Hammerexamen – wie man es besser nicht machen sollte

Hammerexamen.jpg

Ja, das Hammerexamen, was kann ich sagen? Man hört verschiedene Dinge, die einen schätzen es als den puren Wahnsinn ein, die anderen sagen „Viel besser als Physikum“. Ich bin ehrlich gesagt mehr oder weniger reingeschlittert. Mit besten Vorsätzen rangegangen und dann hinten und vorne keine Zeit dafür gehabt. Die gute Nachricht: ich habe es dennoch geschafft! Aber ein Musterbeispiel bin ich sicher nicht und wenn, dann eher dafür, wie man es NICHT machen sollte.

Zur Erklärung: Ich hatte schon länger einen Forschungsaufenthalt in den USA geplant und wollte das Ganze eigentlich im 10. Semester machen – scheinfrei war ich (dank flexiblem Stundenplansystem an der TUM und etwas Power) schon ab dem 8. Semester. Ich hatte schon das Labor und alles vereinbart und wollte bis dahin einfach an meiner Doktorarbeit in der Anatomie (auch experimentell) weiterarbeiten, am Paper feilen etc. Dann kam plötzlich die Änderung – schriftliches Examen VOR dem PJ und es war klar: ich war im 1. Jahrgang, den es verpflichtend treffen sollte.

Kurzerhand fragte ich meinen Chef in den USA, ob ich auch ein halbes Jahr später kommen könnte, um erst das Examen zu machen. Ja, und dann kam leider alles auf einmal. Ich war ab Ende August in Dauerrevision mit zwei Papern, dazu kam unschöner privater Kram (wie das halt mal so ist) und den Flug in die USA hatte ich auch ziemlich direkt nach dem Examen gelegt, ohne daran zu denken, dass man vielleicht Dinge wie Visum, Pass, Wohnung vor Ort, Vertrag etc. organisieren müsste. Alles Dinge, die unglaublich viel Zeit kosten!!

Naja, kurzum – angefangen hab ich etwa 40 Tage vor dem Examen, davor habe ich etwas müde rumgekreuzt in mediscript und online, ab und an in ein Buch geschaut, aber mehr als zehn Minuten am Tag waren es sicher nicht. Als ich dann merkte, jetzt brennt es, habe ich spontan beschlossen: entweder ich ändere etwas oder ich lasse es ganz. Ich habe mich für Ersteres entschieden.

Auf Anraten einer Freundin habe ich mir eine weitere Kreuzelsoftware besorgt (auch einfach um den „Neubeginn“ zu markieren) und habe losgelegt. Gelernt habe ich eigentlich nur am PC im Labor (netterweise im Zimmer einer Kollegin, so konnte ich die Inkubationszeiten für meine Revisionsversuche einhalten) und im Fitnessstudio auf dem Laufband (sie hatten Fernseher an den Laufbändern mit Internetzugang – hier war die tägliche Lernkartenlektüre dran!).

Und bis zum Tag vor dem Examen war ich noch in der Anatomie, auch weil ich einfach nicht allein daheim mit all dem sein konnte. Ich habe ja gemerkt, es war einfach deutlich zu eng und zu spät. Die drei Tage Examen waren – ungelogen und einfach nur ehrlich – furchtbar. Ich fand das beim Physikum auch, aber dieses Mal war es fast noch etwas schlimmer – einfach, weil man zweimal abends weiß, dass man morgens da nochmal rausfahren muss.

Ich war echt fertig, habe bis nachts müde rumgekreuzt und eigentlich hätte ich das einfach lassen sollen. Macht es nicht, es bringt gar nichts! Oder vielleicht macht es doch – wenn es euch beruhigt. Ich denke, sonst wäre ich noch unruhiger gewesen.

Ich hatte jedes Mal ein echt ungutes Gefühl und habe dann (trotz jeglichen guten Vorsatzes, NICHT abends schon nachzuschauen) meine Lösungen eingegeben und mir die „Vorhersage“ abgeholt. Am ersten Tag – echt nicht gut. Aber über 60%. Trotzdem, ich bin ein Sicherheitsmensch und gut getan hat mir das nicht, dieses Gefühl, dass es knapp ist. Aber am nächsten Tag und am übernächsten Tag war es dann besser, die Fragen waren auch insgesamt leichter, das sieht man auch in der Gesamtstatistik. Die meisten Studenten hatten vor allem mit dem ersten Tag zu kämpfen.

Naja, im Ganzen kann ich nur sagen – ich schreibe diesen Bericht um Mut zu machen. Ihr könnt es IMMER schaffen! Durchziehen ist die Devise und Durchhalten!

Trotzdem – der 100 Tage Lernplan ist eine gute Sache, nehmt ihn wörtlich, wenn es möglich ist! ?

Viel Erfolg!!

Share
Tweet
Share
Share