Der Weg als Ziel

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Warum ich mich mit 24 dazu entschied, Medizin zu studieren.

Mein Name ist Martin, ich bin 25 und seit vergangenem Oktober Medizinstudent in Wien. In meinem ersten Blogeintrag möchte ich Euch dazu ermutigen, Eure Ziele konsequent zu verfolgen und zeigen, dass es nie zu spät ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen!

Denn Anfangs sah es danach aus, als würde alles ganz anders kommen. Nachdem ich maturiert (= das Abitur abgelegt) und den Zivildienst als Rettungssanitäter abgeleistet hatte, brachte mich letzterer vom ursprünglichen Plan ab, Medizin zu studieren. Von überarbeiteten ÄrztInnen, entnervten PflegerInnen und unbelehrbaren PatientInnen frustriert verbrachte ich schließlich die übrige Zeit bis zum Herbst als Animateur in Griechenland. Ein grauenhafter Job, der es einem jedoch erlaubt, selbständig im Ausland zu leben.

Zurück in Österreich begann ich, meiner Neigung zu Sprachen und dem geschriebenen Wort entsprechend Kommunikationswirtschaft an einer Fachhochschule zu studieren. Der neue Plan folgte ungefähr der allgemeinen Empfehlung, wonach ein Wirtschaftsstudium jedenfalls dazu befähige, in sämtlichen Branchen beruflich erfolgreich zu sein, um eine Menge Geld zu verdienen.

Ich erinnere mich heute an ein Telefonat, dass ich keine vier Wochen nach Studienbeginn mit meiner Mutter geführt hatte. Voller Unbehagen klagte ich damals, dass ich mich zu diesem frühen Zeitpunkt ziemlich unwohl im meiner Haut als angehender Bachelor of Arts in Business, konkret für Marketing, Werbung, Public Relations und Betriebswirtschaft, fühlte. Die Mutter war besorgt, empfahl aufgrund mangelnder konkreter Alternativen jedoch, der begonnen Ausbildung noch eine Chance zu geben.

Es folgten drei Jahre, in denen ich jede Möglichkeit nutzte, der mir so unsympathischen Hochschule den Rücken zuzukehren. Auch aus Feigheit davor, als Abbrecher dazustehen, absolvierte ich lustlos Prüfung um Prüfung. Das Auslandssemester im schönen Kanada und ein Praktikum bei Adidas in Herzogenaurach waren die Höhepunkte im ansonsten tristen Studienalltag. Nach außen hin gab ich mich mitunter euphorisch, und war bemüht, entgegen meiner innersten Empfindung den eingeschlagenen Weg in alle Richtungen zu verteidigen. Doch die im Geheimen so dringend ersehnte Besserung blieb aus.

Frustriert von ersten Arbeitserfahrungen im Marketing und der über allem schwebenden Frage nach dem Sinn schwor ich mir nach bestandener Bachelorprüfung, dass ab nun alles anders werden würde. Ich nahm einen Job als Redakteur bei einem Sportmagazin an und widmete mich einem Thema, das mir ansonsten, in meiner Freizeitimmer Freude bereitet hatte. Ich begann ein wirtschaftliches Masterstudium und fühlte ich mich dennoch nicht ausgelastet. Ich verdiente mein eigenes Geld, war beruflich an Orten unterwegs, wo andere gerne Urlaub machen wollten und schien im Job Fuß zu fassen. Trotzdem gelang es mir nicht, Freude zu empfinden.

Zu diesem Zeitpunkt erkannte ich, dass ich erst dann zufrieden sein würde, wenn ich lernen konnte, was mich wirklich faszinierte, und ich mit meiner Arbeit Gutes bewirken konnte. Ich wollte weniger den Umsatz einer Unternehmung steigern, als vielmehr Andere dabei unterstützen, zufrieden und gesund zu sein. Inhaltlich beschäftigte ich mich ohnehin hauptsächlich mit Themen, die von Gesundheit, Ernährung, dem menschlichen Körper und Naturwissenschaften handelten. Mir wurde klar: Ich wollte Medizin studieren, um selbst glücklich zu sein.

Mit einem neuen, konkreten Ziel vor Augen, das sich endlich richtig anfühlte, ging mir alles plötzlich einfacher von der Hand. Ich entwickelte mich zu einem positiveren Menschen. Still und heimlich bereitete ich mich auf den MedAT, den Aufnahmetest für Medizin in Österreich, vor. Um mich vor blamablen Auftritten zu schützen, sollte ich die Aufnahmekriterien nicht erfüllen, erzählte ich lediglich meiner Freundin von meinem Plan. Als ich dann das Ergebnis in Händen hielt, standen mir tatsächlich Tränen in den Augen: Ich war sowohl an der öffentlichen Medizinischen Universität Wien, als auch der privaten PMU in Salzburg aufgenommen worden.

Heute bereite ich mich auf die ersten großen Prüfungen vor und könnte glücklicher kaum sein. Ich empfinde vollstes Vertrauen in den eingeschlagenen Weg und kann mich mit dem, was ich nun lerne, zu 100 Prozent identifizieren. Ich bin mir sicher, dass nichts, was ich bisher erlebt hatte, vergebens war, und schätze vielleicht deswegen meinen Studienplatz besonders. Ich habe mir die Entscheidung, Medizin zu studieren, besonders sorgfältig überlegt, und dafür einen bequemen Weg verlassen. Mit vollem Erfolg – auch wenn ich erst am Beginn dieser Reise stehe.

Dennoch – oder gerade deswegen! – möchte ich alle, die Gegenwind verspüren, unbedingt dazu ermutigen: Folgt Euren Träumen! Es wird sich in jedem Fall lohnen.

Euer Martin

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