Wann ist ein Arzt ein guter Arzt?

Ob Schwarzwaldklinik, Bergdoktor, Scrubs oder Emergency Room – in jeder dieser Serien werden Idealbilder eines Arztes verkörpert. Ganz sicher wurden auch meine Vorstellungen eines guten Arztes vor Beginn meines Studiums teilweise durch die Medien geprägt. Bereits im hippokratischen Eid wurden die damaligen ethischen Verpflichtungen eines guten Arztes formuliert. Dennoch gibt innerhalb der Ärzteschaft „schwarze Schafe“ und nicht jeder Arzt ist auch tatsächlich ein guter Arzt; hier gibt es viele Beispiele von Ärzten, die ihre Position missbrauchen, um eigene Vorteile hieraus zu ziehen. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich einmal Gedanken darüber zu machen, was denn eigentlich einen guten Arzt ausmacht.

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Fachliche Kompetenz

Zunächst einmal ist für mich ein guter Arzt der Arzt, der fachlich kompetent ist und sein Fachgebiet beherrscht. Er sollte leitliniengerecht und evidenz-basiert behandeln und sich stets weiterbilden, um auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft zu stehen. Ich finde, dass dies die Grundvoraussetzung eines guten Arztes ist, da es ja primär darum geht, dass der Patient die Sicherheit haben muss, dass der Arzt auch über die ausreichende Kompetenz verfügt, um seine Erkrankung richtig zu erkennen und zu therapieren.

Natürlich ist nicht jeder Arzt dafür geeignet, als Notarzt tätig zu sein oder jede Notfallsituation zu beherrschen. Aber ich erwarte von einem guten Arzt, dass dieser in seinem Fachgebiet leistungsfähig ist und auch in stressigen Situationen einen „kühlen Kopf“ bewahren kann.

Empathische Stärke

Neben der fachlichen Seite zeichnet sich ein guter Arzt aus meiner Sicht auch dadurch aus, dass er durch Empathie in der Lage ist, auf seine Patienten einzugehen, also nicht nur auf die medizinischen, sondern auch auf die emotionalen Bedürfnisse eines Patienten. Wichtig ist hierbei insbesondere, dass er den Patienten als Individuum respektiert, dessen Vorstellungen und Wünsche versteht und mit ihm gemeinsam die weitere Therapie plant (dies wird auch als „shared decision making“ bezeichnet). Essentiell dafür, die Wünsche und Ängste des Patienten zu verstehen, ist auch, dass man als Arzt dem Patienten zuhört, diesen nicht zu schnell unterbricht und auch dessen subjektive Krankheitstheorie erfragt.

Ein guter Arzt sollte geschult sein in Kommunikation, um auch in schwierigen Gesprächssituationen, beispielsweise im Übermitteln von schlechten Prognosen, Sicherheit und Ruhe auszustrahlen. Auch sollte er bei Konflikten mit Patienten oder Angehörigen verbal deeskalieren können.

Auswahl geeigneter Therapien

Wichtig finde ich außerdem, dass ein guter Arzt keine Therapien ausschließlich deswegen durchführt, um sich selbst daran finanziell zu bereichern. Natürlich müssen auch Ärzte von irgendetwas leben, aber unnötige oder unwirksame Therapien sollten aus meiner Sicht Patienten nicht angeboten werden, da diese dem Arzt vertrauen und nicht beurteilen können, welche Absichten der Arzt verfolgt.

Fazit

Leider ist es so, dass aufgrund des Zeit- und Personalmangels im Klinikalltag nicht immer die Möglichkeit besteht, alle Punkte, die einen guten Arzt ausmachen, auch wirklich umzusetzen. Dennoch sollte man als Arzt versuchen, sich ein wenig Idealismus aus Studenten- oder Assistenzarztzeiten beizubehalten.

Eure Anna


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