Biochemie – machbares Mysterium

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Da es vielen Studenten der Vorklinik besonders vor der Biochemie graut möchte ich euch hier von meinen Erfahrungen mit diesem Fach im Kölner Modelstudiengang berichten.

Auch ich gehörte zu diesen Studenten, nicht zuletzt weil ich vier Anläufe für die Chemie Klausur gebraucht habe. Zudem gibt es in Köln keine Klausur innerhalb des Semesters zu diesem Fach, sondern am Ende nur die Physikumsklausur. Ihr könnt euch meine Panik vor diesem Fach also vorstellen. Ich möchte euch direkt zu Beginn beruhigen: Es war ganz anders als gedacht, sehr interessant und klinisch durchaus relevant.

Bereits die erste Vorlesung (08:15… muss man mögen) nahm mir einen großen Teil der Angst: Es müssen keine großen Strukturformeln gemalt werden und das Aufstellen langer Reaktionsgleichungen seien „Spielereien der Chemie“. Die Dozenten der Biochemie wollten uns dagegen einen Überblick über das „große Ganze“ und dessen praktische Anwendung vermitteln. So wurde in der Vorlesung viel Wert auf Krankheitsbilder und deren biochemische Erklärung gelegt. Zwar lichteten sich die Reihen wie in jedem Fach im Laufe des Semesters, doch fand ich die Vorlesung durchaus interessant, wenn auch eher semivorbereitend auf die Klausur.

Die Rechenübungen in Form einer Vorlesung sind dagegen allerdings mehr als empfehlenswert für die Klausur. Die meisten der Rechnungen (12 von 80 Punkten der Klausur) sind durchaus machbar und auch hier zeigt sich im Vergleich zur Chemie, dass die Kölner Dozenten hier niemanden „einen reinwürgen“ wollen. Jedoch sollten alle Rechentypen (deren Anzahl überschaubar ist) einmal gemacht und verstanden werden.

Während des Semesters hatten wir 8 Praktikumstage, welche viel entspannter waren als das Chemiepraktikum. Es gab keine Antestate oder großes Ausfragen. Natürlich musste man sich die Praktikumsanleitung vorher durchlesen und bestenfalls durcharbeiten, aber bei uns hat das noch jeder geschafft. Die Versuche waren auch durchaus interessant, zum Beispiel die biochemischen Vorgänge beim Schwangerschaftstest oder Proteinbestimmungen. Obwohl jeder Praktikumstag bis 20:00 angesetzt war, waren wir doch meist bis 16:00 / 17:00 fertig. Insgesamt kann das Biochemie-Praktikum als interessante und nette Abwechslung betrachtet werden, aber eher weniger vorbereitend auf das schriftliche Physikum.

Des Weiteren gilt es in Köln ein (in meinen Augen kleines und eher semi-hilfreiches) Referatsseminar zu besuchen. Hier müsst ihr zu zweit ein Kurzreferat über ein bestimmtes Thema halten. Präsentation machen, vortragen, abhacken, mehr gibt es dazu leider auch nicht zu sagen. Sowie eine Art Repetitionsseminar in Kleingruppen bis zu 20 Studenten. Je nach Dozent kann dies durchaus hilfreich sein. Manche bringen neue klinische Aspekte ein, manche gehen einfach nochmal die Folien aus der Vorlesung durch, manche (besonders wenn ihr einen Alt-Studenten habt) versuchen euch gezielt auf bestimmte Fragetypen der Klausur vorzubereiten. Hier kann empfohlen werden, euch unter den verschiedenen Gruppen auszutauschen.

Kommen wir zu guter Letzt zur letzten Schein-Hürde: die (Physikums-)Klausur. Neben den 3 Versuchen hat mir auch die Art der Klausur Sorgen gemacht, kein Multiple Choice sondern offene Short-Answer-Questions. Erneut machte sich Panik breit, aber auch hier gilt: Einfach mal mit der Materie befassen und Zähne zusammen beißen. Der große Vorteil: Die alten Klausuren der letzten ca. 5 Jahre werden offiziell zur Verfügung gestellt. Daher ist DRINGEND zu empfehlen euch diese einfach mal alle vorzunehmen und zu beantworten. Kleiner Tipp: Ausdrucken, Fragen einzeln ausschneiden und nach Themen sortieren. Recht schnell werdet ihr die Lieblingsthemen und Fragestellungen der Dozenten erkennen. Ich wollte es erst auch nicht glauben, aber nachdem ich einen Block mit allen Fragen und Antworten dazu voll hatte, fühlte ich mich doch recht gut vorbereitet. Neben diesen Altfragen möchte ich euch die Rechenübungen (auch hier sind alte mit Lösung online) sehr ans Herz legen, wie gesagt, hier gibt es IMMER 12 der 80 Punkte zu holen. In meinen Augen ist auch der Wahlpflichtblock am Ende des Semesters empfehlenswert. Er bietet einen knappen Überblick über die wichtigsten Themen der Vorlesungen und viele Dozenten geben klare Hinweise darauf, was sie gerne fragen.

Zusammenfassend kann man zur Kölner Biochemie also sagen, dass die Vorlesungen durchaus interessant sein können und das Fach seinen Schrecken schnell verliert wenn man sich darauf einlässt. Konzentriert euch während des Semesters eher auf die Prosaklausuren der Physiologen und geht danach die Altfragen einfach schwungvoll und ohne Angst an. Das Fach ist durchaus gut machbar.

Eure Melanie

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