Famulatur in Quedlinburg – Innere und Pädiatrie

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Meine Famulatur im Sommer 2015 nach dem ersten Jahr im klinischen Abschnitt des Studiums sollte nicht im heimischen Rostock, sondern endlich mal in einem anderen Krankenhaus stattfinden. Im Frühjahr haben sich die Harzkliniken Wernigerode und Quedlinburg in Rostock vorgestellt und haben einen super Eindruck gemacht, sodass ich gleich „Butter bei die Fische“ gemacht habe. Ihr Angebot ist wirklich verlockend: kostenlose Unterkunft (1-Zimmer-Appartment mit Küche und Bad für jeden alleine, Vollverpflegung 7 Tage die Woche und ein Satz von rund 17 €/Arbeitstag ist auch finanziell gesehen durchaus attraktiv, zumal es ja in den meisten Kliniken gar kein Taschengeld gibt.). Leider war im Klinikum in Wernigerode kein Platz mehr frei, sodass es mich also nach Quedlinburg zog. 2 Wochen Innere – 2 Wochen Pädiatrie: Das war also mein Sommer im Harz. Ich habe mich gezielt für diese Fachrichtungen entschieden. Innere sollte in erster Linie dem Üben von Blut abnehmen, etc. gelten und mein gerade erworbenes Pharma-Wissen festigen. In die Pädiatrie wollte ich einfach, weil mich das Fach sehr interessiert. Letztendlich wäre es rund 2 Monate vor Anreise auch möglich gewesen auf jede andere Station zu kommen. Sprich: Quedlinburg ist auch spontan gut machbar, für Wernigerode jedoch ist frühe Planung angesagt!
Vorerst etwas zum Standort Quedlinburg: Die Stadt ist sehr klein, aber auch nicht umsonst Weltkulturerbe. Man kann sich schon längere Zeit hier aufhalten und lange vor dem Rathaus Kaffee trinken, jedoch ist für junge Leute das Angebot sehr begrenzt (bis nicht vorhanden).

Arbeitsbeginn war auf beiden Stationen um 7 Uhr und Feierabend gegen halb 4 (gerne auch etwas später). Es hätte aber auch niemanden wirklich ernsthaft gestört, wenn man mal früher gegangen wäre.

An meinem ersten Tag erfuhr ich, dass ich auf eine gastroenterologische Station eingeteilt wurde. Auch wenn ich im ersten Moment echt nicht wirklich begeistert von dieser Entscheidung war (Innere wollte ich schon unbedingt machen, aber Gastro?), hat mir die Station super gefallen. Die Ärzte haben mir viel gezeigt, viel erklärt und die eher lästigen Famulantentätigkeiten wie Blut abnehmen und Flexülen legen, waren zwar en masse vorhanden, haben jedoch lange nicht den Hauptteil des Tages ausgemacht. Bei der ausführlichen Visite galt es tagtäglich seine grauen Zellen zu fordern und eine Menge zu lernen. Das ausführliche Endoskopie-Angebot durfte ich auch zu jeder Zeit nutzen, wenn Arztbriefe geschrieben wurden und für mich eher nichts zu tun war. Da das Klinikum in Quedlinburg ein Lehrkrankenhaus der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist, gab es für PJ-ler und Famulanten auch ein angenehmes Angebot für fakultative Seminare. Leider habe ich es zeitlich nicht oft geschafft diese wahrzunehmen, aber die, die ich besuchen konnte, waren sehr informativ und interessant.

Nach 15 Tagen bin ich dann im selben Haus zur Pädiatrie gewechselt und war gefühlt in einer anderen Welt. Raus aus dem doch relativ stressigen Stationsalltag auf der Inneren und rein in ein ruhiges Stationsleben mit gemeinsamen Frühstück und Mittagessen und ohne Vampir-Gespiele. Die Station war spezialisiert auf Neonatologie, was auch ein Grund für meine Entscheidung war, die Pädiatrie auszutesten. Nach kurzer Zeit durfte ich auch die kleinen Racker untersuchen und mich im Blutabnehmen von Neugeborenen üben. Die Möglichkeit an Entbindungen und Kaiserschnitten teilzunehmen, kann nach einer kurzen Absprache mit den Hebammen jederzeit wahrgenommen werden.

Unterm Strich muss ich sagen, dass mir beide Fächer sehr gefallen haben. Bei der Inneren Medizin gefällt mir einfach der enge Patientenkontakt unglaublich stark, was ein echt großer Kontrast zur Chirurgie ist. Bei der Pädiatrie fühlte ich mich manchmal auch als ein kleiner Psychologe, aber das ist ja auch nicht unbedingt nur schlecht. Des Weiteren hat mir das Arbeiten mit Kindern sehr gut gefallen und viel Spaß bereitet, aber das sind Gedanken, die sehr von meiner persönlichen Meinung abhängen.

Die Ärzte waren stets bemüht Sachen zu erklären und Wissen zu vermitteln, auch wenn dies oft wegen des doch stressigen Stationsalltags (speziell auf der Inneren) nicht immer im von mir erwünschten Umfang möglich war.

Ein wenig enttäuscht war ich jedoch vom Standort Quedlinburg. Die Stadt ist zwar an sich sehr niedlich, aber wenn man kein Auto hat, ist der Harz nur relativ umständlich mit Bahn zu erreichen. Das lohnt sich dann aber auf jeden Fall!

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