Mein PJ in Kapstadt – ein Erfahrungsbericht

Wie ihr vielleicht bereits aus meinen vorherigen Blogbeiträgen wisst, habe ich während meines Studiums jede Möglichkeit genutzt, um ins Ausland zu gehen. Nachdem ich das Innere Medizin Tertial im schönen Bern in der Schweiz absolviert habe, ging es für das Chirurgie Tertial nach Kapstadt. Hört sich alles einfach an, war es ironischerweise aber nicht. Im Folgenden lest ihr meinen Erfahrungsbericht.

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Photo courtesy of Elsevier / Colourbox

Planungsbeginn und Finanzierung meines PJ

Mit der Organisation meines PJ in Kapstadt, Südafrika habe ich bereits vor 2 Jahren begonnen. Die Ausbildungsplätze sind unter den internationalen Studenten sehr beliebt und begrenzt, früh bewerben lohnt sich auf jeden Fall! Einige Monate nach der Bewerbung kam dann die Zusage und mir wurde ein Praktikumsplatz in der Allgemeinchirurgie und der Trauma Unit zugeteilt, beides habe ich auch als Wunschrotation bei der Bewerbung angegeben. Das PJ in Kapstadt ist ein teurer Spaß, 60 000 Zar Studiengebühren zahlt man für 16 Praktikumswochen, was in etwa 4.000 Euro entspricht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Aufenthalt zu finanzieren. Ich konnte mir das DAAD Stipendium ergattern, für welches man sich über die Heimatuni in Deutschland bewirbt. Die Hans Merensky Stipendien Stiftung hat mir ebenfalls das Auslandstertial ermöglicht. Es handelt sich um eine Stiftung, welche Studierenden, die im Rahmen ihres Studiums einen Auslandsaufenthalt in Afrika planen, fördert.

Visum für Südafrika

Bei einem Aufenthalt in Südafrika, der länger als 3 Monate andauert, ist ein Visum erforderlich, welches man je nach Bundesland entweder bei der Südafrikanischen Botschaft in Berlin oder München beantragen muss. Bei der Botschaft muss man persönlich antanzen und einen Berg an Dokumenten mitbringen, eine Checkliste dafür findet man auf der Internetseite.

Mein Lehrkrankenhaus in Kapstadt

Das gesamte Tertial habe ich am Groote Schuur Hospital absolviert, einem Lehrkrankenhaus der University of Cape Town. In der Allgemeinchirurgie konnte man durch verschiedene Stationen wie Endokrin-, Kolorektal-, Hepatobiliär-, Gefäß- oder Akutchirurgie rotieren. Ich habe in der Endokrinchirurgie begonnen und bin bis zum Schluss der allgemeinchirurgischen Rotation in dieser Abteilung geblieben, weil ich mich im Team sehr wohl gefühlt habe und mir die Arbeit viel Spaß gemacht hat.

Übersicht über eine typische PJ-Woche

Montags startete die Woche um 7:30 Uhr mit der Visite, im Anschluss an diese wurden Patienten stationär aufgenommen, die am Dienstag operiert werden sollten. Ich war gemeinsam mit den Assistenzärzten für die Aufnahmen und die präoperativen Blutentnahmen zuständig.

Dienstags war der OP Tag, meistens wurde in 2 OP-Sälen gleichzeitig operiert: In einem fanden die Schilddrüsen-OPs und in dem anderen die Brusteingriffe statt. Spannend und anders war, dass in Kapstadt Brustkrebs nicht wie in Deutschland von den Gynäkologen, sondern von den Allgemeinchirurgen operiert wird. Somit standen auf der Tagesordnung oft ganz viele Mastektomien und Thyreodektomien, außerdem selten auch Weichteiltumore wie Sarkome oder Lipome. Im OP herrschte immer eine coole Stimmung, mit viel Spaß und Smalltalk beim Operieren, als Student wurde man sehr gut ins Team integriert und war nicht nur der Hakenhalter. Neben Aufgaben wie Blutungen kauterisieren oder die Drainage annähen konnte ich oft am Ende der OP zunähen und somit meine chirurgischen Fertigkeiten verbessern, die Ärzte sind alle sehr geduldig und geben einem viele Tipps und beantworten während der OP alle Fragen. Nicht selten ist man als Student erste Assistenz bei größeren Eingriffen wie bilateralen Mastektomien. Aufgrund mangelnder Ressourcen fanden OPs nur dienstags statt.

Mittwochs konnte man in der Schilddrüsensprechstunde tennisballgroße Schilddrüsen tasten, die man in Deutschland wahrscheinlich nie sehen würde.

Donnerstags war meistens ein ruhiger Tag, nach der Visite hat man als Student Stationsarbeit wie Blutentnahmen oder Zugänge legen erledigt und ist danach entweder zum Strand oder in den Studentenunterricht. Die südafrikanischen Medizinstudenten rotieren ebenfalls während ihres Chirurgieblockpraktikums durch die verschiedenen Abteilungen und haben Fortbildungen und Tutorials auf dem Programm, die ich bei Gelegenheit besucht habe.

Freitags fand die sehr hektische Brustsprechstunde statt. Etwa 150 Patienten wurden wie auf dem Fließband durch mehrere Arztzimmer durchgeschleust. Die meisten von denen haben einen Tumor in der Brust getastet, der in der Sprechstunde biopsiert wurde. Ich habe sehr schnell gelernt, wie man Stanzbiopsien durchführt und durfte jeden Freitag selbstständig biopsieren. Einmal im Monat an einem Samstag fand das Flamingo Project statt, ein Projekt, welches durch private Sponsoren finanziert wird und mehr Frauen mit Brustkrebs eine lebensrettende OP ermöglicht und die OP-Wartezeit somit verkürzt. Als Student war man immer willkommen zu assistieren.

Fazit zu meinem PJ in Südafrika

Schnell geht die Zeit vorbei, vor allem wenn man Spaß hat – 2 Monate im Team Brust und Schilddrüse vergingen wie im Flug. Es war Zeit in die Trauma Unit zu wechseln: Wie ich statt in der Trauma Unit in der plastischen Chirurgie gelandet bin und was wir uns alles in unserer Freizeit gegönnt haben, lest ihr bald in einem neuen Beitrag.

Eure Angelina


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