Wann ist man ein guter Arzt*?

Diese Frage werden wir uns als Studenten und als angehende Ärzte früher oder später irgendwann einmal stellen. Nicht immer geben unsere Kommilitonen und Kollegen dies zu, insgeheim denken wir jedoch alle darüber nach. Auch wenn man diese Frage für sich einmal beantwortet hat, werden sich die Sichtweisen möglicherweise ändern und so stellen wir uns diese Frage beispielsweise als approbierter Arzt erneut. | *zur besseren Lesbarkeit verzichte ich im Text auf die Nennung der weiblichen Form

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Photo courtesy of Elsevier / Colourbox

Motivation und Selbstreflexion als Basis

Meiner Meinung nach hat diese Frage, wenn wir von uns Medizinstudenten ausgehen, viel mit Motivation und Selbstreflexion zu tun. Alle, die über das Auswahlverfahren den ersehnten Medizinstudiumsplatz bekommen haben, mussten sich darüber schon einmal intensiver Gedanken machen. Es war eine der Standard-Fragen, die im Auswahlverfahren gestellt wurde, wo jedoch keine nullachtfünfzehn Antwort, sondern eine individuelle und kritische Antwort überzeugten. Viele beantworteten die Frage, warum sie Medizin studieren wollen mit der Aussage, dass sie gute Ärzte werden und Menschen heilen wollen.

Fachliche und theoretischen Kompetenzen PLUS zwischenmenschlichen Fähigkeiten

Prinzipiell ist dieser solidarische Ansatz richtig und unsere Grundmotivation. Doch was zeichnet einen guten Arzt aus? Ist es der allwissende Gott in Weiß, der ohne den Patienten gesehen zu haben die Diagnose weiß? Muss man als guter Arzt immer heilen können? Auch wenn ich hier nur ansatzweise anschneiden kann, was man philosophisch und ethisch in mehrtägigen Diskussionen ausbreiten könnte, lautet meine Antwort auf letzteres 'Nein'.

Wir können nicht jeden Patienten heilen. Sollte dies beispielsweise im Falle einer infausten Prognose nicht möglich sein, können wir dennoch unser Bestmögliches geben, um ihm Leid und Schmerzen zu nehmen, die Lebensqualität zu verbessern, und durch die bestmögliche Therapie mehr Lebenszeit zu schenken. Es kommt dabei nicht nur auf die fachlichen und theoretischen Kompetenzen an, sondern auch auf die zwischenmenschlichen Fähigkeiten. Beispielsweise auf Empathie, Einfühlungsvermögen und aktives Zuhören.

Ein Doktortitel macht keinen besseren Arzt

Ob ein Doktortitel uns zu einem besseren Arzt macht? Er verschafft uns eventuell mehr Akzeptanz und zeigt, dass wir bereits erste Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten gesammelt haben, jedoch bringt der Dr.med. meiner Meinung nach in der Patientenversorgung keinen Zugewinn und macht uns durch sein Fehlen nicht zu schlechteren- bzw. durch seinen Besitz nicht zu einem besseren Arzt. Vermutlich ändert sich genau diese Sichtweise im Laufe der Jahre.

Medizinisches Wissen als Grundlage

Zweifellos ist das korrekte medizinische wissen die Grundlage unseres ärztlichen Handels jedoch denke ich, dass im Laufe der Zeit, je mehr Patientenkontakt man bereits hatte und je länger man im Berufsleben steht, die Menschlichkeit immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Einen guten Arzt zeichnen eben beispielsweise nicht nur die korrekt durchgeführte Operation, sondern auch das gut geführte Anamnesegespräch aus. So erfährt man (idealistisch) aus einer guten Anamnese die Diagnose meist zielführender als mit wahlloser Diagnostik. Auch der Blick zum Patienten, in die Augen, auf die Haut, auf die Reaktionen des Patienten, wie er erzählt und damit der Aufbau einer guten Arzt-Patienten-Beziehung sind oftmals der Schlüssel zum Erfolg. Eine gute Gesprächsführung, auch bei schwierigen Themen ist ein wichtiger Baustein eines guten Arztes, was erst gelernt werden muss und nicht durch eine Vorlesung vermittelt werden kann.

So schwer es in den Regularien und Umständen unseres strapazierten Gesundheitssystems bzw. in Zeiten des Fachkräftemangels auch sein mag, ist sich für den Patienten Zeit zu nehmen ein weiterer Baustein. Vielleicht sagt sich das als Student und Berufseinsteiger etwas leichter, als es dann getan ist, aber im Zuge dessen, dass auch Krankenhäuser auf die Wirtschaftlichkeit achten müssen sollte man auch nicht im Sinne dessen entscheiden, was am meisten Ertrag bringt, sondern von welcher Entscheidung/Therapie Option der Patient am meisten profitiert.

Wir sollten Vorurteile ablegen und gemäß dem zu schwörenden Eid jedem helfen und uns stets weiterbilden, durch Wissbegier und Lernbereitschaft. Ich könnte diese Auflistung noch unweit weiterführen, ich denke jedoch, dass meine Intention erkennbar ist und euch ein wenig zum Nachdenken inspiriert hat.

Fazit

Als Fazit kann ich sagen: Ich denke ein guter Arzt ist, wer sein Handwerk beherrscht, über das nötige Wissen verfügt und mit der nötigen Empathie und durch aktives Zuhören mit- und nicht für den Patienten entscheidet, wer neben all den fachlichen Kompetenzen seine Menschlichkeit nicht verliert und im Zuge der Wirtschaftlichkeit nicht den Patienten aus dem Auge verliert, sondern sich stets daran erinnert, warum er diesen Beruf gewählt hat.

Eure Romy


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