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Von Nadeln, die einem auf die Psyche gehen

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Zweites Semester, zwischen Biochemie und Psychologie

Es ist Mittwoch und wie immer stellt sich bei meiner Biochemiepartnerin und mir die Frage, wer muss heute seine Finger opfern? Dazu muss Folgendes erwähnt werden: Im Fach der Biochemie machen wir sehr viele Versuche mit Eigenblut und dieses gewinnt man in der Regel mit speziellen Nadeln, die nur einmal verwendet werden. Nun sind meine Kommilitonin und ich allerdings nicht die talentiertesten „Stecher“ und so kann es schon einmal vorkommen, dass fast alle Finger einer Hand an einem Praktikumstag daran glauben müssen. Zum Glück machen aber die Versuche an sich sehr viel Spaß. Wir können nämlich unseren Cholesterinwert und die Blutglukose selbst experimentell und durch Rechnungen bestimmen und dann mit anderen Studenten vergleichen. Im Anschluss findet immer eine Nachbesprechung der Praktikumstage statt, in der noch einmal die klinische Relevanz unserer Ergebnisse hervorgehoben wird. Dabei werden die Themen der Kurse in Kleingruppen behandelt, wodurch wir uns in angenehmer Atmosphäre austauschen können. Zusätzlich findet einmal in der Woche ein Seminar statt, in dem jeweils vier bis fünf Studenten ein Referat zu einem Thema halten müssen und danach ein Feedback zu ihrem Vortrag bekommen. Die Idee an sich finde ich zwar ganz nett, aber sie ist auch mit einem größeren Zeitaufwand verbunden, zumal der Lernzielkatalog für dieses Fach extrem umfangreich ist.

Studenten aus höheren Semestern hatten uns geraten, möglichst früh mit dem Lernen für die Klausur anzufangen und das ist auch echt notwendig. Bis zur Prüfung habe ich mir mithilfe von Lehrbüchern und den Vorlesungen der Dozenten allein 420 Seiten einer PowerPoint-Präsentation zusammengeschrieben, die es zu lernen gilt. Da stellt sich manchmal schon die Frage, ob man bei 30°C im Schatten an den See fahren oder lieber den Glykogenstoffwechsel und seine Energiebilanz wiederholen sollte. Viele von meinen Mitstudenten haben sich meistens für Ersteres entschieden.

Und Biochemie ist ja nicht das einzige Themengebiet, auf das man sich bestmöglich vorbereiten sollte. Da wäre beispielsweise noch das Fach der medizinischen Psychologie und Soziologie. Zu Beginn des zweiten Semesters hatten wir wöchentlich einen Kurs, in dem wir uns anhand einer Geschichte, die eher einem Krimiroman ähnelte, verschiedene Definitionen von Gesundheit, Krankheit und statistische Merkmale erarbeiten mussten. Die Story war eigentlich ganz interessant, jedoch wussten meine Kommilitonen und ich oft nicht, wofür wir das später alles können müssen. Psychologie erscheint mir zwar durchaus wichtig für den Umgang mit Patienten, aber inwiefern es ihnen helfen wird, wenn ich ihnen die Definition des „Persönlichkeitsmerkmals“ erläutere, sei einmal dahingestellt. Vorlesungen gab es zu diesen Themengebieten auch und manche von ihnen waren zugegebenermaßen recht informativ. Ein paar Studenten sahen das aber anders und als ich von ihnen wissen wollte, wie sie die Vorträge fänden, fragten sie nur in welchem Hörsaal diese überhaupt stattfinden würden. Da sieht man einmal, wie unterschiedlich die Prioritäten zu diesem Zeitpunkt verteilt waren.

Der Lernaufwand hielt sich in diesem Fach im Vergleich zur Biochemie eher in Grenzen. Insgesamt habe ich für die Prüfung ungefähr 300 Definitionen mithilfe von Karteikarten auswendig gelernt. Es soll aber wohl auch gereicht haben, sich Kurzlehrbücher einfach mehrmals in der Woche vor der Prüfung durchzulesen.

Zusammenfassend kann ich über das zweite Semester des Medizinstudiums sagen, dass es durchaus recht abwechslungsreich war und der Unterricht in kleineren Gruppen war sehr entspannt. Das Lernpensum war hoch, aber mit etwas Disziplin zu bewältigen. Wichtig dabei war, sich nicht zu sehr an Details zu verlieren und immer die Bedeutung für den Umgang mit Patienten im Auge zu behalten. Dennoch stellten sich mir des Öfteren die Fragen: Warum muss ich das jetzt eigentlich alles auswendig lernen? Reicht es nicht, wenn ich mir bei Bedarf noch einmal die entsprechenden Artikel oder Bücher durchlese? Die gesuchte Antwort darauf lautet wohl: So ist nun mal das Studium aufgebaut, welches du dir selbst ausgesucht hast. Irgendwie bin ich also selber daran schuld.

Eure Gina-Maria

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