Meine erste Famulatur im schweizerischen Luzern – Teil II

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Die ersten zwei Wochen vergingen, wie im Flug. Die tägliche Arbeitszeit zog sich durchschnittlich bis zu 12 Stunden, inklusive der Fortbildungen. Der Kliniktag rauschte, ich im Hamsterrad mitlaufend, vorbei und absorbierte mich. Langeweile kam nie auf. Ich war in diesen fünf Wochen sehr auf das Praktikum fixiert, las viel nach und außer den alltäglichen Tätigkeiten, wie nach Hause gehen, essen, duschen und schlafen, kam ich in der Woche kaum zu etwas anderem.

Meine dritte Woche führte mich auf die Rettungsstelle. Dort arbeitete ich sieben Nächte, durfte bei den nächtlichen Notfalloperationen assistieren und eigenhändig Patienten aufnehmen und diagnostische und therapeutische Vorgehensweisen für meine „eigenen, mir zugeteilten Patienten“ vorschlagen und diskutieren. Ich wurde ein Profi im neurologischen und motorischen Screening von sogenannten „FIAZ“ und „UEDS“, sprich Menschen, die wegen „Fahren im angetrunkenen Zustand“ oder „unter Einfluss von Drogen stehend“ von der Kantonspolizei Luzern auf der Straße abgefangen wurden und nun zu uns chauffiert wurden.

Natürlich entschied ich nie allein, sondern konnte mich immer an meine betreuende, empathische, kluge Assistenzärztin Christiane wenden, die mir jede Nacht Rede und Antwort stand. Sie forderte mich auf, Sachverhalte nachzulesen und diese ihr nochmals zu erläutern, sowie Untersuchungen selbstständig durchzuführen oder anzuordnen. Letztlich stellte sie sich auch als Ultraschall-Versuchskaninchen zur Verfügung und brachte mir in dieser gesamten Zeit auf dem Notfall, wie die Schweizer sagen, unheimlich viel bei. Großartig und nicht selbstverständlich! Die Zeit auf der Rettungsstelle war, vor allem dank ihr, ein enormer Wissenszuwachs für mich und hat extrem viel Lust auf mehr gemacht.

Zu den nächtlichen Operationen zählten unter anderem Femurfraktur-Repositionen mittels monopolarer Prothesen, Colektomien und Stomaanlegung bei Sigmaperforation, Cholezystektomien, ein Wunddébridement nach Hundebiss und die Versorgung von Inguinalhernien mittels Netzplastik. Zu den Highlights zählte das Nähen einer Donati-Naht, eine chirurgisch besondere Nahtform! Jede Premiere wurde von mir innerlich gefeiert. Die letzte Woche verbrachte ich auf der Traumatologie. Hier stand ich vor allem im OP Saal und durfte assistieren, sowie im Visceral-OP aushelfen.

Summa summarum, war meine Zeit in der Schweiz ein großartiges Abenteuer. Das Klima, sowohl auf der Station, als auch im Ops war sehr kollegial, die OP-Schwestern unheimlich herzlich und die Hierarchie unter den Ärzten nicht so spürbar, wie in Berlin. Meine freien Tage konnte ich, die Region erkundend, sehr gut nutzen. Der Pilatus und die Rigi laden zum Wandern ein, das jährliche Lucerne Festival lockt mit live Musik unterschiedlicher, nationaler Musikgruppen in die Straßen der Altstadt und das nicht weit entfernte Zürich bietet zahlreiche Möglichkeiten, zum Erkunden und Ausgehen.

Es lohnt sich definitiv nach der Famulatur zwei Wochen einzuplanen, um die südlichen Regionen der Schweiz, wie Tessin und die französischsprachigen Teile wie Lausanne und Genève besser kennenzulernen. Auch Norditalien ist nur drei Stunden mit dem Auto von Luzern entfernt und auf jeden Fall einen Ausflug wert.
Die anderen Unterassistenten, die als PJler bereits seit drei Monaten in Luzern waren, erzählten viel von ihren Erfahrungen und Freizeitausflügen. Es gab regelmäßig gemeinsame Grill-, Spiele-, Kochabende und Sportausflüge, da fast alle im spitalinternen Wohnheim unterkamen. Des Weiteren gab es zu meiner Zeit in Luzern, ein vom Spital organisiertes, chirurgisches Sommerfest, das im Freibad Lido direkt am Vierwaldstättersee stattfand, mit leckerem Essen und Tanzen im Anschluss. Das am Nachmittag geplante Beachvolleyballturnier viel leider ins Wasser.
Was mich sehr erfreut hat, war, dass immer wieder französisch-, spanisch- und englischsprachige Menschen ihren Weg ins Spital fanden und ich mein Lieblingshobby, die Sprachen, täglich bzw. nächtlich leben konnte.

Erinnerungen von Johanna

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