Wie überstehe ich die großen Fächer der Vorklinik

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Die Vorklinik ist an den verschiedenen Universitäten ja ziemlich unterschiedlich organisiert, die Fächer sind jedoch dieselben. Das gilt auch für die „großen“ Fächer der Vorklinik: Biochemie, Anatomie, Physiologie. Diese Fächer flößten mir zu Beginn des Studiums neben Physik auch am meisten Respekt ein. Da es eventuell einigen von euch auch so geht, möchte ich euch ein paar Tipps für diese Fächer geben.

Noch kurz zur Erklärung: In Homburg, wo ich studiere, ist es so organisiert, dass dem zweiten, dritten und vierten vorklinischen Semester jeweils eins der großen Fächer zugeordnet ist. Als erstes großes Fach kommt Biochemie, im zweiten Semester (begleitet von wöchentlichen, schriftlichen Testaten), im dritten Semester Anatomie und im vierten schließlich Physiologie (ebenfalls mit schriftlichen Testaten). Der Vorteil daran ist, dass man sich auf das jeweilige Fach mehr oder weniger konzentrieren kann.

Aber genug der Vorrede. Kommen wir zu den konkreten Tipps zu den jeweiligen Fächern.

Zuerst zu Biochemie: Das klingt wahrscheinlich insbesondere für diejenigen unter euch, die mit Chemie zu kämpfen haben, sehr bedrohlich. Ich kann euch aber beruhigen, es geht nicht mehr darum Oxidationszahlen zu bestimmen und Reaktionsgleichungen aufzustellen, sondern um Kreisläufe und Prozesse, die in unserem Körper stattfinden. Besonders wichtig für Biochemie: Am Ball bleiben! Also kontinuierlich ein bisschen dafür lernen, damit der Berg am Ende nicht ganz so groß ist und der Stoff nur noch wiederholt werden muss. Für die Kreisläufe wie Citratzyklus und Harnstoffzyklus habe ich mir damals kleine Kärtchen gebastelt, auf denen die Namen der Substrate (am besten mit Strukturformel) und die Namen der Enzyme standen, diese gemischt und versucht in der richtigen Reihenfolge wieder auszulegen, wie eine Art Biochemie-Memory. Man sollte sich beim Lernen auch Klarmachen, um was für ein Enzym und um welche Reaktion es sich handelt. Sprich, eine Decarboxylase sorgt dafür, dass eine Carboxylgruppe entfernt wird etc. Insbesondere als ich Biochemie noch mal für das Physikum gelernt habe, hat mir das geholfen.

Nun also zu Anatomie: Etliche Muskeln, Bänder, Organe, Nerven, welche es zu lernen gilt. Besonders gefürchtet sind die Anatomie-Testate. Jeweils zu einem festgelegten Bereich Rumpf, Extremitäten, Situs (Bauchorgane), Kopf-Hals findet eine kurze mündliche Prüfung statt, bei der man die Strukturen an der Leiche erkennen muss und in der Lage sein sollte, sie zu zeigen. Das Anatomie-Semester ist ein anstrengendes Semester, in dem ich teilweise an meine Grenzen gestoßen bin. Besonders wichtig für die Anatomie ist meines Erachtens Lerndisziplin, weil es so ein großer Stoffumfang ist. Für das Lernen der Muskeln empfiehlt es sich, an einem Skelett mit Bändern den Verlauf der Muskeln nachzustellen und die entsprechenden Bewegungen zu machen. Ich fand es auch hilfreich an der Leiche die Strukturen zu benennen und sich gegenseitig abzufragen. Obwohl es ein anstrengendes Semester war, war es auch ein interessantes Semester. Keine Panik, das schafft ihr schon!

Zuletzt noch zur Physiologie: Davor hatte ich am meisten Angst, weil ich mit Physik auf Kriegsfuß stehe und leider auch in Mathe nicht so eine Leuchte bin. Doch meine Sorge war unbegründet. Das Physio-Semester war meiner Meinung nach das Spannendste der Vorklinik. In Physiologie kommt alles zusammen und der Kreis schließt sich. Viele Sachen, die in Biochemie oder Anatomie unverständlich waren, ergaben plötzlich einen Sinn! Daher war Physiologie für mich das Fach der Aha-Momente. Die Rechnungen waren größtenteils auch machbar. In Physiologie finde ich es besonders wichtig, die Prozesse nicht nur auswendig zu lernen, sondern zu versuchen, sie zu verstehen. Da Physiologie aber auch ein sehr umfangreiches Fach ist, sollte man wie Biochemie kontinuierlich lernen, damit es vor der Klausur nicht zu stressig wird.

Fazit: 
Für alle großen Fächer der Vorklinik gilt: Nicht zu spät mit dem Lernen anfangen und Lerndisziplin! Aber alles in allem sind auch diese Fächer machbar und interessant!

Eure Ruth

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