How To Save A Life – Tipps zum richtigen Händedesinfizieren

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My five moments for hand hygiene

Es liegt in Ihrer Hand!

Clean care is safer care.

Händehygiene first!

See your hands

How to save lives…

Klingende Namen für ehrgeizige Projekte und schnittige Slogans, die an die Werbeindustrie oder Popsongs erinnern – all das für ein bei Medizinstudenten eher beiläufig beachtetes Thema: das richtige Händedesinfizieren.

Als angehender Mediziner spielt das Erlernen der korrekt ausgeführten Händedesinfektion vor und nach jedem neuen Patientenkontakt schon ab dem Pflegepraktikum im Krankenhaus eine elementare Rolle, da durch diese sehr einfach durchzuführende Maßnahme zahlreiche Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen, anderen Mikroorganismen und „Konsorten“ verhindert werden können.

Einige Medizinstudierende werden in einem Praktikum die einzelnen hintereinander durchzuführenden Schritte gelernt haben, die korrekt nacheinander auszuführen waren, damit keine Stelle (Fingerbeeren, Daumen, Fingerzwischenräume, palmare und plantare Handseite und Nägel) von Sterillium oder Ähnlichem unbenetzt blieb. Auch die anschließende Erfolgskontrolle unter Fluoreszenz gehörte dazu.

Inzwischen scheint man von den strengen Schritten zunehmend offiziell Abstand zu nehmen, damit die Hemmschwelle, überhaupt zum Desinfektionsmittel zu greifen, gesenkt wird. Wichtig ist es, wie bei so vielen medizinisch notwendigen Maßnahmen, erst einmal daran zu denken und sich nicht vom Desinfizieren aufgrund vermeintlich komplexer Bewegungsabläufe abhalten zu lassen.

Wichtig sind laut oben genannter Projekte eher die five Moments der WHO-Empfehlungen, in denen man notwendigerweise zum Wandspender laufen sollte:

  • Vor jedem Patientenkontakt,
  • Nach jedem Patientenkontakt,
  • Vor der Durchführung aseptischer Tätigkeiten wie dem Legen von Venenverweilkathetern, venösen und arteriellen Blutentnahmen oder der Zubereitung von Infusionen,
  • Nach dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten und
  • Nach dem Kontakt zur Umgebung (wie Bett, Kleidung oder Nachtschrank) des Patienten.

Zudem sollte man sich mindestens 30 Sekunden damit beschäftigen, das Mittel in ausreichender Menge sachdienlich in der Haut zu verteilen und einwirken zu lassen. Währenddessen lässt es sich sehr gut mit dem Patienten oder Kollegen kommunizieren, so dass keine wertvolle „Zeit verloren geht“.

Idealerweise sollten etwa 150 Händedesinfektionen je Schicht durchgeführt werden, was zu einer reinen Hände-Desinfektionszeit von etwa 75 Minuten pro Arbeitstag führt, also zu 375 Minuten pro Woche, 18.000 Minuten pro Jahr… usw. All dies wird in vielen Kliniken anhand des verbrauchten Sterilliums und ähnlichen Anti- und Desinfektiva stationsweise akribisch dokumentiert und analysiert, um bei zu geringem rechnerisch gemitteltem Verbrauch Mitarbeiter auf etwaige Unzulänglichkeiten hinzuweisen.

Auch die nationale Kampagne „Aktion Saubere Hände“ gehört zu den Initiativen, Händehygiene populärer zu machen. Sie basiert auf dem von der Weltgesundheitsorganisation 2005 international gestarteten Projekt „Clean care is safer care“ und hat genauso zum Ziel, den five moments der Händedesinfektion zu höherer Compliance zu verhelfen. Auch zu Anfang genannte Vorhaben zielen auf eine bessere Händehygiene ab, um einem der größten Probleme im modernen Krankenhausbetrieb entgegenzuwirken: den Infektionskrankheiten.

Der Internationale Tag der Händehygiene findet am 05. Mai jeden Jahres statt (die Autorin vermutet dahinter die statistisch am häufigsten vorkommende Anzahl der zweimal fünf Finger je Hand beim Homo sapiens, daher wurde wahrscheinlich der 05.05. als Ehrentag gewählt)

Tatsächlich wurden – im Gegensatz zum Idealzustand – unter Medizinern mehrere Feldstudien zum Händewaschen und zur Händehygiene durchgeführt.

Exemplarisch ist auf folgende zwei Erhebungen nach Toilettengang bei 200 bzw. 100 ärztlichen Teilnehmern auf Kongressen unterschiedlicher Disziplinen der Humanmedizin aufmerksam zu machen: Unter anderem ergaben diese inoffiziellen, weitgehend aber seriösen Beobachtungen, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Ärzten sich nach dem Toilettenbesuch unbeobachteterweise nicht die Hände reinigt. Demnach würden sich lediglich 74% bzw. 80% in suffizienter Weise im Anschluss an den Besuch des sanitären Bereichs die Hände waschen, wobei sich erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern hätten erkennen ließen (Hand hygiene among neurologists attending a congress. Faiz KW, Am J Infect Control. 2014; One in five surgeons do not wash hands after visiting a toilet – an ethnographic field study. Burcharth J, Ugeskr Laeger. 2014).

Liebe Mitstudierende,

liebe Patienten und Besucher,

liebe weitere Leser,

greift also nach dieser Lektüre nicht nur Anfang Mai beherzt zum Desinfektionsmittelspender, sondern selbstverständlich auch an all den vielen Tagen dazwischen – um Infektionskrankheiten effektiv durch eine sehr „handliche“ Maßnahme vorzubeugen.

Eure Jenny-Lou

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