Als Erasmus Student in Budapest an der Semmelweis Universität

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„Warum willst du denn nach Budapest? Nach Ungarn? Gab’s nichts mehr in Spanien oder Norwegen?“ So oder so ähnlich haben die meisten reagiert, denen ich erzählt habe, dass ich für zwei Semester in Ungarn, genauer gesagt in Budapest, an der Semmelweis Universität studieren will. Bewusst habe ich mich für etwas Neues, Unbekanntes und vor allem eine große Stadt entschieden. Versteht mich nicht falsch, ich bin stolzer Student der Universität des Saarlandes, ich wohne mittlerweile sogar gerne in Homburg! Diese Geschichte beginnt wie gesagt mit meinem Fernweh in die Großstadt, Budapest mit knapp zwei Millionen Einwohnern kam da genau richtig.

Ich hatte absolut keinen Plan von Ungarn oder dem Studium dort. Ab und an hat mal jemand von dort zu uns an die Uni gewechselt, aber sonst hab ich nicht so viel Gutes mitbekommen: Privatuni, Studiengebühren, Snobs, schlechte Ausbildung. Die üblichen Vorurteile gegen die deutschen Studenten dort. Das mag auf einige auch zutreffen, ich habe aber hauptsächlich andere und zwar bessere Erfahrungen gemacht, als ich dort als Erasmus Student war.

In der Klinik sind die meisten Prüfungen mündlich und oft auch in praktischen und theoretischen Teil gegliedert. Große Fächer gehen über zwei Semester und das erworbene Wissen muss in den Zwischen- und Abschlussprüfung präsentiert werden. Jeder der schon einmal eine große mündliche Prüfung hatte wird zugeben, dass man dafür den Stoff wirklich können muss und dementsprechend muss man auch an der Semmelweis lernen.

In z.B. Pathologie erhält man einen sehr praxisnahen Unterricht mit wöchentlich bis zu drei Obduktionen, bei denen man selbst mitwirken darf und mit einigen Dozenten im Gespräch wirklich viel mitnimmt. Wer sich jetzt denkt‚ so ein Gespräch kann ja nicht so tiefgreifend sein, die Professoren können ja sicher kein gutes Deutsch – weit gefehlt! In manchen Momenten hatte ich das Gefühl die können besser Deutsch als ich und nebenbei unterrichten fast alle noch parallel auf englisch und natürlich ungarisch. Einige wenige Ausnahmen bestätigen die Regel, aber wenn ich in Deutschland in der Vorlesung sitze und vorne wird tiefstes Saarländisch gebabbelt versteh ich teilweise noch weniger!

Mein Uni-Highlight war der EKG-Unterricht im Fach Pathophysiologie. Mal davon abgesehen, dass die EKG-Ausbildung an der Uni, meiner Meinung nach, in Deutschland eher dürftig ist bzw. fehlt, ist der Unterricht dort wirklich ein Traum. Das wird mir zu 100% im Arbeitsleben helfen.

Da aber auch in Budapest nicht nur die Sonne scheinen kann gibt es auch ein paar negative Seiten, die ich Euch nicht verschweigen möchte. Die Kurzfassung: das System ist eher „alte Schule“ und so kommt es auch mal vor, dass man sehr ausgiebig den Lebenslauf diverser vergangener Mediziner lernt und die bestehende Sprachbarriere ist vor allem im Patientenkontakt wirklich hinderlich.

Da die Uni aber wirklich nur ein Teil des ganzen Erlebnisses ist, jetzt noch ein paar Worte zu Stadt und Menschen: ich liebe diese Stadt! Die Stimmung dort ist super. Man kann sogar als Student leben wie ein König. Essen gehen, feiern gehen, Thermalbad und so viele andere Dinge, die dank des guten Wechselkurses super erschwinglich sind. Man lernt an der Uni und unterwegs tolle Leute kennen und taucht komplett in das „Lebensgefühl Budapest“ ein. Auch wenn Ihr dort nicht studieren werdet, einen Besuch ist es allemal Wert!

Euer Friedemann

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