Im Medizinstudium ins Ausland – viele Wege führen nach Rom

In unserem Studium müssen wir viele Pflichtpraktika absolvieren und haben das Privileg, diese überall auf der Welt machen zu dürfen. Abgesehen von den Pflichtpraktika gibt es noch ganz andere Wege, das Studieren und das Reisen zu verbinden. Ich habe während des Studiums versucht, jede Möglichkeit für Auslandserfahrungen zu nutzen und würde es jedem nur empfehlen und ans Herz legen. Im Folgenden berichte ich euch daher von meinen Erfahrungen und welche Pläne ich für das weitere Medizinstudium habe.

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Famulatur in Russland

Für meinen ersten Auslandsaufenthalt habe ich mich für Russland entschieden. Warum nicht die Muttersprache ausnutzen und in seinem Heimatland famulieren? Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Freunde und Familie besucht und gleichzeitig was für das Studium getan. Ich habe mein Praktikum in Sibirien in der Stadt Krasnojarsk absolviert und habe darüber in einem meiner Blog-Beiträge ausführlich berichtet.

Erasmus in Graz

Nach meiner Russlandfamulatur bin ich für ein Semester mit ERASMUS nach Graz, es war eine sehr spontane Aktion und bis heute die beste Entscheidung im gesamten Studium. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf Frankfurt und wollte einen Tapetenwechsel – neue Leute kennen lernen, in einer anderen Stadt leben. Als ich die Idee hatte, war die Deadline für die Bewerbung leider schon zu Ende. Ich hatte jedoch Glück und es gab noch einige freie Plätze an den Auslandsunis, darunter auch in Graz. Beim Googeln habe ich mich direkt in die Stadt verliebt. Ich konnte mir oft die Frage anhören „Warum gehst du nach Österreich und nicht nach Spanien oder Frankreich?“ Ganz einfach: Man muss nicht ans andere Ende der Welt gehen oder auf einen anderen Kontinent, um neue Freundschaften zu schließen, neue Erfahrungen zu sammeln oder einen interkulturellen Austausch zu erfahren. Ich habe zwar keine neue Fremdsprache gelernt, aber dafür Freunde fürs Leben gefunden und eine Menge an Erfahrungen gesammelt. Ich war so begeistert von der Uni, von der Lehre, von den Leuten und von der Stadt, dass ich mich vor Ort für ein weiteres Semester beworben habe und länger geblieben bin. Da Graz eine super gute Lage hat, konnte ich von dort leicht reisen und mir Städte wie Prag, Budapest, Wien und Ljubljana angucken. Das ERASMUS-Jahr war definitiv das beste Jahr im gesamten Studium.

Praktikum in New York

Nachdem ich Blut geleckt habe und aus Graz zurück nach Frankfurt gekommen bin, fingen die Post-ERASMUS Depressionen an und ich begann, meine nächste Auslandsreise zu planen. Ich habe mir für mein nächstes Praktikum New York als Stadt ausgesucht, keine leichte Aufgabe, wie es sich herausgestellt hat. Ich wollte mir unbedingt das Fachgebiet der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und kosmetischer Chirurgie anschauen, da ich mir vorstellen kann, in der Fachrichtung zu arbeiten. Der Bewerbungsablauf war jedoch nicht so easy, wie ich dachte. Ich wollte das Praktikum in einer Praxis absolvieren und hatte keine Connections vor Ort, also habe ich einfach drauflos gegoogelt und einige Praxen ausgesucht, an die ich meine Bewerbungsunterlagen abgeschickt habe. Nach monatelanger Stille habe ich mich mit dem Gedanken abgefunden, dass mein 'American Dream' nicht in Erfüllung gehen wird. Dann kam doch die Zusage! Und zwar von einem russisch-sprechenden Arzt aus Brooklyn, der mich für ein Praktikum in seine Praxis am Brighton Beach eingeladen hat.

Sprachkurs in England

Vor New York habe ich einen zweiwöchigen Medical English Intensivkurs in London absolviert, um mich etwas auf das Praktikum vorzubereiten. Über den Kurs habe ich bereits in einem Blog-Beitrag berichtet.

PJ in der Schweiz & Südafrika

Die letzte Möglichkeit im Studium werde ich im praktischen Jahr nutzen und dieses zum Teil im Ausland verbringen. Die Schweiz ist bei den deutschen Studenten für das PJ sehr beliebt und aus diesem Grund sollte man sich frühzeitig um die Bewerbung kümmern. Ich habe mich 2 Jahre im Voraus beworben und war schon fast spät dran. Von vielen Krankenhäusern habe ich eine Absage bekommen, da die Plätze bereits alle besetzt waren. Letzendlich konnte ich mir einen Platz in der Inneren Medizin am Inselspital in Bern ergattern und freue mich schon sehr! Für das Chirurgie-Tertial verschlägt es mich nach Südafrika. Und auch hier gilt dasselbe: Wer in Kapstadt PJ machen will, sollte sich 2 Jahre vorher bewerben, da die Plätze begrenzt sind.

Organisationsaufwand lohnt

All die Praktika und Kurse im Ausland sind mit einem sehr hohen Organisationsaufwand verbunden, man muss viel rumtelefonieren, viele E-Mails und Bewerbungen schreiben und Anträge ausfüllen. Der Aufwand lohnt sich aber! Manchmal muss man einfach mal seine Komfortzone verlassen und Neues ausprobieren. Denn wenn nicht jetzt, wann dann?

Eure Angelina

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