Summer School Anästhesie

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Medizin ist das beliebteste Studienfach in Deutschland und das Interesse an der Medizin steigt immer weiter an. Trotz der vielen Interessenten und den immer größeren Jahrgängen haben immer mehr medizinischen Fächer Nachwuchsprobleme. Das Durchschnittsalter der Ärzte sowohl in den Kliniken als auch im niedergelassenen Bereich steigt kontinuierlich an und um einem großen Versorgungsengpass entgegen zu wirken, bieten immer mehr medizinische Fachgesellschaften Programme für Studierende an. Diese Programme für Studierende sollen die Studierende fernab von regulären Univeranstaltungen für das jeweilige Fach begeistern, so dass diese bestenfalls die Fachrichtung nach erfolgreicher Approbation ausüben wollen.

Auch die Fachabteilung der Anästhesie bemüht sich um den Nachwuchs und so wird unter dem Dach der AQAI (kurz für Angewandte Qualitätssicherung in der Anästhesie und Intensivmedizin) jährlich eine Summer School für Studierende veranstaltet. Ich war im letzten Sommer bei der Summer School der Anästhesisten mit dabei und möchte euch natürlich nicht vorenthalten was ich da erlebt habe.

Nur durch Zufall bin ich über einen Flyer auf die Summer School aufmerksam gemacht worden und ohne lange zu zögern habe ich mich da angemeldet. Das ganze fand über einen Zeitraum von zwei Tagen im Simulationszentrum der AQAI in Mainz statt und war sowohl gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto zu erreichen. Wir waren eine Gruppe von 12 Studenten und zu Beginn fand die allseits bekannte Vorstellungsrunde statt, bei der man sich wie immer sowieso kaum einen Namen direkt merken konnte. Es war auf jeden Fall eine bunt gemixte Truppe, die aus ganz Deutschland angereist waren, um bei der Summer School mitzumachen. Nach der kurzen Vorstellungsrunde haben wir zunächst einen kleinen Theorieblock gehabt, damit jeder auf ungefähr demselben Wissensstand war. Der Theorieblock wurde aber insgesamt relativ kurz gehalten, unter anderem weil der Fokus auf die praktischen Übungen gelegt wurde. Somit ging es nach der Theorieeinheit in die Simulationsräume. Hier erwartete uns zunächst ein voll ausgestatteter Operationssaal mit Narkosegerät und einer Simulationspuppe, die so ziemlich alles konnte. Wir wurden mit den einzelnen Geräten vertraut gemacht und konnten uns die Ausstattung mit vielen verschiedenen Tuben, Medikamenten und Masken genau anschauen. Genau hingucken wurde hierbei wärmstens empfohlen, denn als nächstes ging ans Eingemachte. Wir teilten die Gruppe auf und dann hat jeder eine Aufgabe bekommen: Zwei spielten die Anästhesiepfleger, einer den Anästhesisten und zwei weitere spielten die Operateure. Es blieb ein wenig Zeit sich untereinander abzusprechen und auszumachen, wie man die Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung durchführen möchte und dann begann das Szenario. Derjenige der den Anästhesisten gespielt hat, gab Ansagen und zusammen mit den anderen beiden Pflegern wurde dann versucht die Narkose einzuleiten. Es musste immer ganz genau angesagt werden was als nächstes gemacht wird, welche Medikamente in welcher Dosierung gespritzt werden und nicht zuletzt musste man am Anfang auch mit dem „Patienten“ sprechen, der natürlich auch geantwortet hat. Ihr fragt euch nun sicher wie das geht schließlich ist es ja eine Puppe. Nun ja der Raum hatte ein verspiegeltes Fenster und hinter diesem saß einer der AQAI-Mitarbeiter und steuerte die Puppe und konnte diese somit zum Leben erwecken. Natürlich wurden wir nicht nur mit komplikationslosen Narkoseeinleitungen konfrontiert, so dass wir verschiedene Ernstfälle üben konnten. Natürlich mussten wir auch eigene Fehler ausbaden, wenn wir z.B. zu viel von einem Medikament gespritzt haben.

Es gab aber noch weitere Stationen, die wir durchlaufen haben. So schlüpften wir ein anderes Mal in die Rolle eines Notarztes, der zusammen mit seinem Rettungsassistenten zu verschiedenen Notfällen gerufen wurde. Was genau da einen erwartet, verrate ich aber nicht, sonst ist ja der ganze Nervenkitzel weg.

Nach den Simulationsszenarien gab es immer eine Nachbesprechung inklusive Feedback. Da die einzelnen Simulationen von Anfang bis Ende gefilmt wurden, hatte man so die Möglichkeit sich verschiedene Situationen noch einmal genauer anzuschauen, Fehler zu erkennen und daraus dann zu lernen. So ein ausführliches Feedback habe ich bislang auch noch nie irgendwo an der Uni bekommen, so dass es eine wirklich gute Erfahrung war.

Neben diesen beiden großen Simulationen, gab es auch noch weitere Stationen. Wir haben zum einen das Intubieren noch einmal geübt. Dabei haben wir verschiedene Intubationsmethoden, unter anderem die Videolaryngoskopie und die fiberoptische Wachintubation, ausprobieren können. Als wir die fiberoptische Wachintubation geübt haben, wurden wir auch in diesem Zuge in die Bronchoskopie eingeführt. Ich kann euch sagen, es ist nicht so leicht wie es aussieht und man kann in den Bronchien auch ganz schnell die Orientierung verlieren.

Bei einer anderen Station wurden dann auch Kindernotfälle geübt, wo man sich nicht nur um den kleinen Patienten sondern auch um das Beruhigen der Eltern kümmern musste. Gar nicht so leicht, wenn die Eltern aufbrausend werden und man gleichzeitig ein Kind versucht zu reanimieren.

Die letzte Station befasste sich mit dem Narkosegerät an sich. Ohne das Narkosegerät kann der Anästhesist heutzutage gar nicht mehr arbeiten und umso wichtiger ist es sich damit richtig auszukennen. Darum haben wir verschiedene Situationen durchgespielt und geübt wie man mit den einzelnen Parametern, die einem das Gerät anzeigt, umzugehen hat. Das hat für ordentlich rauchende Köpfe gesorgt, aber zum ersten Mal hatte man das Gefühl, dass man das Gerät richtig verstanden hat.

Bei den vielen praktischen Übungen kam das Soziale aber nicht zu kurz. Wir haben alle im nahe gelegenen Hostel geschlafen, haben abends im Simulationszentrum bei einem Bierchen gemütlich gegrillt und hatten viel Zeit für Austausch. Auch die Pausen zwischendurch kamen nicht zu kurz und man wurde immer bestens mit Getränken und Leckereien versorgt.

Zusammenfassend kann ich jedem Medizinstudenten, der auch einmal abseits der regulären Univeranstaltungen und Praktika etwas Medizinisches machen möchte, die Summer School der Anästhesisten ans Herz legen. Man bekommt die Möglichkeit sich mit einigen praktischen Fertigkeiten noch einmal genauer auseinander zu setzen, sein Fachwissen zu erweitern und viel Praxiserfahrung durch originalgetreue Simulationen zu sammeln. Nicht zuletzt war die Summer School auch eine schöne Gelegenheit Medizinstudenten von anderen Unis kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen.

Eure Sabrina

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