Generalistik, Gesundheitskrise – sonst noch was Neues in der Pflegeausbildung?!

Pflege generalistisch ausbilden war im letzten Jahr eines der Hauptthemen mit dem sich deutschlandweit Pflegeschulen auseinandersetzten. Neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen waren, bzw. sind seither in der Pflegeausbildung präsent. Jedoch war sich damals noch keiner darüber Bewusst, dass die nächste große Herausforderung erst noch kommen soll. Auch für Pflegeschulen bedeutet die Corona-Pandemie eine akute Krisensituation, in der es zu klären gilt, wie Ausbildung und Unterricht fortgesetzt werden können.

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Photo courtesy of Elsevier / Colourbox

Lernen und Lehren in der Krise

In Krisensituationen gilt es schnell und kompetent zu handeln. In Zeiten der Pandemie sind viele Pflegefachpersonen mit einer neuen Form der Belastung konfrontiert. Psychische Belastungen, Stress und unbekannte Extremsituationen müssen im Arbeitsalltag bewältigt werden. Doch wie geht es denjenigen, die nicht einmal die Chance hatten zunächst auf Tuchfühlung mit dem „normalen“ Arbeitsstress zu gehen?

Die Rede ist von Pflegeauszubildenden. Diese sehen sich nicht nur mit den veränderten Anforderungen in der praktischen Ausbildung, also primär in Krankenhäusern, in der stationären Langzeitpflege und in der ambulanten Pflege, konfrontiert, sondern auch mit vielen Umstellungen im theoretischen Ausbildungsteil.

Ab März 2020 kam es in allen Bundesländern zu Schließungen von Pflegeschulen. Die Handhabung mit dem Ausfall von Präsenzveranstaltungen wurde je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt. Einige Schulen führen den Unterricht digital weiter. Schüler und Studenten erarbeiten somit Unterrichtsinhalte in einer Form von Selbststudium. Diese digitalen Unterrichtsmethoden setzen jedoch nicht zuletzt eine gewisse technische Ausstattung voraus. Voraussetzungen, die leider nicht jede Pflege- oder Hochschule vorweisen kann. Und selbst wenn, bedeutet dies nicht, dass jeder Pflegeauszubildende problemlos hiermit umgehen kann. Der Umgang mit den neuen Lernformen ist unterschiedlich. Einige Auszubildende kommen mit den Anforderungen gut zurecht, während andere ihre Probleme haben. Die Pflegeschüler müssen zuhause mit ihren privaten Geräten arbeiten. Hier gibt es große Unterschiede in Ausstattung und Anwendungs-Know-How. Viele der Schüler vermissen den direkten Kontakt zu Pädagogen und Mitschülern, und somit eine wichtige Form des Austausches. Feedback erfolgt hierbei meist zeitversetzt, was besonders bei Fragen zu Lernaufgaben und Ausarbeitungen für viele eine zusätzliche Schwierigkeit darstellt.1

Ausbildungsqualität muss gewährleistet bleiben

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) bezieht mit der Lenkungsgruppe „Junge Pflege“ Stellung zu dieser Problematik. Dabei im Mittelpunkt steht folgendes Statement: „Pflegeausbildung darf der Covid-19 Pandemie nicht zum Opfer fallen“2. Um dies zu gewährleisten, soll insbesondere darauf geachtet werden, dass trotz veränderter und erschwerter Umstände, eine hohe Ausbildungsqualität bestehen bleiben muss. Auszubildende und Studierende gilt es regelmäßig und zeitnah auf den neuesten Informationsstand zu bringen. Ebenso wird hervorgehoben, dass auch während einer Krisensituation nicht vergessen werden darf, den Einsatz der Pflegeschüler entsprechend ihrem Ausbildungsstand zu planen und umzusetzen, sowie keine praktischen Einsätze ohne vorhergegangenen theoretischen Unterricht umzusetzen. Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen müssen an die jeweiligen Lerninhalte und Ausbildungssituationen angepasst werden, um für faire Verhältnisse zu sorgen. Auch sollen Schülern, ebenso wie examinierte Pflegefachpersonen, die Möglichkeit bekommen, psychologische Betreuungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Und nicht zuletzt müssen für eine reibungslose Umsetzung dieser Vorhaben Gelder unbürokratisch ausgeschüttet werden, damit ein digitales Unterrichten an Pflegeschulen, Hochschulen und Universitäten ermöglicht werden kann.3

Effektiv Lernen in Extremsituationen

Um in Extremsituationen ein effektives Lernszenario zu ermöglichen, bestehen diverse Gestaltungsempfehlungen. Diese beziehen sich eher auf Fortbildungsmaßnahmen von Pflegefachpersonen, können jedoch in Krisensituationen auch für Auszubildende von Bedeutung sein. Insbesondere wird hierbei davon abgesehen komplexe Lernmittel zu verwenden, sondern den Fokus auf Wesentliches zu richten: Informationen vermitteln, die dazu befähigen anstehende Aufgaben zu bewältigen, kurze und prägnante Handlungsschritte vermitteln, Handlungskompetenz ermöglichen, zeitnahe Anwendung als Ziel des Lernens, direkte und unmissverständliche Kommunikation. Kurz gesagt: In Extremsituationen gilt es Lernszenarien an dem Bedarf der Zielgruppe auszurichten.4

Fazit

Bei allen Schwierigkeiten und Umstellungen für das gesamte Gesundheitssystem, muss insbesondere im Sektor Pflege darauf geachtete werden, dass Pflegeauszubildende keinesfalls gefährlichen Überforderungssituationen ausgesetzt werden. Dies birgt nicht nur eine Gefahr für Patienten, sondern würde auch die Fluktuationsrate während der Pflegeausbildung erhöhen. Mehr denn je sollte aktuell qualifiziertes und zufriedenes Pflegepersonal gefördert und ein kompetenter pflegerischer Nachwuchs angestrebt werden.


Autor

Sarah Micucci

Sarah Micucci

Sie ist ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin, sowie Pflegepädagogin (B.A.). Zusätzlich arbeitet Sie als Autorin und Textredakteurin für Pflegefachliteratur.

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