Wenn der Teddybär zum Arzt muss

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Stoffbär „Apfelbäckchen“ tut die Pfote weh und Plüschkater „Dickie-Dick“ hat Bauchschmerzen – ganz klar, die beiden müssen zum Arzt. Wie gut, dass die Kindergartengruppe der Kuscheltiermamas Lana und Sophie an diesem Dienstagvormittag das Teddybärkrankenhaus in Oldenburg besucht, dort kann den plüschigen Patienten sicher geholfen werden.

Zunächst einmal geht es für die Kindergartenkinder und ihre kranken Kuscheltiere ins Sprechzimmer, wo sie von uns – eigentlich Medizinstudenten aus verschiedenen Semestern, aber heute in der Funktion als Teddyärzte bzw. –ärztinnen – gleich in Empfang genommen werden. Teddyklinik2Lana nimmt mit ihrem Stoffbären „Apfelbäckchen“ gegenüber von mir an meinem Behandlungstisch Platz und berichtet sofort mit ernstem Gesicht, „Apfelbäckchen“ habe sich an der Pfote verletzt und die tue nun ganz doll weh. Ganz klar: zunächst braucht der Patient eine Spritze gegen die Schmerzen, mit Hilfe von Lana lässt „Apfelbäckchen“ den Pieks tapfer über sich ergehen. Noch ein buntes Pflaster über die „Einstichstelle“ und fertig. Nun wollen wir den Schmerzen auf den Grund gehen, also beginne ich lehrbuchmäßig mit der Anamneseerhebung (die letztendlich wohl eher eine Fremdanamnese ist, da der Bär anscheinend etwas schüchtern ist und aus einem unerfindlichen Grund nicht mit mir sprechen will, daher beantwortet Lana meine Fragen.) Ich beschließe, dass wir zur weiteren Abklärung ein Röntgenbild der Vorderpfote brauchen und gehe mit Lana und unserem Patienten in die „Radiologie“ (die aus zwei Tageslichtprojektoren anstelle der echten Röntgengeräte besteht). Während des Röntgens muss „Apfelbäckchen“ kurz alleine bleiben, da die Röntgenstrahlen schädlich für uns sind, wie ich dem Kindergartenkind erkläre. Dann geht es zurück ins Behandlungszimmer, um das Bild auszuwerten. Und tatsächlich, man kann deutlich erkennen, dass die Pfote gebrochen ist. „Und was meinst du, was sollten wir jetzt machen?“, frage ich die Teddymama. „Eingipsen!“, kommt prompt die Antwort. Gesagt, getan. Statt eines Gipses tut es auch ein dicker Verband, und danach geht es dem Stoffbären schon viel besser. Gegen die Schmerzen schreibe ich noch schnell ein Rezept für „Aua-weg-zepam“ und begleite Lana dann in die Apotheke, wo sie das „Medikament“ in Form von einigen Traubenzuckern bekommt. Danach geht es für Lana und die anderen Kindergartenkinder in der „Spiel- und Spaß“- Station weiter, wo sie sich ein wenig austoben können. Für mich geht es direkt im Behandlungszimmer weiter. Der nächste Patient wartet bereits.

Das Teddybärkrankenhaus ist ein Projekt der Oldenburger Medizinstudenten, das nun schon zum dritten Mal in der Kinderklinik des Klinikums Oldenburg stattfindet. Ziel des Projekts ist es, den Kindern spielerisch die Angst vor Arztbesuchen und Krankenhäusern zu nehmen. Ursprünglich entstand die Idee in den 90er Jahren in Skandinavien, inzwischen werden auch an vielen deutschen Städten Teddybärkrankenhäuser angeboten. In Oldenburg findet das Projekt an zwei Tagen statt, an denen angemeldete Kindergartengruppen, aber auch Eltern mit ihren Kindern eingeladen sind. Das Teddybärkrankenhaus besteht aus mehreren Stationen, die die Kinder durchlaufen. Los geht es mit der zuvor Teddyklinik1beschriebenen Behandlung des kranken Kuscheltieres durch die Teddyärzte und dem anschließenden Besuch der Apotheke. Als nächstes ist die Station „Ernährung“ an der Reihe, hier wird den Kindern mithilfe der Lebensmitteleisenbahn, auf deren Waggons Lebensmittel in die Kategorien grün, gelb und rot eingeteilt werden, und der Handpuppe Luzie, einiges über gesunde Ernährung vermittelt.

Eine weitere Station ist der OP: Der Teddy „Benny“ hat starke Bauchschmerzen und muss operiert werden. Teddychirurg Andi versorgt seine kleinen OP-Assistenten zunächst mit Kitteln, Mundschutz und OP-Hauben, schließlich muss bei einer OP alles keimfrei sein. Den OP-Teddy kann man mithilfe eines Reißverschlusses „aufschneiden“, um sich dann die plüschigen herausnehmbaren Organe anzuschauen. Es ist schon erstaunlich, was die Kinder bereits wissen: Darm, Magen, und sogar die Leber können von einigen identifiziert und benannt werden. Auch der Grund für die Bauchschmerzen ist schnell gefunden: Der Darm ist an einer Stelle abgeschnürt! Nachdem Benny mit einer Aufwachspritze aus der Narkose erweckt ist, geht es ihm schon „vieeel besser“. Zum Schluss gibt es für die Kinder und ihre Betreuer noch Getränke, belegte Brötchen und Obst, bevor es zurück in den Kindergarten geht.

Eure Diana

Diana Schlüter
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