach wie vor das Markenzeichen des Arztes. Von vielen Patienten wird man bereits während des PJs mit Herr oder Frau Doktor angesprochen. Dennoch sollte man sich bewusst machen, dass viele Studierende der Medizin diesen doch häufig schweren Weg nicht mehr einschlagen, sodass man auch immer häufiger Ärzte ohne akademischen Grad auch in höheren Positionen bis hin zu Chefarztstellen finden kann. Die Entscheidung, eine Doktorarbeit durchzuführen, sollte daher nicht nur den Titel als solchen zum Ziel haben, sondern auch aus intrinsischem Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten erfolgen.

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Statistisch retrospektive vs. prospektive Analyse

Wenn man sich nun dafür entschieden hat, eine Doktorarbeit schreiben zu wollen, sollte man sich zunächst einmal überlegen, was für eine Art von wissenschaftlicher Arbeit man durchführen möchte. Hier gibt es einerseits rein statistische retrospektive Analysen. Der Vorteil hierbei liegt ganz klar auf der Hand: die Daten liegen bereits vor oder können rasch aus vorliegenden Daten extrahiert werden und müssen somit „nur noch“ ausgewertet werden. Man sollte sich hierbei jedoch darüber im Klaren sein, dass dies häufig sehr theoretisch und statistisch geprägt ist, sodass eine solche Arbeit nicht zwingend einfacher ist und häufig auch nicht kürzer dauert, als eine andere Art der Doktorarbeit. In der Regel ist für die Auswertung erforderlich, sich intensiv mit SPSS und Excel zu beschäftigen. Manchmal müssen für die Auswertung der Daten auch Statistiker hinzugezogen werden.

Andererseits gibt auch die Möglichkeit, eigene Daten prospektiv entweder klinisch an Patienten oder experimentell im Labor zu erheben. Dies sind meist von Vorneherein längerfristig angelegte Projekte. Wichtig zu beachten bei den experimentellen Doktorarbeiten ist, dass diese manchmal auch das Durchführen von Tierversuchen beinhalten und man sich vorher natürlich genau überlegen sollte, ob man dies möchte oder nicht. Bei den klinischen Doktorarbeiten muss man sich darüber bewusst sein, dass der erfolgreiche Abschluss auch von der Compliance der Patienten abhängig ist; so kommt es häufig vor, dass die Rekrutierungszeit länger ist, als geplant oder bereits eingeschlossene Patienten abspringen.

Doktorarbeit in einem passenden Fachbereich anstreben

Mindestens ebenso wichtig ist die sorgfältige Auswahl des Institutes beziehungsweise der Klinik, an der man die Arbeit durchführen möchte. Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Kollegen aus diesem Fachbereich wird das eigene Interesse an diesem Fachbereich häufig geprägt, sodass dies auch Einfluss auf den weiteren klinischen Weg haben kann. Daher sollte man eine Doktorarbeit in dem Bereich anstreben, den man inhaltlich auch spannend findet, unabhängig von der Form der Arbeit.

Bewerbung auf eine Doktorarbeit

Manchmal findet man durch Zufall eine Ausschreibung einer geeigneten Doktorarbeit. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte man sich dennoch auf mögliche Doktorarbeiten im gewünschten Bereich auf Eigeninitiative bewerben. Sehr von Vorteil ist es hierbei, wenn man bereits konkrete Vorstellungen bezüglich eines Themas mitbringt. Bewerben kann man sich häufig über einen Kontaktformular im Internet. Es empfiehlt sich jedoch, direkt einen persönlichen Gesprächstermin beim potentiellen Gesprächstermin beim Doktorvater zu vereinbaren, um sich persönlich vorzustellen. In einem solchen persönlichen Gespräch sollten beide Parteien offen ihre Vorstellungen sprechen bezüglich Umfang, Dauer und Durchführung der Arbeit. Hierdurch werden Missverständnisse vor Beginn der Arbeit ausgeräumt: Wenn du als Student*in deine Doktorarbeit in wenigen Monaten fertigstellen möchtest, dein/ Betreuer*in jedoch einen studentischen Begleiter für seine dreijährige Studie sucht, wäre ein Konflikt vorprogrammiert. Generell kann es immer hilfreich sein, sich einmal bei Kommilitonen umzuhören, welche Erfahrungen sie bei ihren Doktorarbeiten in den jeweiligen Kliniken gemacht haben.

Fazit


Insgesamt gibt es bei der Suche einer geeigneten Doktorarbeit also einiges zu beachten, sie stellt aber auch den Beginn einer meist interessanten eigenen wissenschaftlichen Arbeit dar, die keinesfalls beschränkt ist auf Labor- oder Computerarbeit, sondern häufig auch Möglichkeiten bietet, um „über den Tellerrand“ zu blicken.

Nachdem du dich nun auf die Art der Arbeit und den klinischen Fachbereich festgelegt und mit deiner/deinem Betreuer*in oder Doktorvater alle Formalitäten geklärt hast, kann es nun endlich losgehen. Während der Datenerhebung und Auswertung solltest du sehr regelmäßigen Kontakt zu deiner/deinem Betreuer*in suchen. Dies dient einerseits dazu, Fragen oder Probleme während der Arbeit rasch zu klären, soll jedoch auch deiner/deinem Betreuer*in zeigen, dass du kontinuierlich und engagiert bei der Sache bist. Möglicherweise ist auch ein fester Termin alle ein bis zwei Wochen für ein Treffen sinnvoll.

Eure Anna


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