Histologie – Die Wissenschaft von Biologischem Gewebe

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Oder auch: Histologie – die Lehre von bunten Zellhäufchen, augenscheinlich undefinierbarem Geweben und lächelnden Smileys.

Dieser Beitrag handelt von dem Fach Histologie im Medizinstudium und davon wie Du es lieben lernen kannst, wenn du nicht schon von vorne herein ein Histologie-Liebhaber bist. Ich bin direkt ehrlich: Unweigerlich wirst Du einige Hochs aber auch mindestens genauso viele Tiefs mit den kleinen, angefärbten Zellen in deinem Mikroskop erleben, die sich dann doch manchmal ähnlicher sind, als der Dozent es vielleicht zugibt. Wichtig ist hierbei: Nicht den Überblick verlieren (gar nicht so einfach, wenn alles so monströs-groß aussieht) und stets alles dokumentieren: Denn das, was dir im Histokurs gezeigt wird (bei uns wurde das Präparat des Dozenten an eine große Wand geworfen), findet sich nicht immer genauso und vor allem nicht genauso schön dargestellt, im eigenen Präparat wieder. Das heißt für dich: nochmal genau die gleiche Stelle anschauen ist schwierig, beziehungsweise nicht immer möglich.

Hürde Nummer 1: DAS MIKROSKOP
„Bitte stellen Sie ihr Mikroskop vernünftig ein – und das Köhlern nicht vergessen! Das kennen Sie ja schon aus der Biologie!“. Äh. Ja. Wie genau stellt man das Ding jetzt noch mal „vernünftig“ ein? Ganz ehrlich: Ich wusste es zu Beginn des Histologie-Kurses aus meinem Biologiepraktikum auch nicht mehr; vielleicht, weil dazwischen das Anatomie-Semester lag mit maximal viel Input; wer weiß?! Hier direkt der erste Tipp: Mach dich mit deinem Mikroskop direkt zu Anfang vertraut! Ist es korrekt eingestellt und wurde hervorragend geköhlert (d.h. die Beleuchtung korrekt eingestellt), sparst du dir viel Ärger mit deinen Zellchen!

Hürde Nummer 2: DAS PRÄPARAT
Durchnummeriert, nicht am richtigen Platz im Präparate-Kasten, auf einem Objektträger mit Objektglas fixiert, gefühlt aus dem letzten Jahrhundert, und laut Professoren unendlich wertvoll. Darf ich vorstellen: Das Präparat. Nächster Tipp: Abgesehen davon, dass du es richtig herum auf deinen Objekttisch legst (Nummerierung nach oben), ist es gut zu wissen, wie es im Groben aussieht, damit du weißt, was du zu erwarten hast. Schau es dir also erst einmal ohne Vergrößerung an, um die grobe Struktur zu erahnen. Ein Überblick wird dir helfen, dich im riesig-groß-wirkenden Präparat, ist es erst einmal unterm Mikroskop, zurechtzufinden!

Hürde Nummer 3: DIE FÄRBUNGEN
Direkt hier der Tipp: Mach dir einen kleinen Spickzettel, mit den gängigsten Färbungen, und schreibe Dir auf, was sich wie anfärbt! Das erspart Dir nerviges Herumgeblättere im Ordner oder Buch. Grundsätzlich unterscheidet man basische (sprich kationische, positiv geladene) Farbstoffe, die an anionische Komponenten (negativ geladen) binden und umgekehrt. Du merkst also: Es ist wichtig, mit welcher Färbung das Präparat behandelt wurde, denn einmal ist es die DNA, die stark angefärbt wird, einmal das Kollagen und das auch noch in unterschiedlichen Farben. Dir das klar zu machen, ist die halbe Miete!

Hürde Nummer 4: DAS ZEICHNEN
Bei mir an der Uni war es so, dass die Präparate von uns gezeichnet und beschriftet werden sollten. Die Zeichnungen wurden stichprobenartig bei mündlichen Testaten überprüft. Hier ein nächster Tipp: Zeichne farbig, groß genug und beschrifte alle ganz genau, auch wenn du augenscheinlich gerade ganz genau weißt, welche Zelle du gezeichnet hast! Du freust Dich hinterher beim wiederholen, lernen und vorbereiten auf die Klausur sehr (!) über ordentliche Zeichnungen, zumindest ging es mir so!

Hürde Nummer 5: LERNE DIE ZELLEN ZU LIEBEN
Klingt kitschig. Ist es aber gar nicht. Die Histologie ist sehr faszinierend, weil sie Dir erlaubt, die Vorgänge in einem bestimmten Organ besser zu verstehen. Um sich wirklich darauf einlassen zu können, ist es notwendig, den Blick für das Große und Ganze nicht zu verlieren: Beispielsweise solltest Du Dich immer fragen: in welchem Gewebe sehe ich die Zelle gerade? Was ist die eigentliche Aufgabe des Organs? Und wie wird das auf Zellebene umgesetzt? Solche oder ähnliche Fragen haben mir sehr geholfen dabei, den Blick für das „Ganze“ nämlich letztendlich das Organ zu behalten. Ich verspreche dir: Wenn du den Zellen eine Chance gibst, dich zu faszinieren, schaffen sie es! Unglaublich, wie der Mensch aufgebaut ist, auf Zellebene. Faszinierend, wie bestimmte Zellkontakte entscheiden, ob Epithelgewebe durchlässig oder undurchlässig sind. Unvorstellbar, wie eine Milz die Erythrozytenmauserung vornehmen soll, ohne das retikuläre Bindegewebe der Milz im Mikroskop gesehen zu haben. Ich bin sicher, auch wenn dich nicht jedes Gewebe faszinieren und begeistern wird: Eins schafft es ganz sicher!

Alles Gute Dir, für den Histo-Kurs!
Doreen

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