Vom zweiten Staatsexamen in die Praxis (PJ)

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Nachdem ich das Zeugnis für das zweite Staatsexamen bekommen hatte, fühlte ich erstmals ein Gefühl der Erleichterung. Einerseits weil eine intensive Lernzeit damit (endlich) vorbei war und andererseits weil man mit Beginn des Praktischen Jahres (PJ) nun auch die Gelegenheit hat das theoretisch Gelernte nun auch direkt am Patienten anzuwenden.

Mein PJ startete mit dem Innere Tertial, welches ich zur Hälfte an meiner Heimatuni und zur anderen Hälfte in einem peripheren, nicht-universitären Haus, absolviert habe. Ich kannte die Station bereits von einer Famulatur und weil die Pflege größtenteils noch die gleiche war, kannte ich noch einige von damals. Das hat den Start natürlich auch erleichtert. Die vier Ärzte, welche sich die Station geteilt haben waren alle sehr nett. Ich wurde sehr schnell ins Team integriert und habe meine Aufgaben bekommen. So vergingen die Tage und Wochen und ich merkte schnell, dass ich in dem was ich tat immer sicherer und schneller wurde. Während der Visiten, die teilweise den ganzen Vormittag gedauert haben, konnte man in meinen Augen viel lernen. Oft ging die Oberärztin, die für die Station verantwortlich war, mit und sofern es die Zeit zugelassen hat, konnte man Fragen stellen und über dieses oder jenes diskutieren.

Auch wenn man nach dem zweiten Staatsexamen das Gefühl hat „alles“ gelernt zu haben, merkt man schnell, dass das theoretisch Gelernte nicht immer dem entspricht was man in der Praxis macht.

Der Vorteil an der Uniklinik war, dass die Stationen sehr spezifisch sind und dementsprechend hat man immer wieder mit den gleichen Krankheitsbildern zu tun, was einem den Umgang damit mit der Zeit erleichtert. Vor allem sieht man somit Krankheitsbilder, die man an einem nicht universitären Haus nicht sieht oder nur initial sieht und dann in ein spezialisiertes Haus verlegen muss, weil keine Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Somit bieten sich Unikliniken in meinen Augen vor allem für solche Studenten an, die genau wissen was sie später machen wollen und schon während des PJ eventuell einen guten Eindruck für eine spätere Anstellung hinterlassen wollen.

Was ich aber in den zweiten acht Wochen meines Innere Tertials, welche ich an einem peripheren Haus absolviert, gemerkt habe, ist, dass das Patientenspektrum und den damit verbundenen Krankheiten an der Uni doch sehr eingeschränkt ist. Ich war nun auf einer gemischt-internistischen Station, die demzufolge alle internistischen Krankheitsbilder abdeckt, eingeteilt. Das war am Anfang natürlich eine Umstellung und ich habe gemerkt, dass die Innere Medizin sehr, sehr umfangreich sein kann und man teilweise auch mit Krankheitsbildern konfrontiert wird, die man entweder nur vom Namen her kennt oder über die man während des Studiums nur oberflächlich was gelernt hat.

Das stellt natürlich auch eine Herausforderung dar, vor allem dann, wenn es sich um solche Patienten handelt, für die man als Student selbstständig verantwortlich (natürlich mit ärztlichem Hintergrund). Es ist aber keine Frage, dass ich vor allem bei diesen Patienten sehr viel lernen konnte.

Was einem nun besser liegt, das spezialisierte Haus mit eingeschränktem aber High-Tech-Medizin Patientenspektrum oder das periphere Krankenhaus mit diversen internistischen und konservativ zu behandelnden Krankheiten, muss jeder für sich selber entscheiden.

Mit Sicherheit kann ich aber sagen, dass das Arbeitsklima und das studentische Arbeitsleben zwischen Uni und Nicht-Uni doch sehr unterschiedlich ist. Natürlich kann ich nur für die beiden Häuser sprechen, die ich während meines Innere Tertials gesehen habe, trotzdem gab es große Unterschiede. Angefangen damit, dass ich mir an der Uni nicht hätte vorstellen können, dass ich Oberärzte, mit denen ich nicht unmittelbar zu tun habe, duzen kann oder darf. Das war im peripheren Haus ganz anders, denn da war es üblich, dass sich jeder (abgesehen vom Chef), duzt. In einer gewissen Weise hat dies durchaus Auswirkungen auf den Arbeitsalltag, was ich als sehr angenehm empfand.

An dem peripheren Haus haben wir jeden Morgen mit einem Fach– oder Oberarzt eine Stunde lang einen Ultraschallkurs bekommen, was ich wirklich toll fand, denn zumindest an meiner Uni kam der praktische Umgang mit dem Ultraschallgerät während des Studiums viel zu kurz. Ebenfalls konnten wir Studenten uns an dem peripheren Haus selbstständig auf die unterschiedlichen internistischen Stationen einteilen. Somit konnte man auf Stationen, die einem besser gefallen haben unter Umständen länger bleiben und dafür auf anderen Stationen die Zeit etwas verkürzen.

Des weiteren war es auch durchaus möglich sich anderen Stationen oder Ambulanzen anzuschauen, um so auch einen Einblick in andere Fachgebiete innerhalb der inneren Medizin zu bekommen.

Schlussendlich muss jeder für sich selber wissen, was einem mehr zusagt. Weiß man schon vor dem PJ was für eine Fachrichtung man später machen möchte, bietet sich das PJ natürlich an (neben den Famulaturen) sich schon einen Einblick auf eine bestimmte Abteilung zu verschaffen und eventuell auch schon den einen oder anderen Ansprechpartner zwecks späterer Assistentenstelle zu haben. Dennoch bin ich der Meinung, dass es nicht schadet, wenn man über den eigenen Tellerrand hinausschaut und auch andere Arbeitsweisen kennenlernt.

Eure Eva

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