Famulatur auf Zanzibar

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Photo: Pia Pennekamp

Arbeiten und Lernen wo andere Urlaub machen. Die meisten kennen die Insel Zanzibar nur aus Urlaubsprospekten im Reisebüro. Traumhafte Sandstrände und türkisblaues Wasser. Das stimmt auch alles und ich habe das wirklich genossen, aber ich war nicht nur zum Sonnen auf der tansanischen Insel im indischen Ozean. Zanzibar vereint Paradies und Elend auf wirklich unheimliche Art.

Sechs Wochen habe ich in dem einzigen öffentlichen Krankenhaus, dem Mnazi Mmoja Hospital, gearbeitet und gelernt. Die ersten vier Wochen war ich in der Pädiatrie. Im Krankenhaus sprechen alle Angestellten sehr gut Englisch, während die Patienten alle Swahili sprechen und auch nur wenig Englisch verstehen. An meinem ersten Arbeitstag hat mich mein Local Coordinator Abdi abgeholt und zum Krankenhaus gebracht. Die leitende Oberärztin der Pädiatrie hat mich und die anderen Studierenden – wir waren insgesamt sieben auf der Pädiatrie – sehr herzlich aufgenommen. Wir sind direkt mit zur täglichen Visite gekommen. Die läuft ziemlich ähnlich wie bei uns ab, aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Die Kinder sind meistens in Begleitung der Mütter im Krankenhaus, da die Pflegekräfte sich nur um Medizinisches kümmern. Die Versorgung mit Essen und Getränken liegt in der Verantwortung der Familie. An der medizinischen Behandlung der Kinder sind die Eltern jedoch gar nicht beteiligt und die Kinder werden ohne Erklärungen mitgenommen für Untersuchungen oder Behandlungen. Da die Visite auch üblicherweise in Englisch geführt wurde, waren die Eltern auch dort außen vor. Selbst konnten wir leider wenig machen oder wollten einige Dinge auch nicht selbst ausprobieren. Da die hygienischen Bedingungen oft nicht gerade gut waren, haben wir uns entschieden keine venösen Zugänge bei den Kindern zu legen und derartige Maßnahmen den Pflegekräften dort zu überlassen. Auf der Kinderintensivstation, wobei der einzige Unterschied zu den anderen Stationen in einem Pulsoxy und Einzelbetten bestand, durften wir ab und zu Magensonden legen und die Kinder untersuchen. Die Therapiemöglichkeiten waren dort leider sehr limitiert, sodass die Kinder, welche beatmungspflichtig wurden, leider verstarben. Auf der Station habe ich einige Krankheitsbilder gesehen, die bei uns nur sehr selten auftreten. Viele Säuglinge und Kleinkinder waren mit Meningitis oder Tetanus dort in Behandlung. Zwei Räume waren ausschließlich für mangelernährte Kinder und ein Raum für Frühgeborene. Obwohl mir bekannt war, dass die Sichelzellanämie dort relativ häufig ist, war ich überrascht, wie viele Kinder mit Sichelzellkrisen in der Ambulanz waren. Die Ärzte dort sind sehr bemüht ihren kleinen Patienten zu helfen und haben leider oft einfach das Equipment nicht zur Verfügung. In den letzten zwei Wochen habe ich noch die Notaufnahme kennengelernt. Auch hier hat es an vielem gemangelt, wobei die Ausstattung schon besser war, als auf der Kinderstation. Was mich jedoch positiv überrascht hat, ist das Gesundheitssystem selbst. Die Versorgung im Krankenhaus, so schlecht ausgerüstet wie es auch ist, ist für die Einheimische Bevölkerung kostenlos und für jeden verfügbar. Meine Arbeitszeiten konnte ich mir ziemlich frei aussuchen. Meistens war ich nur von ungefähr acht bis zwölf auf Station. An manchen Tagen bin ich auch länger geblieben, je nachdem was es zu tun gab. Auch bei Nachtschichten konnten wir die diensthabenden Ärzte begleiten.

Während der Famulatur habe ich bei einer einheimischen Familie gelebt, welche finanziell sehr gut gestellt ist. Dort habe ich erfahren, dass reiche Menschen dort bei Notfällen nur in das internationale private Krankenhaus gehen und bei planbaren Behandlungen sogar nach Indien oder in die Arabische Emirate fliegen, da die lokale Versorgung nicht sehr gut ist.

Die Familie von Mama Munna hat mich sehr freundlich empfangen. Die Kinder haben mir ein wenig Swahili beigebracht und Mama Munna ist eine hervorragende Köchin. Schon zum Frühstück habe ich Omelette und frisches Obst bekommen und das vermisse ich jetzt zurück im kalten Deutschland doch sehr. An den Wochenenden habe ich entweder Ausflüge mit der Familie unternommen oder war selbst unterwegs. Besonders spannend waren die Gewürzfarmen auf der Insel, wo Vanille, Nelken, Pfeffer und vieles mehr angebaut wird. Dank Abdi habe ich sogar spontan die Chance gehabt, eine Safari in der Serengeti und im Ngorongoro Nationalpark zu machen. Das gehört zu einer Afrikareise halt einfach dazu.

Ich kann wirklich jedem empfehlen eine derartige Auslandsfamulatur zu machen. Das holt einen irgendwie ziemlich direkt in die Wirklichkeit zurück. Wir sind ja von zu Hause nur die perfekt ausgestatteten Intensivstationen gewohnt. Bei uns sterben, zum Glück, nur noch wenige Kinder an Infektionskrankheiten oder Mangelernährung. Dass das längst nicht überall auf der Welt so funktioniert vergisst man da schnell. Ich habe meine Famulatur über die Organisation WorldUnite geplant und wurde vor Ort auch gut betreut. Wer da nähere Informationen zu haben möchte kann sich gerne bei mir melden. Traut euch einfach, es ist wirklich ein unvergessliches Erlebnis.

Eure Pia

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