Praxistag Dermatologie

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In Dresden sollen wir während des 7., 8. oder 9. Semesters den „Praxistag“ absolvieren. In diesen Semestern wird im Stundenplan ein Tag pro Woche frei gehalten, den man wahlweise mit Promotion, lernen, sonstigen Aktivitäten oder eben dem Praxistag füllen kann. Dafür schreiben wir uns für eine bestimmte Klinik/Station/Praxis ein, in/auf der wir für ein Semester einen Tag pro Woche dort verbringen werden.

Die Einschreibung beginnt mitten in den Ferien und wie es immer so ist, merke ich mal wieder zu spät, dass sie schon begonnen hat. Noch frei sind Plätze in der Urologie und in der Dermatologie. Da ich im 7. Semester sowieso viel Dermatologie haben werde, entschließe ich mich für die dermatologische Station – auch wenn es definitiv nicht mein Fachrichtungswunsch ist, wird man doch ständig mit dermatologischen Fragestellungen konfrontiert (und sei es: „Du studierst doch Medizin, ich hab da was…“). Da kann es ja nicht schaden sich damit mal genauer auseinander zu setzen.

Am ersten Tag komme ich viel zu früh auf der Station an, die Schwestern wissen von nichts, die Ärzte sind noch nicht da. Als die Ärzte dann kommen, weiß zwar auch niemand so recht, was ein Praxistag ist und welche Aufgaben wir übernehmen sollen. „Zieh dich erstmal um, wir müssen noch Briefe schreiben und dann ist gleich Visite.“ Visite geht los und ich sehe viele Patienten mit den wunderlichsten Hautausschlägen mit noch viel wunderlicheren Bezeichnungen. Die Hautbefunde haben schon fast etwas von Poesie. Da die Dermatologie-Vorlesungen noch gar nicht begonnen haben und ich noch keine richtige Aufgabe habe, verbringe ich einen Großteil des Tages im Derma-Buch und versuche das Kauderwelsch-Wirrwarr mit dem ich konfrontiert werde zu verstehen.

Fazit Tag 1: Erysipel, Erythem, Ekzem, Exanthem, Enanthem. Schön am Praxistag ist, dass man am nächsten Tag erst einmal Zeit hat durchzuatmen und den Tag zu verarbeiten.

Ab dem zweiten Tag habe ich zumindest das Gefühl ein bisschen was zu verstehen. Ich weiß langsam wie der Stationsalltag strukturiert ist: Briefe, Flexülen legen, Visite, Aufnahmen, Oberarzt-Visite, Mittagsbesprechung mit Chefarzt, Briefe, Sonstiges. Die ersten Aufnahmen erfordern noch viel Geduld, vor allem die Beschreibung der Hautbefunde, bei der ich mich wie im Anfängerkurs Chinesisch fühle.

Dass die Therapie auch nicht nur aus Cortison besteht, lerne ich schnell. Die ganzen spezifischen Wirkstoffe, Lokal-, System- und physikalischen Therapien zu lernen dauert doch etwas länger.

Sicherlich sind einige Krankheitsbilder nicht besonders schön anzusehen aber das Interesse siegt doch immer. Und obwohl ich mich manchmal frage, ob ich nicht mehr von einer Station gehabt hätte, mit deren Fachrichtung ich mich im Vorhinein schon etwas mehr auseinander gesetzt habe, merke ich doch, wie viel leichter sich gerade die Dermatologie lernen lässt, wenn man Bilder dazu im Kopf hat. Die verschiedenen roten Flecken im Derma-Buch helfen da längst nicht so gut.

Auch wenn ein Tag pro Woche wenig erscheint, bin ich doch sehr überzeugt von dem Konzept des Praxistages – man bekommt einen ziemlich guten Überblick über das Fachgebiet, kann auf Famulatur- oder PJ-Niveau tätig werden und hat aber zwischendurch Zeit, sich genauer mit den Krankheitsbildern auseinander zu setzen, und der Uni-Alltag wird auch angenehm durch diesen praktischen Tag aufgelockert.

Eure Mareike

Foto: Mareike Böttcher
Foto: Mareike Böttcher
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