Ein etwas anderes Pflegepraktikum

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In meinem letzten Monat Pflegepraktikum wollte ich nochmal etwas ganz anderes kennenlernen und bin so auf Station 1D der Kinder-und Jugendpsychiatrie gelandet. Zunächst war mein Wunsch auf der Kleinkinderstation reinzuschnuppern, was aber leider nicht möglich war, da zu dieser Zeit auch neue Krankenpflegeschüler in der Klinik ihren Einsatz hatten. So bin ich dann auf die 1D. Dort werden Jugendliche ab 12 Jahren mit Essstörungen, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen behandelt. Die Station hat insgesamt Platz für 15 Jugendliche, die häufig einige Monate in der Klinik leben. Dies ist auch schon der erste große Unterschied zu den somatischen Krankenhäusern in denen ich bisher war. Die Patienten und die Pfleger haben eine ganz andere Beziehung zueinander, da sie häufig ihren ganzen Lebensmittelpunkt für lange Zeit in die Klinik verlegen und nur an den Wochenenden Kontakt zu den Eltern haben.

Doch jetzt erstmal zu meinem Praktikum selbst. Ich hab im September dort angefangen und zunächst wusste auf der Station niemand, dass ich überhaupt komme. Das war etwas schade, da mir so auch niemand erstmal eine Führung gegeben hat. Nachdem der Stationsleiter nach zwei Tagen aus dem Urlaub zurück war, wurde dies aber nachgeholt. An meinem ersten Tag habe ich auch keine Aufgaben gehabt, sondern habe einfach mit den Patienten Spiele gespielt und das Mittagessen begleitet. Beim Mittagessen gab es einige Verwirrungen, da der Sozialtherapeut nicht verstanden hat, dass ich Praktikantin bin und mich aufgrund meines Alters als Patientin eingeordnet hat. Dieses Problem hatte ich im Laufe des Praktikums noch einige Male.

Ab dem fünften Tag durfte ich dann mit zu den verschiedenen Therapien, wenn ich auf der Station die Aufgaben erledigt hab. Auf dem Klinikgelände gibt es neben einer Schule, viele verschiedene Therapieangebote, wie Snoezeln, Reittherapie, Kunsttherapie, Sporttherapie, Musiktherapie und Klettern. Bei diesen Therapien habe ich viel über die Patienten gelernt, da diese sich dort ganz anders geöffnet haben, als auf der Station. Teilweise habe ich dann auch von den einzelnen Therapeuten ungewöhnliche Aufgaben bekommen. So habe ich im Klettergarten Fotomodel gespielt, da Fotos von Patienten nicht auf die Homepage dürfen. Besonders mit der Kunsttherapeutin habe ich gerne gearbeitet, da sie auch Interesse daran hatte, mir alles zu erklären und sich immer noch Zeit für eine Nachbesprechung mit mir genommen hat. Der Kunsttherapeut hat auch nach der dritten Erklärung nicht verstanden, dass ich Praktikantin bin und hat meinen Namen im System gesucht, weil er sich gewundert hat, dass ich mich nicht in die Therapiegruppe integriere. Ich sollte mit Triangeln ein Lied mitsingen. Das möchte bei mir wirklich niemand hören.

Pflegerisch habe ich in dem Praktikum leider weniger gelernt, da zu einem natürlich weniger Pflege nötig ist und zum anderen aber auch einige der Schwestern keine Lust auf mich hatten. Diese haben mich zum Spülmaschine ausräumen geschickt und mir nicht mal eine Blutdruckmessung zugetraut. Eine der Schwestern, die leider die meiste Zeit im Urlaub war, hat mir jedoch die Patientenakten geöffnet und mir auch viele Fragen zu den typischen Krankheitsbildern auf der Station beantwortet. Gerade im Frühdienst war dies viel Wert, da die meisten Patienten morgens in der Schule waren und somit wenig zu tun war.

Das interessanteste Erlebnis in dem ganzen Pflegepraktikum war, dass ich mit in ein Einzelgespräch einer Psychiaterin durfte, da der Patient Probleme hatte vor anderen Menschen zu sprechen. Meine Aufgabe war es dann einfach mit ihm zu reden. Die Psychiaterin meinte hinterher zu mir, dass sie den Jungen noch nie so viel hat reden hören und dass es scheinbar wirklich hilfreich war, dass ich dazu gekommen bin.

Ein weiterer interessanter Tag war, als ich doch noch einen Tag auf der Kinderstation 3B verbringen durfte. Hier werden Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und Depressionen im Alter von sieben bis zwölf Jahren behandelt. Hier wurde auch nochmal ein großer Unterschied zu den somatischen Kliniken deutlich, nämlich, dass es hier keinen reinen Pflegedienst, sondern einen Pflege- und Erziehungsdienst gibt. Gerade bei den kleineren Kindern übernimmt die Pflege ein Stück weit die Elternrolle, besonders bei Kindern aus schwierigen Verhältnissen ist die notwendig.

Insgesamt würde ich dieses Praktikum wohl nicht weiterempfehlen. Ich habe zwar einige Bereiche kennengelernt, die auch durchaus interessant sind, aber ich hatte leider auch viel Langeweile. Zudem fand ich es sehr anstrengend immer wieder vom Pflegedienst und einigen Therapeuten in die Patientenrolle gesteckt zu werden, während ich eigentlich etwas über deren Beruf lernen wollte. Vielleicht hatte ich auch einfach etwas Pech mit der Station, da ich eigentlich immer noch der Meinung bin, dass man im Studium möglichst viele verschiedene Arbeitsfelder der angrenzenden Berufe kennenlernen sollte.

Eure Pia

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