Histologie

Histologie.jpg

Bei uns in der Vorklinik war Histologie wider Erwarten eines der praktischeren Fächer. Um zum „richtigen“ Histologiekurs zugelassen zu werden, wurde bereits nach wenigen Wochen im ersten Semester eine Zulassungsklausur geschrieben, die jedoch gut machbar war. So wurde auch sichergestellt, dass man mit einem gewissen Grundverständnis in den Mikroskopierkurs hineingeht.

Neben den Vorlesungen wurde also nun mehrmals in der Woche mikroskopiert und ich muss ganz ehrlich sagen: den Gewebekurs kann ich bis heute nicht leiden. Irgendwie sahen die Zellen doch für mich alle ziemlich gleich aus. Vor allem fand ich es viel spannender mir das ganze Organ anzuschauen (was jedoch erst in einem anderen Kurs behandelt wird), als lediglich auf gut 2cm Muskulatur zu starren. Eine weitere Aufgabe des Kurses war, dass wir die verschiedenen Zell- und Gewebetypen zeichnen sollten, was ich prinzipiell keine schlechte Idee fand. Jedoch musste man im Laufe des Kurses drei dieser Zeichnungen von Dozenten abzeichnen lassen und je nach dem welchen Dozenten man gefragt hat, wurde die Zeichnung schon mal bis ins kleinste Detail auseinander genommen, wenn sie nicht perfekt war.

Für die Klausur habe ich viel vom freien Mikroskopieren Gebrauch gemacht. Dabei wurden uns die Mikroskope und Präparatkästen zur Verfügung gestellt, sodass ich mir die verschiedenen Prüfungsthemen noch einmal in Ruhe anschauen konnte. Außerdem gibt es online wirklich tolle und auch kostenlose Mikroskopierprogramme, mit denen ich viel gelernt habe. Als Lehrbuch hatte ich den Welsch mit dem ich bis zum Physikum gearbeitet habe, wobei ich auf Grund unseres Prüfungsmodus hauptsächlich mit den Bildern und weniger mit den Texten gearbeitet habe. Es gibt in Düsseldorf auch die Möglichkeit, sich ein Mikroskop mit Präparatkasten auszuleihen. Da ich zu dem Zeitpunkt noch zur Universität gependelt bin, war mir der logistische Aufwand einfach zu groß. Wenn man in der Nähe wohnt, ist dies denke ich ein gutes Angebot.

Die Prüfung verlief in zwei Teilen. Im ersten Teil bekam ich drei verschiedene Gewebe zugeteilt, die ich schriftlich benennen musste. Zusätzlich wurden dazu fünf charakteristische Merkmale und die Färbung erwartet. Im Anschluss gab es im zweiten Teil einen Mikroskopierparcour, wo verschiedene Stationen abgelaufen wurde: teilweise waren Ausschnitte voreingestellt zu denen Fragen beantwortet werden mussten oder es wurde verlangt, dem Dozenten etwas bestimmtes einzustellen.

Nachdem ich den Gewebekurs irgendwie hinter mich gebracht hatte, wurde der Organkurs um ein so vielfaches besser. Endlich ging es um Zusammenhänge und nicht nur um gefühlt zwei Zellen im gesamten Präparat. Auch hier kann ich jedem nur das freie Mikroskopieren ans Herz legen. Ich habe meist alle Präparate verdeckt auf den Tisch gelegt und dann nach Zufallsprinzip eins gezogen, um dann zu mikroskopieren, um welches Organ es sich handelt. Die Prüfung lief letztendlich genauso ab wie oben beschrieben, jedoch fand ich es sehr viel einfacher, zu einem bestimmten Organ charakteristische Merkmale zu finden, als zu einer einzigen Gewebeart. Teilweise reicht sogar schon der Blick mit dem bloßen Auge auf das Präparat, um herauszufinden worum es geht.

Für das mündliche Physikum habe ich mich durch die vorher abgelegten Prüfungen gut vorbereitet gefühlt, wohingegen ich für den schriftlichen Teil mit Prüfungsrepetitorien gelernt habe, da ich bis dahin noch nie Multiple Choice Fragen zur Histologie beantworten musste.

Jetzt in der Klinik hat man den „großen Bruder“ der Histologie: die Pathologie. Die Organe erkenne ich zwar, sodass der Kurs scheinbar etwas gebracht hat, aber wenn es um die einzelnen Zellen und Pathologien geht, bin ich meist noch genauso schlau wie im ersten Semester. Doch vielleicht kommt hier ja auch irgendwann der Punkt, an dem auf einmal alles einen Sinn ergibt.

Bis dahin schaue ich mir weiter Mikroskopierbilder online oder in Büchern an und versuche, mir möglichst viele markante Bilder einzuprägen.

Eure Myriam

Share
Tweet
Share
Share